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Gesundheitspolitik

07. November 2018 Experten befürworten klinische Erforschung von Methadon in der Krebstherapie

Die Krebsgesellschaften in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen befürworten nach Recherchen des MDR-Magazins "Hauptsache gesund" den Vorschlag, die Wirkung von Methadon in Kombination mit Chemotherapie bei der Behandlung von Krebs in einer klinischen Studie zu erforschen. Über die öffentliche Förderung dieser Forschungsfrage wird am Montag, dem 5. November, im Petitionsausschuss des Bundestags beraten. Der Petition hatten sich innerhalb eines Monats 53.570 Menschen angeschlossen.
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"Prinzipiell begrüßen wir, dass die Wirkung erforscht wird, um den Krebspatienten, die große Hoffnungen in Methadon setzen, mit einer wissenschaftlich fundierten Antwort  zu zeigen, ob es wirklich etwas bringt oder nicht", sagt Dr. Ulrike Laubscher von der Thüringischen Krebsgesellschaft. Zudem sei es generell notwendig, mehr öffentliche Gelder für die Krebsforschung aufzuwenden: "Das ist wichtig, um Krebs unabhängig von Industrieinteressen zu erforschen", so Sven Weise von der Sachsen-Anhaltischen Krebsgesellschaft.

Der Einschätzung des Heidelberger Neurologen Prof. Wolfgang Wick vom Deutschen Krebsforschungszentrum zufolge wird die Forschung zu Methadon in der Krebstherapie mindestens drei Jahre dauern und mehrere Millionen Euro kosten. Basierend auf den Erkenntnissen der Grundlagenforschung werden die nächsten Forschungsschritte direkt an Krebspatienten erfolgen.

Prof. Wolfgang Wick sieht die Dringlichkeit der Erforschung kritisch: "Es ist die Frage, ob die Gelder wegen des öffentlichen Drucks auf das Thema ausgegeben werden oder wegen der wissenschaftlichen Notwendigkeit." Die bisherigen Forschungsergebnisse seien in der Fachwelt umstritten und es gebe vielversprechende andere Ansätze, die ebenfalls eine öffentliche Förderung nötig hätten. Er selbst ist skeptisch, ob Methadon tatsächlich die erhoffte, positive Wirkung hat, sieht aber eine Notwendigkeit darin, die Hoffnung von tausenden Krebspatienten wissenschaftlich zu ergründen. Deshalb möchte er in einer klinischen Studie die Wirkung von Methadon bei Hirntumorpatienten untersuchen. Einen Fördergeldantrag dazu liegt seit anderthalb Jahren bei der spendenfinanzierten Deutschen Krebshilfe.

Nach Informationen der Deutschen Krebshilfe liegt neben dem Fördergeldantrag von Prof. Wick ein weiterer vor. Dabei geht es um Darmkrebs. Diese beiden Forschungsbestrebungen sind unabhängig von der aktuellen Petition. Um eine umfassende Erforschung zur Wirkung von Methadon bei unterschiedlichsten Tumorerkrankungen zu ermöglichen, wie es in der Petition gefordert wird, sind den Einschätzungen der Krebsspezialisten zufolge viele einzelne Projekte nötig: "Krebs ist eine zu uneinheitliche Diagnose, als dass man alle Formen in einen Topf werfen und Ergebnisse verallgemeinern könnte", sagt Dr. Ulrich Schuler von der Sächsischen Krebsgesellschaft.

Die Verwendung von Methadon in der Krebstherapie wird kontrovers diskutiert. Nach Forschungsergebnissen von Dr. Claudia Friesen, Chemikerin am Rechtsmedizinischen Institut der Universität Ulm, gibt es Anzeichen dafür, dass der Drogenersatzstoff D,L-Methadon in der konventionellen Chemotherapie verstärkend wirken und womöglich die Therapiekosten senken könnte, weil Methadon im Vergleich zu anderen Schmerzmitteln in der Krebstherapie sehr preiswert ist. Bislang fehlen jedoch klinische Studien, die die Wirkung am Menschen wissenschaftlich belegen. Aufgrund von Medienberichten im Jahr 2017 haben sich viele Krebspatienten dennoch auf eigenen Wunsch der Behandlung mit Methadon unterzogen. So auch der Vater des Mannes aus Ulm, der die Petition an den Bundestag gerichtet hat.

Quelle: MDR Mitteldeutscher Rundfunk


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