Sonntag, 19. Mai 2019
Navigation öffnen

Gesundheitspolitik

08. März 2019 Medikamenten-Apps bieten verschiedenste Funktionen

Erinnerungen, Warnungen, ein Tagebuch: Medikamenten-Apps locken vor allem chronisch Kranke auf den ersten Blick mit vielen Vorteilen. Doch bei der Auswahl sollten Nutzer genau hinschauen – vor allem dann, wenn die App nichts kostet. Es ist kein Anruf und keine Nachricht, das Smartphone piept aber trotzdem. „12 Uhr, Tablette einnehmen.“ So erinnern Apps ihre Nutzer daran, Medikamente zu nehmen. Wichtig ist das vor allem für chronisch Kranke mit Bluthochdruck, Parkinson oder Diabetes etwa, die ihre wichtige Medizin auch im größten Alltagsstress nicht vergessen wollen.
Anzeige:
Fachinformation
Die Erinnerung ist aber nur eine Funktion der Medikamenten-Apps. „Nutzer können über die App zum Beispiel eine Art Medikamententagebuch führen“, sagt Urs-Vito Albrecht vom Institut für Medizinische Informatik der Technischen Universität Braunschweig und der Medizinischen Hochschule Hannover. In dem Tagebuch können Patienten zum Beispiel festhalten, wie hoch zu welcher Tageszeit ihr Blutdruck oder wie ihr Wohlbefinden nach der Einnahme von diesem oder jenem Präparat war.

Manche Apps bieten auch Infos zu Arzneimitteln, Neben- oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten etwa. Und andere geben einen Hinweis, wenn sich der Tablettenvorrat dem Ende nähert. Nach Angaben des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI) gibt es schätzungsweise 100.000 deutsch- und englischsprachige Gesundheits-Apps. „Die Bandbreite hier ist enorm“, sagt Albrecht.

Darunter fallen aber auch Apps, die zu mehr Bewegung motivieren wollen oder mit der sich die Entwicklung von Babys dokumentieren lässt. Wie viele reine Medikamenten-Apps auf dem Markt sind, ist dem BPI nicht bekannt. „Schätzungsweise sind das mehrere hundert“, sagt Daniela Hubloher von der Verbraucherzentrale Hessen.

Sich im Angebotsdschungel zurechtzufinden und die passende Apps für die eigenen Bedürfnisse auszumachen – „das ist für Patienten gar nicht so einfach“, sagt BPI-Sprecherin Julia Richter. Hinter den Apps stecken die unterschiedlichsten Anbieter: Pharmafirmen etwa, Apotheken oder Krankenkassen. Die Qualität der Apps ist laut Richter „höchst unterschiedlich“. Wer auf der Suche nach einer praxistauglichen und passenden Medikamenten-App ist, sollte am besten seinen behandelnden Arzt fragen, rät die BPI-Sprecherin.

Angehende Nutzer sollten unter anderem darauf achten, dass der Anbieter transparent über sein Produkt informiert, erklärt Albrecht. Er leitet die multidisziplinäre Forschergruppe PLRI MedAppLab, die sich mit den ethisch-rechtlichen Rahmenbedingungen des medizinischen Einsatzes von Gesundheits-Apps auseinandersetzt.

Klar erkennbar sollte zum Beispiel sein, wer die App auf welcher Basis erstellt hat, wozu die App gedacht ist und wo ihre Grenzen sind. „App-Anbieter, die sich bei der Information über ihr Produkt auf Marketingphrasen beschränken und nicht offen die Fakten darlegen, sind unseriös“, so Albrecht.

Wird eine Medikamenten-App kostenlos angeboten, sollten Interessenten das ebenfalls kritisch hinterfragen. „Es muss klar werden, wer die Finanzierung der App übernommen hat und welche Interessen dahinter stecken“, so Hubloher. Ein Problem: Derzeit müssen Anbieter von Medikamenten-Apps den Nutzen ihrer Produkte nicht nachweisen. „Das ist ein Grund mehr, bei der Auswahl sehr vorsichtig zu sein“, sagt die Verbraucherschützerin.

Wird eine App hingegen klar seitens eines Pharmaherstellers zu therapeutischen Zwecken vermarktet, dann liegt ein Medizinprodukt vor. Die App benötigt dann eine CE-Kennzeichnung – damit soll sie technische Mindestanforderungen erfüllen.

Ganz wichtig: der Datenschutz. Bietet eine App Funktionen an, die beispielsweise das Erfassen persönlicher Informationen ermöglicht, dann muss die dazugehörige Datenschutzerklärung auch klar sagen, wo die Daten gespeichert und wie sie technisch geschützt werden. Hat der Anwender die volle Kontrolle darüber oder verwendet der Anbieter die Daten auch selbst für einen wissenschaftlichen oder kommerziellen Zweck?

„Das ist gerade im Umfeld von gratis angebotenen Apps zu hinterfragen“, betont Albrecht. Und: keinesfalls Empfehlungen von Apps blauäugig befolgen, etwa wenn mögliche Wechselwirkungen von zwei Medikamenten beschrieben werden. „Immer besser auch noch einmal hierzu Rücksprache mit dem behandelnden Arzt halten“, so Hubloher.

Quelle: dpa


Das könnte Sie auch interessieren

Steigende Zahl älterer Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2

Steigende Zahl älterer Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2
© Robert Kneschke / Fotolia.com

Aktuell sind in Deutschland rund 17 Millionen Menschen älter als 65 Jahre. Die Zahl wird aufgrund der sich verändernden Altersstruktur auf voraussichtlich 22 Millionen im Jahr 2030 anwachsen. Die Anzahl der Hochbetagten (80 Jahre und älter) wird von derzeit vier Millionen auf sechs Millionen im Jahr 2030 ansteigen. Gleichzeitig erkranken immer mehr Menschen an Diabetes Typ 2, so dass Diabetologinnen und Diabetologen sowie Pflegende künftig viele geriatrische Patienten mit Diabetes versorgen werden: Es ist davon auszugehen, dass in Deutschland derzeit rund vier Millionen...

17. Patientenforum Lunge in Stuttgart

17. Patientenforum Lunge in Stuttgart
© adimas / Fotolia.com

Am 25. März veranstaltet der Lungeninformationsdienst zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Lungenforschung in Stuttgart sein 17. Patientenforum Lunge. Das Thema: „Aktuelles zu klinischen Studien in der Lungenforschung – Wie nützen sie den Patienten?“ Erstmals findet die Veranstaltung im Rahmen des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin statt. Ein weiterer Kooperationspartner ist der Deutsche Lungentag.

Patientenportal für klinische Studien macht medizinische Forschung für alle transparent und zugänglich

Patientenportal für klinische Studien macht medizinische Forschung für alle transparent und zugänglich
© pressmaster / Fotolia.com

In Deutschland werden jedes Jahr über 500 klinische Forschungsstudien zu neuen Therapien und Medikamenten durchgeführt. Ein Großteil betrifft Volkskrankheiten wie Diabetes, Asthma, COPD, Arthrose oder Schuppenflechte und richtet sich an chronisch kranke Patienten. Leider weiß die Mehrheit dieser Patienten nichts über aktuelle Studien und die Möglichkeiten, die sich daraus für sie ergeben können. Hier setzt das Aufklärungsprinzip von Mondosano an und bietet einfach aufbereitete Informationen zu neuen Therapieformen und Forschungsprojekten. Bei...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Medikamenten-Apps bieten verschiedenste Funktionen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.