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Gesundheitspolitik

02. Mai 2012 Hebammen unter Druck – Berufshaftpflicht wird immer teurer

Immer mehr selbstständige Hebammen geben ein Kernstück ihres Berufes auf – die Geburtshilfe. Grund sind die steigenden Kosten.
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Die Arbeit als Hebamme bedeutet oft ein Leben auf Abruf. Wann kommt das Kind, wann braucht eine Frau Hilfe bei der Nachsorge? Jitka Weber ist seit sechs Jahren Hebamme – und hat bereits ans Aufhören gedacht. Aber nicht wegen der zeitlichen Belastung, sondern wegen finanzieller Sorgen. Seit Jahren steigt die Berufshaftpflicht für selbstständige Hebammen, und ein Ende ist nicht in Sicht. Denn Fehler bei der Geburt sind für die Versicherungen besonders teuer.

«Die Vergütung war schon immer schlecht», sagt die 29-Jährige. «Und wo die Haftpflicht so einen enormen Anstieg gemacht hat, sind viele eingeknickt.» Seit Jahren wehren sich Hebammen erfolglos gegen die steigenden Prämien bei der freiberuflich erbrachten Geburtshilfe. 2010 stieg der Beitrag von 2.370 auf 3.689 Euro – von Juli an soll der jährliche Beitrag auf mehr als 4.200 Euro wachsen.

Grund seien die steigenden Versicherungskosten, sagt Katrin Rüter vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Pro Jahr legten sie im Schnitt um fast 15 Prozent zu. Dabei machten Hebammen nicht mehr Fehler als früher. Doch die Heil- und Pflegekosten kletterten kontinuierlich. Rüter zufolge nehmen zudem die Krankenversicherungen der geschädigten Kinder in viel höherem Umfang als früher Regress bei der Haftpflichtversicherung der Hebamme.

«Es muss irgendwo ein Deckel sein oder es muss vom Staat einen Fonds geben, damit diese kleine Berufsgruppe nicht jedes Jahr zig Millionen abdecken muss mit ihrer Versicherung», fordert Weber, die als freiberufliche Hebamme in Berlin arbeitet. Mehr als die Hälfte der im Deutschen Hebammenverband (DHV) organisierten Frauen ist freiberuflich tätig. Doch Geburtshilfe leistet nach Verbandsangaben nur noch ein Viertel aller Selbstständigen. Statt Geburten zu begleiten weichen die Hebammen auf Vorbereitungskurse oder Wochenbettbetreuung aus – Bereiche, in denen die Haftpflicht nicht so hoch ist.

Die Hebammen fordern mehr Unterstützung von der Politik. Tatsächlich ist seit Jahresanfang gesetzlich festgelegt, dass die Krankenkassen mit den Hebammen höhere Vergütungen vereinbaren können und sie deren steigende Kosten berücksichtigen müssen. Laut DHV sind die Kassen bisher aber nicht bereit, die Gebührensätze anzuheben. Anfang Februar platzten die Verhandlungen. Bislang hat der Verband einen Stundenlohn von durchschnittlich 7,50 Euro errechnet.

Weber arbeitet 60 Stunden in der Woche und kommt auf einen Netto-Monatslohn von rund 1.300 Euro. Zu wenig, findet die junge Frau: «Wenn man alleine ist und viel arbeiten kann, kann ich davon leben. Aber wenn ich irgendwann selber Familie haben will...»

Der DHV geht davon aus, dass mit der Anhebung der Prämie noch mehr freiberufliche Hebammen aus der Geburtshilfe aussteigen werden. Darunter leide dann die Versorgung. «Seit Ende Januar haben neun Krankenhäuser die geburtshilfliche Abteilung eingestellt. Auf der anderen Seite ist es so, dass immer mehr Geburtshäuser schließen», sagt DHV-Sprecherin Edith Wolber. Zurzeit betreuen die freiberuflichen Hebammen etwa ein Viertel der Geburten – rund 678.000 Kinder kamen nach Angaben des Statistischem Bundesamtes 2010 in Deutschland zur Welt.

Am Freitag will Weber mit dem Berliner Hebammenverband protestieren, ein Tag vor dem Internationalen Hebammentag am 5. Mai. «Vielleicht waren wir zu brav bisher, wir haben demonstriert, wir haben kundgegeben, es hat sich nichts verändert und jetzt reicht's.»

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