Dienstag, 15. Oktober 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Gesundheitspolitik

30. Juli 2019 BDI: Bertelsmann-Studie blendet die Versorgungsrealität aus

Der Berufsverband Deutscher Internisten e.V. (BDI) wirbt in der emotionalisierten Debatte um die Ergebnisse der Bertelsmann-Studie für eine sachliche Auseinandersetzung. Prinzipiell setzen die Handlungsempfehlungen der Autoren zur Reform der Krankenhauslandschaft in Deutschland zwar an der richtigen Stelle an, leiten sich jedoch aus einem fehlerhaften Studiendesign her.
Anzeige:
Die Studie betrachtet die derzeitige stationäre Versorgung Deutschlands nach Anfahrtszeiten und Qualitätskriterien. Die Konsequenzen aus der Analyse hätten direkte Folgen für die ambulanten und stationären Strukturen der Patientenversorgung. Die Autoren analysieren hierfür unter anderem auch die Herzinfarkt- und Schlaganfallbehandlung. Im Ergebnis werden publikumswirksam ein Großteil der Krankenhäuser als überflüssig erachtet.
 
Die Studie basiert jedoch bei der Identifizierung der Herzinfarktpatienten auf ICD-Daten. Diese Kodierung unterscheidet nicht zwischen einem akuten großen Herzinfarkt, einem akuten kleineren Herzinfarkt ohne ST-Streckenhebung oder einem vier Wochen alten Herzinfarkt. Entscheidend für das Zuweisungsverhalten sind die zugrundeliegenden Diagnosen. Damit verlieren die getroffenen Rückschlüsse auf Anfahrtsdauer der Krankenhäuser in Minuten und die dort abgebildete Behandlungsqualität weitgehend an Aussagekraft.
 
Beispielsweise werden Patienten mit vier Wochen alten Herzinfarkten ohne Verstoß gegen die leitliniengerechte Therapie in Krankenhäusern ohne Herzkatheterlabor behandelt und als „akuter Herzinfarkt" kodiert. Im Hinblick auf die so zusammengetragenen Zahlen ist also nicht davon auszugehen, dass jeder Kodierung auch eine akute Intervention zugrunde liegen müsste. Diesen Häusern mindere Qualität nahelegen zu wollen, signalisiert mangelnde Versorgungserfahrung.
 
„Die Schlussfolgerung der Autoren entsprechend viele Krankenhäuser zu schließen, ist zwar publikationswirksam, aber nicht durch die Daten gedeckt. Zudem ist die Studie von der Metropolregion Köln dominiert und dürfte auf korrekter Datenbasis in ländlichen Regionen anders ausfallen", so BDI-Präsident Prof. Hans Martin Hoffmeister.

Quelle: Berufsverband Deutscher Internisten e.V. (BDI)


Das könnte Sie auch interessieren

Grippewelle beginnt: DAK-Gesundheit schaltet Hotline

Grippewelle beginnt: DAK-Gesundheit schaltet Hotline
© Photographee.eu / Fotolia.com

Die Grippesaison hat begonnen: Laut aktueller Daten des Robert Koch-Instituts gibt es bereits einen leichten bundesweiten Anstieg von Erkrankungen. Bisher wurden 1.122 Fälle labordiagnostisch bestätigt und gemeldet(1) – die Zahl der tatsächlich Betroffenen ist deutlich höher. Influenza ist eine ernste Krankheit: Bei alten und chronisch kranken Menschen kann sie zum Tod führen. Deshalb bietet die DAK-Gesundheit eine Telefon-Hotline rund um die Grippe. Wie kann man vorbeugen? Für wen ist die Impfung sinnvoll? Welche Risiken gibt es? Wie unterscheidet sich...

17. Patientenforum Lunge in Stuttgart

17. Patientenforum Lunge in Stuttgart
© adimas / Fotolia.com

Am 25. März veranstaltet der Lungeninformationsdienst zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Lungenforschung in Stuttgart sein 17. Patientenforum Lunge. Das Thema: „Aktuelles zu klinischen Studien in der Lungenforschung – Wie nützen sie den Patienten?“ Erstmals findet die Veranstaltung im Rahmen des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin statt. Ein weiterer Kooperationspartner ist der Deutsche Lungentag.

Steigende Zahl älterer Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2

Steigende Zahl älterer Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2
© Robert Kneschke / Fotolia.com

Aktuell sind in Deutschland rund 17 Millionen Menschen älter als 65 Jahre. Die Zahl wird aufgrund der sich verändernden Altersstruktur auf voraussichtlich 22 Millionen im Jahr 2030 anwachsen. Die Anzahl der Hochbetagten (80 Jahre und älter) wird von derzeit vier Millionen auf sechs Millionen im Jahr 2030 ansteigen. Gleichzeitig erkranken immer mehr Menschen an Diabetes Typ 2, so dass Diabetologinnen und Diabetologen sowie Pflegende künftig viele geriatrische Patienten mit Diabetes versorgen werden: Es ist davon auszugehen, dass in Deutschland derzeit rund vier Millionen...

Arzneimittelbehörden rufen weltweit zur verstärkten Meldung von Nebenwirkungen auf

Arzneimittelbehörden rufen weltweit zur verstärkten Meldung von Nebenwirkungen auf
© nmann77 / fotolia.com

In einer gemeinsamen Kampagne fordern derzeit Arzneimittelbehörden weltweit Patientinnen und Patienten dazu auf, ihnen verstärkt Verdachtsfälle von Nebenwirkungen zu melden. Ein besonderer Fokus liegt in diesem Jahr auf dem Appell, Verdachtsfälle von Nebenwirkungen bei Kindern zu melden. Weitere Zielgruppen sind Schwangere sowie stillende Frauen, die eine sichere Anwendung von Arzneimitteln sowie die Meldung möglicher Nebenwirkungen sensibilisiert werden sollen. In Deutschland werden diese Meldungen durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"BDI: Bertelsmann-Studie blendet die Versorgungsrealität aus"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.