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Gesundheitspolitik

19. April 2012 Fächerübergreifende Ausbildung: Der Hausarzt tritt ins Rampenlicht

Ein neues Institut für Hausarztmedizin am Universitätsklinikum Bonn stärkt die Ausbildung zum Hausarzt. Das Pflichtfach war bisher nur durch einen Lehrbereich abgebildet. Dieser brachte den Studenten jedoch nur Teilaspekte des Berufes näher. Jetzt soll durch das neue Institut den Studenten ein umfassender und lückenloser Überblick vermittelt werden. Ziel ist es, mehr angehende Mediziner für den Beruf Hausarzt zu motivieren. Dabei sind die fächerübergreifende Ausbildung und der ausgeprägte Praxisbezug einmalig in Deutschland.
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Obwohl Hausärzte eine zentrale Rolle bei der Patientenversorgung spielen, besteht derzeit deutschlandweit ein akuter Mangel. Dieser macht sich nicht nur in ländlichen Regionen bemerkbar, sondern auch in den Städten ist eine rückgängige Tendenz klar erkennbar. Um diesen Beruf für Medizin-Studenten attraktiver zu machen, haben der Leiter des Lehrbereiches Allgemeinmedizin Dr. Klaus Weckbecker und Studiendekan Professor Dr. Thomas Schläpfer das neue Institut initiiert. Die Ideen für dessen Struktur stammen größtenteils von Schläpfers Erfahrungen in der Schweiz. Das Land Nordrhein-Westfalen, das ein großes Interesse hat die Hausarztmedizin langfristig zu fördern, unterstützt das neue Institut mit 812.000 Euro bis Ende 2014.

Vier niedergelassene Ärzte sind die Dozenten am neuen Institut für Hausarztmedizin. Sie teilen sich eine Professorenstelle, „Eine perfekte Lösung: Das für die Lehre auf vier Personen verteilte Zeitpensum ermöglicht unseren Kollegen trotzdem noch in ihren Praxen tätig zu sein“, sagt Prof. Schläpfer. Darüber hinaus verfügen sie so über Unabhängigkeit in Lehre und Forschung und sind mit Universitätsprofessoren auf gleicher Augenhöhe. Zudem gibt es sechs weitere Lehrbeauftragte und 100 Lehrpraxen, die in Bonn und der umliegenden Region verteilt sind. Dort können die Studenten ihr praktisches Jahr, das so genannte PJ, absolvieren und viele Erfahrungen sammeln. „Gerade in einer Hausarztpraxis haben sie die einmalige Gelegenheit, mit vielen unterschiedlichen Krankheitsbildern umzugehen und erste Diagnosen zu stellen“, sagt Dr. Weckbecker, der Leiter des Instituts für Hausarztmedizin. Obwohl ursprünglich nur die Lehre im Mittelpunkt stand, hat das Institut direkt nach seiner Gründung bereits Drittmittel für Forschung erhalten.

Der Kranke steht im Mittelpunkt, nicht die Krankheit

Hausärzte sind die einzigen Ärzte, die einen Gesamtüberblick über Patienten haben. Dabei haben sie auch die vorbeugende Gesundheitsförderung und das soziale Umfeld im Blick. Mit Hilfe ihres Hintergrundwissens über den Patienten erschließen sie nötige Zusammenhänge und stellen erste Diagnosen. So sind Hausärzte wichtige Schaltstellen für die Behandlung der Patienten und vernetzen diese mit den entsprechenden Spezialisten. „Hausärzte sind jedoch nicht nur Lotsen. Vier von fünf Patienten können auf der Hausarztebene erfolgreich behandelt werden“, konstatiert Dr. Weckbecker.

Fächerübergreifend und praxisnah

Das neue Institut für Hausarztmedizin soll durch eine Stärkung der Lehrqualität und -quantität ein einzigartiges Angebot für die Studenten schaffen. Besonders der fächerübergreifende Aspekt und die Praxisnähe werden betont. „Wir wollen das Fach Hausarztmedizin für unsere Studenten sichtbar machen“, sagt Prof. Schläpfer. Durch die Möglichkeit eines PJs bei einem niedergelassen Hausarzt können die angehenden Mediziner in direkten Kontakt mit dem Fach treten und erste Einblicke gewinnen. „Besonders interessant für sie ist, dass sie durch ein so breites Spektrum verschiedener Krankheitsbilder sehr viel lernen können“, sind sich die beiden Initiatoren einig. „Alle Medizinstudenten sollen einen Einblick in das Fach gewinnen und ein Verständnis für die Arbeit eines Hausarztes bekommen“, betont Weckbecker. So könne auch die Kommunikation zwischen Spezialisten und Hausärzten intensiviert werden.

Und die Rechnung geht auf: Die Studenten nehmen das Angebot begeistert an und ihre Zahl wächst stetig. So haben sich beispielsweise von anfänglich zwei Interessierten für ein Praktisches Jahr in einer Hausarztpraxis im letzten Semester bereits 17 Studenten dafür entschieden.

Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn


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