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Gesundheitspolitik

03. März 2020
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Ansturm der Verunsicherten – Hausärzte in Zeiten von Covid-19

Viele Fragen tun sich derzeit auf bei verunsicherten Menschen in Deutschland. Ihre Sorgen laden viele beim Hausarzt ab – doch die Zeit für solche Gespräche fehlt den Medizinern bei der Behandlung von Patienten. Regionale Covid-19-Zentren gelten als Lösung.
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Fachinformation
Husten und ein bisschen Fieber, und das in Zeiten von Covid-19 – da gehe ich doch lieber direkt zum Arzt. Viele Menschen suchen derzeit aus Sorge vor dem neuen Coronavirus ihren Hausarzt mit Symptomen auf, die sie sonst daheim auskuriert hätten. Bei so manchem Hausarzt sorgt das für übervolle Wartezimmer – die im Zweifelsfall erst recht eine Brutstätte für Ansteckungen sein können, nicht nur für das neue Virus Sars-CoV-2. Was tun?

"Erst mal anrufen und nicht direkt in die Praxis rennen", sagt der Sprecher des Deutschen Hausärzteverbands, Christian Schmuck. "Denn wenn man nun wirklich daran erkrankt sein sollte, dann muss man das ja nicht unbedingt in ein voll besetztes Wartezimmer mit ohnehin schon geschwächten Immunsystemen reintragen." Derzeit stehe bei den Hausärzten nicht Covid-19 selbst, sondern der Beratungsaufwand für verunsicherte Menschen im Vordergrund. "Die Verunsicherung ist ein bisschen das größte Thema."

"Wir werden derzeit bombardiert mit Telefonanfragen und Patienten, die wegen Beschwerden vorstellig werden", sagt der Vorsitzende des Mediverbundes, der Allgemeinmediziner Werner Baumgärtner in Stuttgart. Auch beim Kölner Hausarzt Andreas Koch gibt es zeitweise eine lange Schlange von Patienten. Er hat eine schnelle Methode gefunden, um mögliche Sars-CoV-2-Infizierte von seinen sonstigen Patienten fernzuhalten. Alle regulären Termine hat er aus Kapazitätsgründen gestrichen und sich morgens vor die Tür gestellt, um jeden Wartenden einzeln abzufragen, wie der Allgemeinmediziner der Deutschen Presse-Agentur erklärt. "Im Moment ist meine Hauptarbeit, zu reden. Kommunikation."

Von allen Patienten mit einem Erkältungsinfekt habe er sich die Namen aufgeschrieben und sie dann wieder nach Hause geschickt, erklärt Koch. Anschließend habe er sie angerufen und befragt – etwa zu Aufenthalten in Risikogebieten wie China, Iran und Norditalien und zu den genauen Symptomen. Darauf basierend entscheide er, ob er dem Patienten einen Hausbesuch abstatte oder ihn außerhalb der Sprechzeiten isoliert einbestelle. Großer Vorteil eines Hausarztes sei, dass er seine Patienten kenne und gut einschätzen könne.

Eine Alternative zum Anruf beim Hausarzt ist, sich mit Fragen zu einer möglichen Infektion an die bundesweite Rufnummer 116 117 des kassenärztlichen Notdienstes zu wenden. Allerdings war diese Nummer in den vergangenen Tagen zeitweise überlastet. Auch bei Rettungsdiensten mehren sich die Anrufe. Die Berliner Feuerwehr appellierte via Twitter bereits, Nachfragen zum Coronavirus nicht über den Notruf 112 laufen zu lassen. Wie in Berlin wurden vielerorts regionale Nummern für Fragen eingerichtet, umfassende Informationen bieten zudem das Robert Koch-Institut und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf ihren Internetseiten.

Besorgte Menschen sollten sich klar machen: Derzeit ist eine Erkältung oder ein grippaler Infekt um ein Vielfaches wahrscheinlicher als Covid-19. Gar nicht oft genug zu betonen ist zudem: Dass so viele Maßnahmen wie Schulschließungen und die Absage von Veranstaltungen veranlasst werden, liegt nicht daran, dass es sich bei der neuen Lungenkrankheit um eine besonders gefährliche handelt. Covid-19 sei eine milde Erkrankung, im Grunde eine Art Erkältung, die meist rasch überstanden oder von vorherein kaum zu spüren sei, betont der renommierte Virologe Christian Drosten.

Der Hintergrund der Maßnahmen ist ein anderer: Eine ungebremste Infektionswelle könnte unter anderem volle Wartebereiche und Arztpraxen, belegte Intensivbetten und überlastete Gesundheitsämter bedeuten. Je besser es gelinge, die Rate der Ansteckungen kleinzuhalten, desto geringer werde der Druck auf das Medizinsystem und die Gesellschaft, so Drosten. Es mache einen riesigen Unterschied, ob eine Ausbreitungswelle eine Bevölkerung binnen weniger Wochen oder auf zwei Jahre verteilt zu großen Teilen erfasse.

In den nächsten Tagen wird die Zahl der Infektionen absehbar weiter deutlich steigen – und die Besorgnis in Teilen der Bevölkerung wird eher noch zunehmen. Dafür sind dann neue Lösungen gefragt. Der Verband der niedergelassenen Ärzte in Baden-Württemberg plädiert für zentrale Stellen zum Abklären einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus. Auch Mathias Berndt, Chef des Hausärzteverbands in Niedersachsen, hält die Einrichtung regionaler Schwerpunkt-Praxen für nötig. "Wir müssen die Patientenströme trennen", betont der Allgemeinmediziner. In Niedersachsen ist die Einrichtung solcher regionalen Zentren bereits vorgesehen.
 
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