Freitag, 23. August 2019
Navigation öffnen

Gesundheitspolitik

30. Juli 2019 BDI: Bertelsmann-Studie blendet die Versorgungsrealität aus

Der Berufsverband Deutscher Internisten e.V. (BDI) wirbt in der emotionalisierten Debatte um die Ergebnisse der Bertelsmann-Studie für eine sachliche Auseinandersetzung. Prinzipiell setzen die Handlungsempfehlungen der Autoren zur Reform der Krankenhauslandschaft in Deutschland zwar an der richtigen Stelle an, leiten sich jedoch aus einem fehlerhaften Studiendesign her.
Anzeige:
Fachinformation
Die Studie betrachtet die derzeitige stationäre Versorgung Deutschlands nach Anfahrtszeiten und Qualitätskriterien. Die Konsequenzen aus der Analyse hätten direkte Folgen für die ambulanten und stationären Strukturen der Patientenversorgung. Die Autoren analysieren hierfür unter anderem auch die Herzinfarkt- und Schlaganfallbehandlung. Im Ergebnis werden publikumswirksam ein Großteil der Krankenhäuser als überflüssig erachtet.
 
Die Studie basiert jedoch bei der Identifizierung der Herzinfarktpatienten auf ICD-Daten. Diese Kodierung unterscheidet nicht zwischen einem akuten großen Herzinfarkt, einem akuten kleineren Herzinfarkt ohne ST-Streckenhebung oder einem vier Wochen alten Herzinfarkt. Entscheidend für das Zuweisungsverhalten sind die zugrundeliegenden Diagnosen. Damit verlieren die getroffenen Rückschlüsse auf Anfahrtsdauer der Krankenhäuser in Minuten und die dort abgebildete Behandlungsqualität weitgehend an Aussagekraft.
 
Beispielsweise werden Patienten mit vier Wochen alten Herzinfarkten ohne Verstoß gegen die leitliniengerechte Therapie in Krankenhäusern ohne Herzkatheterlabor behandelt und als „akuter Herzinfarkt" kodiert. Im Hinblick auf die so zusammengetragenen Zahlen ist also nicht davon auszugehen, dass jeder Kodierung auch eine akute Intervention zugrunde liegen müsste. Diesen Häusern mindere Qualität nahelegen zu wollen, signalisiert mangelnde Versorgungserfahrung.
 
„Die Schlussfolgerung der Autoren entsprechend viele Krankenhäuser zu schließen, ist zwar publikationswirksam, aber nicht durch die Daten gedeckt. Zudem ist die Studie von der Metropolregion Köln dominiert und dürfte auf korrekter Datenbasis in ländlichen Regionen anders ausfallen", so BDI-Präsident Prof. Hans Martin Hoffmeister.

Quelle: Berufsverband Deutscher Internisten e.V. (BDI)


Das könnte Sie auch interessieren

Warum alltägliche und seelische Belastungen wichtig werden können

Warum alltägliche und seelische Belastungen wichtig werden können
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Fast jeder kennt Kreuzschmerzen. Sie sind in den meisten Fällen harmlos und gehen nach kurzer Zeit von alleine wieder weg. Halten die Schmerzen jedoch länger an, fragen sich viele Betroffene, woher ihre Beschwerden kommen. Wichtig für Sie zu wissen ist: Auch alltägliche, seelische oder berufliche Probleme können Kreuzschmerzen hervorrufen und deren Verlauf beeinflussen. Deshalb soll Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Sie vor und während der Behandlung gezielt auf Belastungen im Privatleben und am Arbeitsplatz ansprechen.

Plötzlicher Blutdruck-Anstieg: Wann den Notarzt (112) rufen?

Plötzlicher Blutdruck-Anstieg: Wann den Notarzt (112) rufen?
© JPC-PROD / Fotolia.com

Regelmäßiges Blutdruckmessen ist die wichtigste Vorsorgemaßnahme, um die schwerwiegenden Folgen eines unbehandelten Bluthochdrucks wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Herzschwäche, Vorhofflimmern oder Nierenschädigung zu verhindern. Besonders problematisch ist es, wenn der Blutdruck plötzlich ansteigt und Werte in Ruhe z. B. von 190-200 mmHg (oberer Wert) oder mehr erreicht. Für Patienten entscheidend für das weitere Vorgehen in dieser beunruhigenden Situation ist, ob der hohe Blutdruck nur mit geringfügigen Missempfindungen wie Gesichtsröte,...

Betroffene teilen Erfahrungen und geben Depression eine Stimme – nutzergenerierte Website gestartet

Betroffene teilen Erfahrungen und geben Depression eine Stimme – nutzergenerierte Website gestartet
© Artem Furman / fotolia.com

Eine interaktive und multimediale Aufklärungs-Webseite über Depression ist neu an den Start gegangen. Auf der Seite können Betroffene und Angehörige in eigenen Beiträgen über ihre Erfahrungen mit Depression berichten und der Erkrankung so eine Stimme geben. Die Betroffenen können für die Website schriftliche Erfahrungsberichte oder Audio- und Video-Dateien einreichen.

10 Fakten über Psychotherapie

10 Fakten über Psychotherapie
© hollandog / fotolia.com

Psychotherapie ist ein effektiver und sinnvoller Weg aus Krisen und Problemen. Wäre da nicht das Imageproblem. Um dieser Stigmatisierung entgegenzuwirken, wurde mit dem 5. Februar der Tag des Psychotherapeuten ausgerufen. Ein wichtiger Jahrestag, der zur Aufklärung von Missverständnissen beiträgt und das Bewusstsein für die lebenswichtige Arbeit schärft, die von Therapeuten täglich geleistet wird. Dr. Anabel Ternès ist Gründerin der digitalen Service-Plattform Psychologio, die Betroffenen einen vereinfachten Zugang zu einer...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"BDI: Bertelsmann-Studie blendet die Versorgungsrealität aus"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.