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Gesundheitspolitik

17. Oktober 2018 DGG: Europäische Geriatrie befindet sich auf hervorragendem Niveau

Der Kongress der European Geriatric Medicine Society (EuGMS) fand erstmalig in Deutschland statt, und schon die Zahlen sprechen für sich: Insgesamt 1.804 Teilnehmer aus 65 Ländern, davon 131 Mediziner aus Deutschland, diskutierten vergangene Woche in Berlin drei Tage lang über die Zukunft der Altersmedizin. Viele neue Erkenntnisse und spannende Diskurse entstanden im Rahmen des Mottos „Advancing Geriatric Medicine in a Modern World“.
Im Abschlussgespräch zieht Kongresspräsident Jürgen Bauer (Foto) Bilanz und bekräftigt dabei die erfolgreiche Zusammenarbeit der europäischen Altersmediziner. Zudem spricht er über die deutschen Teilnehmer, seine persönlichen Erfahrungen und vom Lob des vielleicht einflussreichsten Alternsforschers überhaupt.

Herr Professor Bauer, was hat Sie nach drei vollen Kongresstagen am meisten beeindruckt?
Wirklich beeindruckt hat mich, wie reibungslos der gesamte Kongress abgelaufen ist. Die Säle waren bei fast jeder Sitzung voll, die Sprecher enthusiastisch und mit rund 1.800 Teilnehmern war der Kongress ein wirklich großer Erfolg.

Als Kongresspräsident sind Sie an allen Details der Veranstaltung beteiligt. Welche Überraschungen gab es trotzdem?
Wir mussten einen Raum wegen Überfüllung nahezu zur Hälfte räumen. Das war aber die einzige überraschende Situation – und eigentlich ja keine böse Überraschung!

Welche Take-Home-Message gibt es für die Teilnehmer?
Sie haben das hervorragende Niveau gesehen, auf dem sich die Forschung und auch die Vortragstechnik in der europäischen Geriatrie inzwischen befinden. Sachverhalte können gleichermaßen differenziert und aktuell dargestellt werden. Zudem müssen wir uns auch in Deutschland in der Geriatrie vor keinem anderen Fach mehr verstecken – und auch nicht vor den Geriatern in den Vereinigten Staaten. Das ist eine wichtige Entwicklung.

Unter den Teilnehmern waren rund 130 Deutsche. Was haben diejenigen verpasst, die nicht vor Ort sein konnten?
Was sie verpasst haben, sind die neuesten Erkenntnisse und Diskussionen zu fast allen wichtigen Themen der Geriatrie wie Polypharmazie, Sarkopenie, Ernährung oder IT in der Geriatrie. Es ist eine Sache, einen Artikel in einer Fachzeitschrift zu lesen. Wenn jedoch ein Kollege zu einem Thema Stellung bezieht und er anschließend mit anderen Experten diskutiert, erreicht die Thematik noch einmal eine ganz andere Tiefe. Durch die Beteiligung der richtigen Referenten haben wir stets einen faszinierenden Schlagabtausch sowie spannende Diskussionsbeiträge erlebt.

Im kommenden Jahr findet der EuGMS-Kongress in Krakau statt. Warum lohnt es sich für deutsche Geriater, dort mit einem Beitrag beteiligt zu sein?
Um die Forschung und den Fortschritt voranzutreiben, muss ein Geriater die Forschungsinhalte gut verstehen und sich inspirieren lassen. Das gelang auf diesem Kongress beispielsweise auch durch die beachtliche Zahl von über 1.000 Postern. Der Austausch regt wiederum zum Lesen von Fachzeitschriften oder zur besseren Motivation der eigenen Mitarbeiter an.

Sie haben sich auch mit den Gesellschaftspräsidenten aus anderen europäischen Ländern getroffen: Wie war deren Feedback an Sie?
Neben den Gesellschaftspräsidenten haben wir den vielleicht einflussreichsten Alternsforscher überhaupt hier in Berlin begrüßt: Jack Rowe. Er ist Vorsitzender der internationalen Vereinigung der Gerontologen und Geriater, der International Association of Gerontology and Geriatrics, und eine Top-Persönlichkeit zum Thema Altern weltweit, der aktuell an der Columbia Universität in New York lehrt und die Alternsmedizin in Harvard begründet hat. Das Niveau der deutschen Geriatrie empfand er als sehr ansprechend und auf gleichem Niveau wie in den Vereinigten Staaten. Das ist ein großes Lob von jemandem, der die weltweite Situation der Geriatrie sehr gut einschätzen kann.

Was nehmen Sie als erfahrener Geriater nach diesem Kongress mit nach Hause?
So einen Kongress zu organisieren ist ein menschlicher Reifungsprozess. Man muss mit vielen unterschiedlichen Menschen zurechtkommen und sie verstehen, um eine optimale Organisation garantieren zu können. Durch die Kommunikation mit so vielen Personen, wie unter anderem den Mitarbeitern der Kongressorganisation und den zahlreichen Referenten, lernt man jedes Mal dazu.

„Advancing Geriatric Medicine in a Modern World“ – wie wurde das Kongressmotto von den Teilnehmern letztendlich gelebt und angenommen?
Wir haben in der Abschlussveranstaltung die Zusammenfassung der drei Studierenden von der European Academy for Medicine of Ageing gesehen, welche das Kongressmotto nochmal veranschaulicht und dabei viele der während des Kongresses präsentierten Aspekte aufgegriffen haben. Das Thema war sehr offen und relevant für alle Teilbereiche der Geriatrie. Das Feedback der Teilnehmer war sehr positiv – jeder hat sich und seine Interessen gut repräsentiert gefühlt.

Gibt es weitere Erkenntnisse nach Berlin, die sich auch für die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie und deren Mitglieder umsetzen ließen?
Ich denke, dass wir gefordert sind, im Bereich der Geriatrie in Europa noch stärker zusammenzuarbeiten. Zum Beispiel gibt es im Sektor geriatrischer Rehabilitation noch viele offene Fragen – in mehreren europäischen Ländern existiert hierzu jedoch bereits eine gute Expertise, von der wir in Deutschland profitieren können. Es geht darum, gemeinsam Versorgungsstrukturen weiterzuentwickeln.

Wann dürfen wir den EuGMS-Kongress wieder in Deutschland erwarten?
Ich glaube, dass der Kongress in Berlin aufgrund seiner Größe, des reibungslosen Ablaufs und des Programms in guter Erinnerung bleiben wird. Ich gehe also davon aus, dass man gerne wieder nach Deutschland kommen wird, wenn wir uns erneut als Gastland für den EuGMS-Kongress bewerben.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG)


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