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Gesundheitspolitik

03. März 2017 Ärzteschaft begrüßt Start von staatlichem Cannabis auf Rezept

Cannabis ist die meistkonsumierte illegale Droge in Deutschland. Etwa jeder vierte Erwachsene hat einschlägige Erfahrungen. Nun wird Cannabis als Medizin etabliert. Deutschlands Ärzte begrüßen die Freigabe von staatlich kontrolliertem Cannabis auf Rezept. "Ich rechne mit einer gewissen Ausweitung der entsprechenden Therapien, doch in welchem Ausmaß ist offen", sagte der Chef der Sucht-Arbeitsgruppe der Bundesärztekammer, Josef Mischo, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Wir begrüßen als Ärzteschaft, wenn nun die therapeutischen Möglichkeiten erweitert werden."
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In Deutschland wird Cannabis als Medizin nach einem neuen Gesetz von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) nun unter staatlicher Aufsicht vertrieben. Dazu steht eine Cannabisagentur beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vor dem Start. Einzelheiten will das Bundesinstitut an diesem Freitag in Berlin mitteilen.

Mischo, der zugleich Präsident von Saarlands Ärztekammer ist, sagte: "Es ist gut, dass der Gesetzgeber es weitgehend dem Arzt überlässt, zu entscheiden, ob Cannabis eingesetzt wird."

Wem Cannabis genau nützt, weiß man noch nicht genau. Schwerkranke sollen es bekommen können, aber exakte Krankheitsbilder gibt es im Gesetz nicht. Cannabis kann etwa helfen bei Multipler Sklerose, gegen chronische Schmerzen und bei Appetitlosigkeit wegen AIDS oder Krebs oder Alzheimer. Mischo sagte: "Zur Evidenz gibt es relativ wenig Daten." Deshalb sei die geplante Begleiterhebung gut. "Ich erwarte, dass wir deutlich bessere Daten darüber bekommen, wofür Cannabis tatsächlich sinnvoll ist und für welche Krankheiten dies weniger der Fall ist."

Mehr als 1.000 Patienten haben bislang eine Sondergenehmigung für Cannabis vom Bundesinstitut BfArM. Die braucht man dann nicht mehr. Die Zahlen der damit behandelten Patienten dürften steigen, meint Mischo. "Gerade bei chronischen Schmerzen kann ich mir schon vorstellen, dass viele Ärzte nun einmal testen, ob es den Patienten mit Cannabis besser geht." Bis der kontrollierte staatliche Vertrieb aufgebaut sei, dürfte es zwei bis drei Jahre dauern.

Im vergangenen Jahr hat Deutschland insgesamt 170 Kilogramm Cannabis zu medizinischen Zwecken importiert. Das geht aus einer Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine Anfrage des drogenpolitischen Sprechers der Linksfraktion, Frank Tempel, hervor, die den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitag) vorliegt. Damit hat sich die Menge gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt: 2015 wurden 92,8 Kilogramm importiert, im Jahr zuvor 48,5 Kilogramm.

Der Deutsche Hanfverband (DHV) sieht in der neuen Cannabisagentur eine Chance für die ganze Branche. In der "Heilbronner Stimme" mahnte DHV-Geschäftsführer Georg Wurth allerdings Klarheit beim Thema Lizenzvergaben an.

"Konkrete Detailregelungen werden darüber entscheiden, ob es für Unternehmer tatsächlich Sinn machen wird, sich für Lizenzen zu bewerben", sagte der Vertreter der Lobbyorganisation. "Zu klären ist: Welche Mengen werden ausgeschrieben, welche Sorten, welche Qualitätsanforderungen gibt es, welche Anforderungen an die Unternehmen, und wie viele Lizenzen werden erteilt?"

Eine Freigabe von Cannabis als Rauschmittel sehen die Ärzte skeptisch. "Für den Freizeitkonsum können wir nach allen bisherigen Studien nicht sagen, dass es harmlos ist", so der Sucht-Experte der Ärztekammer Mischo. "Wenn man Cannabis als Jugendlicher oder junger Erwachsener über längere Zeit nimmt, gibt es negative Effekte." Die Ärzte könnten keine Unbedenklichkeitsbescheinigung ausstellen. "Offen ist aber, ob der Schutz größer ist, wenn man es begrenzt freigibt oder verboten lässt."

Quelle: dpa


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