Freitag, 14. August 2020
Navigation öffnen
Anzeige:

Gesundheitspolitik

05. Dezember 2019 BPI: Rabattverträge führen zu Lieferengpässen

Die AOK hat heute in einem Pressegespräch zum wiederholten Male behauptet, Rabattverträge seien keine Ursache für Lieferengpässe. Dem widerspricht der BPI Hauptgeschäftsführer Dr. Kai Joachimsen deutlich:
Anzeige:
„Lieferengpässe haben zwar viele, auch global bedingte Ursachen. Die Rabattverträge sind aber für die Arzneimittelversorgung in Deutschland ein zentrales Problem, das auch noch politisch hausgemacht ist. Das ist breiter Konsens im Gesundheitswesen und wird von der AOK einfach ignoriert. Ich wiederhole mich gerne: Rabattverträge führen in der jetzigen Ausschreibungspraxis zu Lieferengpässen. Das haben wir anhand von Daten klar und nachvollziehbar belegt“, sagt Dr. Joachimsen. „Diese beweisen eine versorgungskritische Marktkonzentration. Patienten, Apotheker und Hersteller berichten zudem tagtäglich von Schwierigkeiten aufgrund von Rabattverträgen. Wenn die AOK wie heute in ihrer Pressekonferenz das komplette Gegenteil behauptet, betreibt sie selbst Desinformation.“
 
Klar ist: Jeder Lieferengpass, ob bei einem Rabattarzneimittel oder nicht, ist einer zu viel. Unbestritten ist aber auch, dass mittlerweile mehr als jedes vierte nicht-lieferfähige Produkt unter Rabattvertrag steht. Das Deutsche Arzneiprüfungsinstitut (DAPI) errechnete für 2018 insgesamt 9,3 Millionen Packungen rabattvertragsgeregelter Produkte, die nicht verfügbar waren. Im Zeitraum von Mai 2017 bis April 2018 waren bereits 16% (31 von 194) der gemeldeten Lieferengpässe auf PZN-Ebene rabattvertragsgeregelt. Ein Blick auf die aktuelle Lieferengpass-Liste des BfArM (Stand: 18.10.2019) zeigt, wie sich die Lage seitdem verschärft hat (siehe Abbildung unten): Die Anzahl der nicht-lieferfähigen PZN ist auf 757 gestiegen und hat sich somit vervierfacht.
 
Es lässt sich nicht leugnen, dass durch die Vergabe von exklusiven Rabattverträgen der Krankenkassen der Preisdruck auf die Hersteller massiv gestiegen ist. In der Folge ist seit Einführung der Rabattverträge eine drastische Zunahme der Marktkonzentration zu beobachten. Vor allem bei versorgungsrelevanten Wirkstoffen, für die kein therapeutisch gleichwertiger Ersatz zur Verfügung steht, ist die mangelnde Anbietervielfalt für die Patienten spürbar, wenn es zu Lieferengpässen kommt. Bei Exklusivität und Ausfall des einen Herstellers gibt es dann nämlich oft gar keinen Ersatz. Unterlegene Mitbewerber werden mangels Zuschlägen über kurz oder lang aus dem Markt aussteigen. Diese Situation führt nicht nur bei Patienten zu erheblichen Therapieeinschränkungen, sondern auch zu enormen Kosten. „Und deshalb ist klar, dass es bei Generika keine Exklusivverträge mehr geben darf“, sagt Dr. Joachimsen. „Die Stärkung der Anbietervielfalt würde Lieferengpässe in Zukunft zwar nicht völlig ausschließen, wäre aber ein ganz wichtiger Beitrag zur Liefersicherheit im deutschen Markt.“
 
Bereits im März dieses Jahres hat der BPI mit einem in Auftrag gegebenen Gutachten „Zehn Jahre Arzneimittel-Rabattverträge“ Fakten geliefert, die den Zusammenhang zwischen Oligopolisierung durch Rabattverträge und dem Drohen von Lieferengpässen belegen.

Quelle: Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e.V. (BPI)

Literatur:

Lieferengpass-Liste des BfArM (Stand 18.10.2019)


Anzeige:
Fachinformation

Das könnte Sie auch interessieren

Der Patienten- und Pflegebeauftragte der Bayerischen Staatsregierung rät zur Patientenverfügung

Der Patienten- und Pflegebeauftragte der Bayerischen Staatsregierung rät zur Patientenverfügung
© Pixelot / fotolia.com

Die Patientenverfügung ist wichtig, wenn durch Unfall, Krankheit oder Alter der eigene Wille nicht mehr ausgedrückt werden kann. Denn: Angehörige dürfen im Ernstfall keine medizinischen Entscheidungen treffen. Darauf weist Christian Bredl, Chef der Techniker Krankenkasse (TK) in Bayern, hin. Er rät deshalb dazu, rechtzeitig eine Patientenverfügung schriftlich zu fixieren.  

Bisher kaum bekannt: Myrrhe spielte eine wichtige Doppelrolle bei Geburt und Tod Jesus Christus

Bisher kaum bekannt: Myrrhe spielte eine wichtige Doppelrolle bei Geburt und Tod Jesus Christus
© Sebastian Kaulitzki - stock.adobe.com

Jetzt in der (Vor-)Weihnachtszeit erhält eine Arzneipflanze wieder besondere Aufmerksamkeit, die nicht nur seit Jahrtausenden bei Gesundheitsbeschwerden eingesetzt wird: Die „mystische Myrrhe“ spielte auch in der religiösen Praxis sehr früh eine wichtige Rolle. Was jeder kennt: Die „Heiligen Drei Könige“ und deren Gaben Myrrhe, Weihrauch und Gold sind der – für Christen entscheidende – allgemein bekannte neutestamentliche Bezug. Aber es gibt noch mehr „Geheimnisse“ rund um die Myrrhe. „Im religiösen Kontext...

Schlaflose Nächte und grüner Star gehen oft Hand in Hand

Schlaflose Nächte und grüner Star gehen oft Hand in Hand
© HQUALITY - stock.adobe.com

Menschen, die an der Augenerkrankung grüner Star (Glaukom) leiden, sind häufig auch von Schlafstörungen betroffen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass verschiedene Probleme beim Ein- oder Durchschlafen mit einem grünen Star verbunden sind1. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Schlafstörungen entweder ein Risikofaktor für das Glaukom oder eine Folge dessen sein könnten. Die DOG – Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft erinnert vor diesem Hintergrund daran, dass der grüne Star nur durch eine augenärztliche Untersuchung entdeckt...

Extreme Hitze: Was müssen Herzpatienten beachten?

Extreme Hitze: Was müssen Herzpatienten beachten?
© Korn V. - stock.adobe.com

Sommerliche Hitze mit sehr hohen Temperaturen über 30 Grad Celsius kann zur Herausforderung besonders für ältere Menschen und diejenigen werden, die bereits wegen Herz- oder Blutdruckproblemen in Behandlung sind. Mögliche Folgen der hohen Temperaturen sind Müdigkeit und Schwindel sowie Blutdruckabfall bis hin zum Kreislaufkollaps, außerdem Herzrhythmusstörungen oder auch Muskelkrämpfe. „Diesen Folgen können Betroffene vorbeugen, indem sie mit ihrem behandelnden Arzt Vorsichtsmaßnahmen besprechen, die je nach Herzerkrankung...

Corona-Krise – und alles wächst über den Kopf? Fachverband bietet schnelle auch kostenlose (Online-)Hilfe

Corona-Krise – und alles wächst über den Kopf? Fachverband bietet schnelle auch kostenlose (Online-)Hilfe
© JenkoAtaman / Fotolia.com

Schnelle psychosoziale Beratung für Eltern, Kinder, Jugendliche und Fachkräfte bieten Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) in der Corona-Krise an. Der Fachverband mit fast 8.000 Mitgliedern hat dafür kurzfristig einen Beratungs- und Supervisionspool eingerichtet, über den qualifizierte Mitglieder professionelle Hilfe per Telefon oder über Online-Medien auch ehrenamtlich anbieten.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"BPI: Rabattverträge führen zu Lieferengpässen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Italien verlängert Notstand bis Oktober (dpa, 29.07.2020).
  • Italien verlängert Notstand bis Oktober (dpa, 29.07.2020).