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Gesundheitspolitik

21. November 2019 Von Brexit bis Krisenkommunikation im Krankenhaus

Am dritten Kongresstag des 42. Deutschen Krankenhaustages ging es um aktuelle Themen auf internationaler Ebene. Experten aus unterschiedlichen EU-Ländern widmeten sich auf dem Europatag der Europäischen Vereinigung der Krankenhausmanager (EVKM) der Gesundheitsversorgung in Europa.
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Besondere Aufmerksamkeit richtet die Gesundheitsbranche auf den möglichen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union. Mit Gery O’Dwyer referierte ein echter Experte über mögliche Folgen des Brexit – O’Dwyer ist Geschäftsführer der South/Southwest Hospital Group in Irland und damit von den möglichen Brexit-Folgen ganz besonders betroffen. „Unser nächster Nachbar auf der einen Seite ist Donald Trump, und auf der anderen Seite haben wir Boris Johnson“, sagte O‘Dwyer. Er sei traurig, dass das Vereinigte Königreich die Union verlasse, denn: „Ich denke, die Europäische Union ist eine großartige Idee, die große Innovationen in der Gesundheitsversorgung hervorgebracht hat.“ Wenn es wieder eine Grenze zwischen Nordirland und der Republik gebe, werde es zu zahlreichen Herausforderungen kommen, sagte O’Dwyer. Ein Beispiel sind mögliche Engpässe bei Arzneimitteln und Medizinprodukten, die entweder Zulassungsschwierigkeiten bekämen oder schlicht wegen Zoll- und Grenzprozeduren nicht pünktlich bei den Patienten sein könnten. Auf der anderen Seite habe die EU umfangreiche und gewinnbringende Kooperationen in der Medizinforschung erst möglich gemacht. Verbindungen, etwa zwischen britischen Universitäten und irischen Krankenhäusern, könnten nun gekappt werden. Der Austausch von Wissenschaftlern und Wissen werde schwieriger, so O’Dwyer vor einem übervollen Saal auf dem Krankenaustag. Weitere Gäste referierten über die Situation der Krankenhäuser in Luxemburg, Polen, Schweden, Portugal und der Schweiz. Denn: „In Europa haben alle Krankenhaus-Manager dasselbe Problem: Den Patienten die beste Leistung zukommen lassen und gleichzeitig mit steigenden Kosten und sinkenden Einnahmen umzugehen“, sagte Philippe Blua, der Präsident der European Association of Hospital Managers.
 
Der „Tag der Kommunikation“ bot Kommunikatoren im Krankenhaus die Möglichkeit, sich intensiv mit aktuellen Themen und Entwicklungen des Fachs zu beschäftigen. Der Umgang mit Krisen und die Frage, ob und wie in solchen  Situationen kommuniziert werden muss, standen in seinem Mittelpunkt. Frank Roselieb, geschäftsführender Direktor des Krisennavigator - Institut für Krisenforschung, ein Spin-Off der Universität Kiel, zeigte anhand der Krisenpräventionsumfrage 2019, wie Krankenhäuser in Deutschland auf Krisen vorbereitet sind und warum es „die“ Krisenkommunikation gar nicht gibt. „Krankenhäuser haben zwei Arten von Krisen, zum einen die im eigenen Haus, zum anderen die Katastrophenfälle als hoheitliche Aufgabe. Diese zusätzliche Herausforderung gilt es zu beachten“, sagte Roselieb. Dr. Dirk Tenzer, Arzt und Gesundheitsökonom, verdeutlichte, dass der öffentliche Umgang mit Krisen von großer Bedeutung sei. „Die Situation rund um Niels Högel und seinen Prozess machte es notwendig, offen zu kommunizieren. Es war vordringlichste Aufgabe, Transparenz zu schaffen und  sich nicht wegzuducken. Ein von Beginn an offener Umgang mit den Medien und ein konsequentes Vorgehen sind der beste Schutz vor einem Skandal.“ Die Medizinjournalistin Nicola Kurth stellte klar, dass die Offenheit unabdingbar für Journalisten sei. „Wir erwarten klare zeitliche Absprachen, wir wollen nicht vertröstet werden, und am Ende bleibt der Rückruf doch aus. ‚Salamitaktik‘ ist unzumutbar.“ Wünschenswert seien Erklärungszusammenhänge und Transparenz und Zugang, auch buchstäblich, zu Betroffenen und Örtlichkeiten.

Neueste Entwicklungen und Trends in der ambulanten Krankenhauswelt rückte die Vortragsveranstaltung des Bundesverbandes Medizinische Versorgungszentren – Gesundheitszentren – Integrierte Versorgung e.V. (BMVZ) in den Fokus. So können MVZ auch bei der zunehmenden Digitalisierung des Gesundheitswesens eine besondere Rolle spielen. „Aufgrund ihrer höheren Komplexität mit durchschnittlich sechs bis sieben Ärzten sind MVZ ideale Partner und Ausgangspunkt für technische Neuerungen“, erklärte der BMVZ-Vorstandsvorsitzende Dr. Peter Velling vor den Besuchern. Pluspunkt sei zudem, dass durch die häufig vorhandene Arbeitsteilung beim Management zwischen Nichtärzten und Medizinern, die Ärzte von den Umsetzungsdetails entlastet würden. „Insgesamt ist daher bei größeren Strukturen – im Vergleich zur klassischen Niederlassungspraxis eine höhere Affinität gegenüber den Digitalisierungsprozessen bei gleichzeitig besseren Möglichkeiten zu verzeichnen“, so Velling. Ähnliches gelte für Netze, OP-Zentren und andere intersektorale Versorgungskooperationen. Teilweise werde jedoch gerade dieser Vorteil von der verfassten Ärzteschaft auch als Nachteil „kritisch beäugt und als Teil der Abwehr von MVZ instrumentalisiert“, so der BMVZ-Vorstandsvorsitzende.

Der Deutsche Krankenhaustag ist die wichtigste Plattform für die deutschen Krankenhäuser und findet jährlich im Rahmen der MEDICA statt. Die Gesellschaft Deutscher Krankenhaustag mbH (GDK) hat die Aufgabe, den Deutschen Krankenhaustag auszurichten sowie Ausstellungen, Kongresse, Tagungen und Symposien durchzuführen, zu fördern und zu unterstützen. Gesellschafter der GDK sind die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), der Verband der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands (VLK) und der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD). Der Pflegebereich ist durch die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Schwesternverbände und Pflegeorganisationen in Deutschland (ADS) und den Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) in die Arbeit der GDK eingebunden.

Quelle: Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG)


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