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18. September 2019
Seite 1/5

Trendpfeile – Praktische Integration in die Diabetestherapie

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Der Deutsche Gesundheitsbericht Diabetes 2019 hebt hervor, dass die Anzahl von Menschen mit Diabetes mellitus in Deutschland bei 7,5 Millionen liegt (1). Dieser Trend zu immer weiter steigenden Zahlen an mit Diabetes erkrankten Menschen hat die aktuelle Bundesregierung dazu veranlasst eine „nationale Diabetesstrategie“ zu planen, um die „Volkskrankheit“ Diabetes zu „bekämpfen“ (2). Nationale und internationale Leitlinien empfehlen bei Typ-2-Diabetes zur Therapie als Basis Lebensstilinterventionen, die nach Bedarf schrittweise um medikamentöse Behandlungsstrategien erweitert wird (3, 4). Bei Menschen mit Typ-1-Diabetes stehen eine Therapie mit Insulin und ein differenziertes Glukose-Monitoring im Vordergrund (5). Glukoseselbstkontrolle gehört bei Menschen mit Typ-1-Diabetes grundsätzlich zum Therapiekonzept (5). Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes werden in der Nationalen Versorgungsleitlinie „Therapie des Typ-2-Diabetes“ Glukoseselbstmessungen empfohlen, „wenn sich daraus therapeutische Konsequenzen ergeben“ (3). Dazu zählen Therapieumstellungen, der Beginn einer Insulintherapie, aber auch ein Reagieren auf ein erhöhtes Hypoglykämierisiko. Auch auftretende Probleme in der Stoffwechseleinstellung können Gründe für die Durchführung einer Glukoseselbstkontrolle bei Menschen mit Typ-2-Diabetes sein (3). Mit Aktualisierung der Nationalen Versorgungsleitlinie „Therapie des Typ-2-Diabetes“ sollte eine Erweiterung der Indikation für Glukosemessungen in Erwägung gezogen werden (6).
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Kontinuierliches Glukose-Monitoring bei Menschen mit Diabetes

Glukoseselbstkontrolle kann durch Bestimmung der Blutglukose durch Fingerstich (Self Monitoring of Blood Glucose – SMBG) oder aber durch eine „kontinuierliche“ Messung der interstitiellen Glukose (ca. alle 1-5 Minuten; Continuous Glucose Monitoring – CGM) erfolgen. In einer aktualisierten Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Technologie (AGDT) der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) hebt die Fachgesellschaft hervor, dass CGM den Menschen mit Diabetes umfassendere Informationen über ihre glykämische Kontrolle liefern kann, als dies mit SMBG möglich wäre (7). In Deutschland ist CGM seit 2016 ein fester Bestandteil des Diabetesmanagements und wird von nationalen Fachgesellschaften bei Menschen mit Diabetes und intensivierter Insulintherapie zur Optimierung der Stoffwechsellage empfohlen, im Besonderen im Hinblick auf die Vermeidung von Hypoglykämien und der Verbesserung der Glukosevariabilität (5, 7-10). Die Praxisempfehlungen der DDG befürworten, CGM nicht nur bei Menschen mit Typ-1-Diabetes und insulinbehandeltem Typ-2-Diabetes zu verwenden, sondern temporär ebenfalls beispielsweise zur Überprüfung bei Therapien mit oralen Antidiabetika, die Hypoglykämien induzieren können, oder aber auch zu Schulungszwecken (11).

Auswertung und Nutzung der gewonnenen Daten

CGM kann je nach System zwischen 288 (alle 5 Minuten) und 1.440 Messwerten (minütlich) pro Tag liefern (12). Dies ist eine enorme Datenmenge, die dem Anwender und dem behandelnden Arzt/Diabetesteam zur Bewertung der glykämischen Kontrolle zur Verfügung stehen. Um aus den so gewonnenen Daten eine Therapieentscheidung ableiten zu können, müssen die Informationen standardisiert verarbeitet, dargestellt und hinsichtlich behandlungsrelevanter Faktoren ausgewertet werden. Die Auswertung des glykämischen Profils und das ambulante Glukoseprofil (AGP) bieten einen umfassenden, anschaulichen Überblick über die Daten und ermöglichen den Anwendern und behandelnden Ärzten/Diabetesteams den errechneten eHbA1c, die Zeit im Zielbereich (Time in Range – TIR), Zeit in der Hypoglykämie (und deren Ausprägung und zeitliche Verteilung) bzw. der Hyperglykämie, die Glukosevariabilität und Glukosestabilität einzuschätzen (13). Verlässliche Aussagen zum Glukoseverlauf in einem AGP können mit einem Auswerteintervall von 14 bis 28 Tagen erreicht werden, wobei die erfassten Sensordaten mindestens 70% der möglichen 100% betragen sollten. Aktuelle CGM-Systeme bieten bereits bei der Erfassung der Daten sogenannte Trendpfeile an, die dem Nutzer weitere Aussagen über den zukünftigen Glukoseverlauf erlauben.

Das Konzept Trendpfeile

Trendpfeile visualisieren den Glukosetrend und erlauben dem Nutzer somit eine Prognose über den voraussichtlichen Glukoseverlauf. Der Glukosetrend wird basierend auf den Veränderungsraten der in den letzten (je nach Hersteller) 15-20 Minuten gemessenen Glukosewerte ermittelt und als Trendpfeil auf dem Display des Lesegerätes, des Smartphones oder der Insulinpumpe abgebildet (14, 15). Dabei ist zu beachten, dass die Trendpfeile immer auf einer retrospektiven Bewertung bereits gemessener Werte beruhen und daher nicht als isolierter Parameter für eine Therapieentscheidung verwendet werden sollten (16). Die Veränderungsraten werden beispielsweise durch die Darstellung eines waagerechten Pfeils, der eine stoffwechselstabile Situation anzeigt, visualisiert. Weitere Pfeile, die in unterschiedlicher Anzahl und Ausrichtung nach oben/unten weisen, stehen für steigende und sinkende Glukosetrends. Je nach Hersteller werden die Trendpfeile in unterschiedlicher Weise zur Veranschaulichung der Glukosetrends verwendet (vgl. Tabelle 1) (17).

Trendpfeile visualisieren den Glukosetrend und erlauben dem Nutzer somit eine Prognose über den voraussichtlichen Glukoseverlauf. Der Glukosetrend wird basierend auf den Veränderungsraten der in den letzten (je nach Hersteller) 15-20 Minuten gemessenen Glukosewerte ermittelt und als Trendpfeil auf dem Display des Lesegerätes, des Smartphones oder der Insulinpumpe abgebildet (14, 15). Dabei ist zu beachten, dass die Trendpfeile immer auf einer retrospektiven Bewertung bereits gemessener Werte beruhen und daher nicht als isolierter Parameter für eine Therapieentscheidung verwendet werden sollten (16). Die Veränderungsraten werden beispielsweise durch die Darstellung eines waagerechten Pfeils, der eine stoffwechselstabile Situation anzeigt, visualisiert. Weitere Pfeile, die in unterschiedlicher Anzahl und Ausrichtung nach oben/unten weisen, stehen für steigende und sinkende Glukosetrends. Je nach Hersteller werden die Trendpfeile in unterschiedlicher Weise zur Veranschaulichung der Glukosetrends verwendet (vgl. Tabelle 1) (17).

Tabelle 1: Berechnet aus dem Trend der letzten ca. 15 Minuten weisen diese Pfeile bei den verschiedenen Systemen darauf hin, wie die Gewebe­glukosewerte in den nächsten 30 Minuten bei gleichbleibendem Trend voraussichtlich ansteigen bzw. sinken.
Modifiziert nach Ziegler R et al. Diabetologie und Stoffwechsel 2018; 13: 500-509
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