Samstag, 30. Mai 2020
Navigation öffnen

Gesundheitspolitik

05. September 2019 Digitale Gesundheitsreform: Deutsche sind Fans von Medizin-Apps

Die Deutschen sind begeistert von Gesundheits-Apps. 81% der Bürgerinnen und Bürger glauben, dass vor allem Langzeiterkrankungen wie Diabetes mithilfe vernetzter digitaler Lösungen besser behandelt werden können. Beispielsweise ließen sich Medikamente exakter dosieren und Fehler durch ein automatisiertes Monitoring von Vital- und anderen Daten vermeiden, so die Auffassung der Bevölkerung. Rund jeder zweite Patient ist allerdings mit dem aktuellen Angebot von Apps in der Praxis nicht zufrieden. Das sind Ergebnisse der Studie „European Study on the Digitalisation of the Healthcare Pathways“ von Sopra Steria Consulting, für die 1.200 Bürgerinnen und Bürger sowie 35 Gesundheitsexperten aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Norwegen und Spanien befragt wurden.
Anzeige:
Fachinformation
Patienten in Deutschland sind offen für die Unterstützung des Behandlungsverlaufs und Pflege durch digitale Lösungen, so die Studie. Das gilt auch für aus der Fitness- und Lifestylebranche bekannte Apps zur Optimierung von Bewegung und Ernährung. 59% der Befragten sind der Ansicht, dass sich durch den Einsatz vernetzter Geräte wie Smartwatches und die Auswertung von Bewegungs-, Ernährungs- und Schlafdaten durch Apps die Prävention und Behandlung von Krankheiten deutlich verbessern ließe. 53% sehen zudem Potenzial für mehr Patientenorientierung und Services, beispielsweise wenn Ärzte Sprechstunden per Smartphone oder Tablet anbieten. Praktische Hilfen auf und mit dem Smartphone und der stärkere Einsatz von Wearables in der Behandlung sollten somit aus Sicht der Bevölkerung bei Digitalreformen im Gesundheitswesen eine Schlüsselrolle einnehmen.

„Dafür müssen sich jedoch die Rahmenbedingungen für die Zulassung, Finanzierung, Implementierung sowie die Nutzerfreundlichkeit weiter verbessern. Ziel sollte es sein, einen nachhaltigen Mehrwert für Patienten und das gesamte Gesundheitssystem zu schaffen“, sagt Dr. Tina Wulff, Senior Consultant Digital Healthcare bei Sopra Steria Consulting. 90% der Deutschen würden laut Studie Smartphone-Erinnerungen an Arzttermine und Hinweise zu möglichen Wechselwirkungen zwischen Medikamenten nutzen. 70% würden Lifestyle-Funktionen wie Diät-Tipps oder eine Sportberatung in Anspruch nehmen. Das jedoch nur, wenn innovative nutzerfreundliche Lösungen zur Verfügung stünden. Gegenwärtig sind jedoch 52% der Befragten in Deutschland unzufrieden mit der derzeitigen Entwicklung von Monitoring-Apps, 60% mit den telemedizinischen Beratungsangeboten. Die Folge: Bisher verwenden trotz App-Begeisterung nur 11% der Deutschen Smartwatches und Apps, die ihren Lebenswandel und ihre Gesundheit monitoren. 8% führen beispielsweise regelmäßig digital Buch über Blutzuckerwerte und Bluthochdruck, um Krankheiten entgegenzuwirken.

Gesetzesinitiative zur App auf Rezept

Die Bundesregierung möchte die Nutzung von Gesundheits-Apps ebenfalls vorantreiben. Gesundheitsminister Jens Spahn hat ein entsprechendes Gesetz vorangebracht, über das der Bundestag im Herbst berät. Ab 2020 sollen Ärzte Apps verschreiben können, die Krankenkassen sollten dann die Kosten für ein digitales Diabetes-Tagebuch oder die Zyklusüberwachung zur Empfängnisverhütung über das Smartphone übernehmen. Dafür müssen die Hersteller den Patientennutzen innerhalb eines Jahres beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nachweisen, und sie müssen Datensicherheit und Datenschutz gewährleisten.

In anderen Ländern sind Apps bereits Teil der Versorgungslandschaft. In Spanien gibt es beispielsweise mit „Diabetes Menú“ eine Diabetes-App auf Rezept. Sie wurde 3.000 Pilotpatienten verschrieben. Zuvor wurde die Software von Experten wissenschaftlich auf ihren Nutzen hin untersucht und von den Gesundheitsbehörden freigegeben. Insgesamt ist die Bevölkerung in Spanien zufriedener mit dem Entwicklungsstand von Gesundheits-Apps. Laut der Studie sind 41% der Spanier mit der App-Entwicklung und Nutzung im Gesundheitswesen in ihrem Land zufrieden, deutlich mehr als in den übrigen fünf untersuchten Staaten.

Entwicklungen mit validiertem Nutzen gesucht

„Der Markt und das Angebot von Gesundheits-Apps in Deutschland ist derzeit noch intransparent, oft wissen Patienten nicht, welche Apps für ihr Krankheitsbild zur Verfügung stehen, passend und wirksam sind“, so Dr. Wulff. „Den vielen Chancen und Möglichkeiten durch die Integration von Apps in den Behandlungsverlauf müssen auch immer auch die Evidenz ihrer Wirksamkeit gegenüberstehen, um Investitionen gezielt zu steuern. Entsprechende Studien sind oft langwierig. Auch Ärzten und Patienten fällt es zumeist nicht leicht, digitale Lösungen mit klassischen Aufzeichnungen zu vergleichen und den Mehrwert konkret zu beurteilen“, so Dr. Wulff.

Ärzte genießen größeres Vertrauen als Google und Co.

Die für die Studie befragten Gesundheitsexperten raten dazu, Apps mit deutlichem Nutzen für die Ärzteschaft gezielter zu fördern, damit diese ihre Skepsis überwindet und Patienten digitale Angebote verschreibt. Die Leistungserbringer gelten auch bei den großen Technologieanbietern Google, Apple, Facebook, Amazon und Microsoft (GAFAM) als Schlüsselfiguren, um Gesundheits-Apps erfolgreich zu entwickeln und einzuführen – Mediziner, Krankenkassen und Apotheken genießen bei Patienten das größte Vertrauen. 72% der Befragten hören auf ihre direkten Ansprechpartner, wenn es um die Nutzung digitaler Anwendungen für die Behandlung von Krankheiten geht. Zum Vergleich: Nur 39% vertrauen den Anbietern innovativer E-Health-Angebote, 25% würden dem Rat der GAFAM folgen. Nationale Initiativen “sollten diesen Trumpf ausspielen und basierend auf ihrer Expertise, datenschutzkonforme Apps aus dem Blickwinkel der Patienten und Leistungserbringer entwickeln, um eine »digitale Souveränität« zu behalten“, so Dr. Wulff von Sopra Steria Consulting.

Über die Studie

Für die Studie „European Study on the Digitalisation of the Healthcare Pathways“ wurden im Auftrag von Sopra Steria Consulting 1.200 Bürger aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Norwegen und Spanien sowie 35 Gesundheitsexperten befragt. In Deutschland wurden 200 Bürger online und fünf Experten per Telefon interviewt. Die Studie führte das Marktforschungsinstitut Ipsos im Zeitraum Juli 2018 bis März 2019 durch.

Quelle: Sopra Steria Consulting


Das könnte Sie auch interessieren

Extreme Hitze: Was müssen Herzpatienten beachten?

Extreme Hitze: Was müssen Herzpatienten beachten?
© Korn V. - stock.adobe.com

Sommerliche Hitze mit sehr hohen Temperaturen über 30 Grad Celsius kann zur Herausforderung besonders für ältere Menschen und diejenigen werden, die bereits wegen Herz- oder Blutdruckproblemen in Behandlung sind. Mögliche Folgen der hohen Temperaturen sind Müdigkeit und Schwindel sowie Blutdruckabfall bis hin zum Kreislaufkollaps, außerdem Herzrhythmusstörungen oder auch Muskelkrämpfe. „Diesen Folgen können Betroffene vorbeugen, indem sie mit ihrem behandelnden Arzt Vorsichtsmaßnahmen besprechen, die je nach Herzerkrankung...

Adipositas im Kindes- und Jugendalter

Adipositas im Kindes- und Jugendalter
© kwanchaichaiudom / fotolia.com

Laut der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS Welle 2), die vom Robert Koch-Institut durchgeführt wurde, haben nach dem Referenzsystem der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 26,3% der 5- bis 17-Jährigen Übergewicht; 8,8% sind von Adipositas betroffen (1). In der Versorgung dieser Kinder und Jugendlichen gibt es erhebliche Defizite: So werden in Deutschland überzeugende, wissenschaftlich-basierte Behandlungs- und Betreuungskonzepte im Gesundheitssystem nicht unterstützt und in der Regel von den Kostenträgern nicht finanziert....

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Digitale Gesundheitsreform: Deutsche sind Fans von Medizin-Apps"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Trump bricht US-Beziehung zur WHO ab – Weil er die WHO neben China als verantwortlich für die SARS-CoV-2-Pandemie erachtet, hat der US-Präsident den Austritt der USA aus der WHO beschlossen (dpa, 30.05.2020).
  • Trump bricht US-Beziehung zur WHO ab – Weil er die WHO neben China als verantwortlich für die SARS-CoV-2-Pandemie erachtet, hat der US-Präsident den Austritt der USA aus der WHO beschlossen (dpa, 30.05.2020).

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden