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CME-Artikel
21. April 2021
Seite 1/4

Muskuloskelettale Schmerzen – ernst ­nehmen und topisch mit NSAR behandeln

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(Der Test zu diesem Artikel steht Ihnen zur Verfügung bis 21.04.2022)

Muskuloskelettale (MSK) Schmerzen und deren zugrunde liegende Erkrankungen zählen weltweit zu den führenden Ursachen einer teils stark eingeschränkten gesundheitsbezogenen Lebensqualität.1,2 Laut der aktuellen Global-Burden-of-Disease-Studie zählen Kreuzschmerz, Nackenschmerz, Arthrose und andere MSK-Erkrankungen und die damit verbundenen Schmerzen zu den führenden Ursachen einer beeinträchtigten Gesundheit.1 Dabei spielen nicht nur physische ­Einschränkungen eine Rolle, auch die psychischen, sozialen und ­sozioökonomischen Belastungen können erheblich sein.2-4
 
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Derartige Beeinträchtigungen betreffen vor allem Menschen mit chronischen MSK-Schmerzen, die sich in der Regel über einen Zeitraum länger als drei bis sechs Monate manifestieren, häufig jedoch über Jahre hinweg.5 Die Ursache ist oft eine Arthrose der Knie-, Hüft- und Handgelenke.6 Auch chronische Kreuz- oder Nackenschmerzen sind hier zu nennen.5 Abzugrenzen sind akute MSK-Schmerzen mit einer Dauer von in der Regel weniger als drei Monaten bei stetig abnehmender Schmerzintensität.5 Zu den häufigen Ursachen zählen hier Sportverletzungen in Form von Verstauchungen oder mechanische Überbeanspruchungen wie Zerrungen oder Sehnenentzündungen,7 aber auch degenerative Prozesse wie z.B. die Arthrose können durch Schübe akute MSK-Schmerzen hervorrufen.8 Dieser Akutschmerz kann ebenso wie bei der chronischen Schmerzmanifestation zusätzlich zur physischen auch relevante psychische und soziale Folgen nach sich ziehen.9
Die Prävalenz von MSK-Schmerzen und die damit verbundenen ­Belastungen für die Betroffenen selbst und für die Gesellschaft ins­gesamt werden in den kommenden Jahren noch steigen.10 Dies hängt in erster Linie mit dem demographischen Wandel und dem daraus resultierenden steigenden Anteil an Menschen mit degenerativen und chronischen Erkrankungen zusammen. Bereits gegenwärtig verursachen Kreuzschmerz und andere chronische Schmerzerkrankungen ­relevante Kosten im deutschen und europäischen Gesundheitswesen.3,4 So ­lagen einer Umfrage aus Deutschland aus dem Jahr 2005 mit 9267 Teil­nehmern zufolge die durchschnittlichen jährlichen, direkten und indirekten Kosten im Zusammenhang mit Kreuzschmerzen pro Patient bei 1322 Euro.4 Hinzu kommt eine Zunahme der Prävalenz wichtiger Risiko­faktoren für MSK-Schmerzen. Der Anteil der Erwachsenen mit dem Risikofaktor Adipositas beispielsweise hat sich in Deutschland zwischen 2000 und 2015 auf knapp 25 % verdoppelt.11,12
Vor diesem Hintergrund ist das Ziel dieses Beitrags zum einen, die Notwendigkeit einer Therapie von MSK-Schmerzen zu unterstreichen. Zum anderen soll praxisrelevantes Wissen für eine unkomplizierte Behandlung mit topischen NSAR vermittelt werden, da diese einen wichtigen Bereich des Selbstmanagements und damit der Selbstwirksamkeit der Patienten darstellt.
 

1. Physische und emotionale Auswirkungen von MSK-Schmerz

Ein Aspekt, der in der ärztlichen Praxis im Kontext von MSK-­Schmerzen nicht unterschätzt werden sollte, sind Beeinträchtigungen des ­emotionalen Wohlbefindens und der Lebensqualität allein durch die Schmerzen selbst. Einen Eindruck von deren Tragweite gibt eine ­kombinierte Analyse dreier weltweit durchgeführter Querschnitts­umfragen mit insgesamt 28 861 erwachsenen Personen – 2419 davon aus Deutschland.2,13 Diese Personen hatten mindestens einmal von MSK-Schmerzen berichtet. Ermittelt wurde anschließend der ­Prozentanteil jener ­Personen, für die der Schmerz relevante Auswirkungen auf die ­physischen und psychischen Aspekte ihres Gesundheitszustands sowie die Lebensqualität hatte. Bezogen auf die Teilnehmer aus Deutschland werteten durchschnittlich 49 % der Befragten ihre MSK-Schmerzen als eine substanzielle physische Beeinträchtigung – 67 % in Bezug auf die Dauer (mind. mehrere Stunden), 57 % bezogen auf die Schmerzfrequenz (mind. wöchentlich) und 24 % hinsichtlich der Schmerz­intensität (mind. 7 Punkte auf der Schmerzskala 0 =  kein Schmerz; 10 = maximaler Schmerz). 34 % der Befragten gaben eine relevante emotionale Beeinträchtigung an. Dies umfasste ein geringeres Selbstwertgefühl (Anteil 34 %), Angst vor Schmerzen (Anteil 27 %) ­sowie eine verminderte ­Fähigkeit, Freude zu empfinden ­(Anteil 42 %). Für 69 % der Befragten aus Deutschland hatten die MSK-Schmerzen auch negative Auswirkungen auf ihre Lebensqualität. Insgesamt schienen ähnlich viele Frauen wie Männer die Belastung durch MSK-Schmerzen als relevant zu ­beurteilen.2 Zusammenfassend unterstreichen die ­Ergebnisse dieser sehr großen Umfrage die therapeutische Relevanz des Zusammenhangs zwischen biologischen, psychischen und sozialen Faktoren bei MSK-Schmerzen. Dies findet sich auch in dem zugrunde liegenden biopsychosozialen Krankheitsmodell und Behandlungsansatz bei Schmerzen generell wieder.14 Daher spielen bei der Wahrnehmung und Bewertung von MSK-Schmerzen auch ­Faktoren eine Rolle, die auf den ersten Blick nicht wichtig zu sein scheinen: Bildungsstand, ­Einkommen, Persönlichkeitsakzentuierung, soziale Unterstützung und Komorbidität.15 So ist beispielsweise ein reziprokes Verhältnis ­zwischen chronischer Schmerzempfindung und depressiven Störungen ­beschrieben worden: Bei betroffenen Patienten ist eine Zunahme der Schmerzbelastung ein starker Prädiktor für eine Intensivierung einer depressiven Störung, und umgekehrt.16 In einer anderen Arbeit konnte gezeigt werden, dass eine stärkere soziale Unterstützung von Schmerzpatienten mit einer besseren persönlichen Bewertung ihrer gesundheitsbezogenen ­Lebensqualität einherging. Dies betraf verschiedene Dimensionen wie allgemeine Gesundheitswahrnehmung, mentale Gesundheit, soziale Funktionsfähigkeit und Vitalität.17
 

2. Patienten-Selbstmanagement

Das biopsychosoziale Krankheitsmodell ist ebenfalls auf die Therapie bei MSK-Schmerzen anwendbar, diese ist grundsätzlich multimodal und interdisziplinär. Eine wesentliche Rolle spielt dabei das Selbstmanagement der Patienten, das zur Selbstwirksamkeit beiträgt: Der behandelnde Arzt klärt hinsichtlich Selbstmedikation auf und unterstützt anleitend. Hilfreich dazu kann das Wissen sein, wie Menschen mit MSK-Schmerzen auf ihre Beschwerden reagieren. Informationen dazu liefern unter anderem die Ergebnisse einer Umfrage, die 2020 auf dem virtuellen 16. World Congress on Public Health vorgestellt wurden.18 An der Umfrage teilgenommen hatten 18 602 Erwachsene in gleicher Geschlechterverteilung. 83 % von ihnen litten mindestens einmal pro Jahr an Muskelschmerzen, 73 % an Gelenkschmerzen, v.a. Arthrose oder rheumatoider Arthritis, und 61 % an Schmerzen in Bändern, Sehnen oder Knochen. Es sei aber darauf hingewiesen, dass in diese Umfrage auch Personen mit anderen Schmerzformen, z.B. Kopfschmerz (84 %), Migräne (60 %) oder Bauchschmerzen (79 %), eingeschlossen waren.18
Im Hinblick auf das Selbstmanagement gaben 91 % der Befragten (n = 16 985) an, dass sie eigenständig eine Schmerzbehandlung durchführten. Dabei hatten Analgetika mit 60 % den größten Anteil (Abb. 1). Nicht zu unterschätzen sind allerdings auch nicht-medikamentöse Ansätze: 48 % der Befragten behandelten ihre Schmerzen mit körperlicher Entspannung bzw. Schlafen, 25 % verfolgten eine Bewegungstherapie (inkl. Dehnungsübungen oder Massage) und 23 % andere nicht-medikamentöse Ansätze wie eine Kryo- oder Wärmetherapie. Der Anteil der Befragten, die angaben, ärztlichen Rat aufzusuchen, lag bei lediglich 25 %, was umgekehrt bedeutet, dass 75 % der Betroffenen die Schmerzen ohne ärztliche Konsultation in Eigenregie behandeln, was prinzipiell kein Nachteil sein muss.
Bevor sie pharmakologisch oder nicht-pharmakologisch intervenierten, warteten 53 % der Befragten mindestens mehrere Stunden oder Tage ab. Wesentliche Gründe dafür standen im Zusammenhang mit einer medikamentösen Therapie: 37 % der 10 329 Personen, die zu dieser Frage Angaben machten, standen einer Pharmakotherapie kritisch ­gegenüber. Jeder Fünfte fürchtete sich vor Nebenwirkungen oder Arzneimittelabhängigkeit. Ein Drittel gab an, den Schmerz vielmehr zu akzeptieren, statt ihn behandeln zu wollen. Allerdings gaben über drei Viertel (76 %) aller Befragten (n = 18 602) an, sich eine bessere Schmerzkontrolle zu wünschen.18 Vor allem dieser letzte Punkt weist darauf hin, dass es u.a. in der Therapie von MSK-Schmerzen noch ­Verbesserungspotenzial gibt. Zusammenfassend kann man ­festhalten, dass die vielen Betroffenen sich eine bessere Schmerzkontrolle ­wünschen, diese jedoch möglichst in Eigenregie durchführen möchten.
 
Abb.1: Auswahl der häufigsten Schmerzbewältigungsstrategien bei Personen (n = 16 985) mit akuten oder chronischen Schmerzen.
Schmerzbewaeltigungsstrategien
 
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