Sonntag, 16. Juni 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Gesundheitspolitik

02. Mai 2012 Immer mehr Arbeitnehmer fallen wegen psychischer Belastung aus

Ständig erreichbar über das Smartphone, befristete Arbeitsverträge, schneller und effizienter arbeiten: Immer mehr Beschäftigte halten den Stress nicht mehr aus. Arbeitsministerin von der Leyen will gegensteuern.
Aus der wachsenden psychischen Belastung von Arbeitnehmern will Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) Konsequenzen ziehen. Ihr Ressort plant, im nächsten Jahr einen Runden Tisch einzuberufen, der Kriterien zum Arbeitsschutz erörtern soll. Nötig seien klare Grenzwerte, damit Stoppschilder aufgebaut werden könnten, sagte die CDU-Politikerin in der ARD. Nach Angaben ihres Ministeriums ist die Zahl der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen.

Wie aus einer Antwort des Ressorts auf eine Anfrage der Linkspartei hervorgeht, gab es 2001 deutschlandweit 33,6 Millionen Fehltage wegen psychischer Störungen – 2010 waren es schon 53,5 Millionen. Ihr Anteil an allen Fehltagen stieg damit von 6,6 auf 13,1 Prozent. Besonders betroffen sind Beschäftigte im Sozial- und Erziehungsbereich, ein besonderes Risiko tragen Leiharbeiter.

Zu den Ursachen für Psychostress am Arbeitsplatz zählen die Beschleunigung der Arbeitsprozesse, steigende Anforderungen, höhere Eigenverantwortung sowie berufliche Unsicherheit. Zudem listet das Ministerium höhere Mobilitätsanforderungen, immer instabilere soziale Beziehungen infolge häufiger Berufs- und Ortswechsel und wachsende Konkurrenz am Arbeitsplatz auf.

Besonders gefährdet sind Frauen: So liegen die durchschnittlichen Fehltage je 100 Versicherte bei Frauen mit 242,1 (2010) deutlich höher als bei Männern (2010: 137,8 Tage). Auch die Zahl der weiblichen Beschäftigten, die aufgrund psychischer Erkrankungen 2010 in eine Erwerbsminderungsrente gingen, ist mit 39 248 Fällen höher. Bei den Männern waren es im selben Jahr 31 698.

Besonders viele Fehltage verzeichnen laut Arbeitsministerium Beschäftigte im Sozial- und Erziehungsbereich, im Gesundheitsdienst, in der Papierherstellung und im Druck. Viele Leiharbeiter arbeiteten zudem unter Bedingungen, «die die Gesundheit negativ beeinflussen können». Sie seien etwa schlechter qualifiziert, mit ihrem Job unzufriedener und hätten ein höheres Risiko, den Job zu verlieren.

Einen Bedarf für neue Gesetze gegen den Stress sieht die Bundesregierung nicht. Zunächst müsse «der Wissens- und Kenntnisstand» verbreitert werden, heißt es. Das solle in der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) mit Arbeitgebern und Gewerkschaften angegangen werden. Erst dann könne entschieden werden, ob konkrete Schutzmaßnahmen wie eine «Anti-Stress-Verordnung» vorgeschrieben werden müssten, wie sie etwa die IG Metall fordert.

Die Opposition fordert hingegen rasche Konsequenzen. Vertreter von Grünen und Linkspartei forderten eine Eindämmung von Leiharbeit und befristeten Verträgen. Der Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP) plädierte für ein besseres Gesundheitsmanagement in Unternehmen.

«Es wird viel über Burnout geredet, aber viel zu wenig über die Phase lange vor der Entstehung einer massiven psychischen Erkrankung», sagt Präsidentin Sabine Siegl. Zwar engagierten sich viele Betriebe, aber nicht immer richtig. «Es geht durchaus nicht nur um ergonomisches Sitzen und ausreichende Pausen, sondern auch um die Transparenz von Abläufen, Entscheidungsspielräume und Partizipationsmöglichkeiten sowie um passgenaue Personalauswahl.» Überforderung entstehe auch durch eine falsche Besetzung von Stellen.

Von der Leyen betonte in der ARD-«Tagesschau», den Arbeitgebern müssten Instrumente an die Hand gegeben werden, damit sie etwas ändern könnten. Die meisten seien bereit, etwas zu tun - «sie wissen nur nicht wie.»

Quelle:


Das könnte Sie auch interessieren

Wenn Verwandte von Krankheitserregern Gutes tun

Wenn Verwandte von Krankheitserregern Gutes tun
© science photo / fotolia.com

Es gibt Bakterien, die Wasserstoff und Naturstoffe produzieren, was sowohl für die Umwelt als auch für die Medizin wichtig ist. In Jena hat ein Forschungsteam nun die Fähigkeit zur Wasserstoff- und Naturstoffproduktion in einer Gruppe von Bakterien nachgewiesen, die bis dahin eher als Krankheitserreger bekannt waren. In Gemeinschaft mit einem methanproduzierenden Bakterium konnten diese Bakterien Milchsäure zu Methan umwandeln.

5 Tipps für ein Leben mit Diabetes

5 Tipps für ein Leben mit Diabetes
© pikselstock / fotolia.com

Laut der Deutschen Diabetes-Hilfe erkranken jeden Tag rund 1.000 Menschen in Deutschland neu an Diabetes. Mediziner unterscheiden dabei je nach Ursache zwischen zwei Typen. Sowohl der Typ 1 als auch der Typ 2 äußern sich in einem chronisch erhöhten Blutzuckerspiegel aufgrund von Insulinresistenz oder -mangel. Dadurch staut sich Zucker in den Blutgefäßen an. Bleibt eine Diabeteserkrankung unentdeckt, führt dies zur Schädigung der Blutgefäße und anderer Organe. Damit Betroffene trotz Erkrankung ihr Leben genießen können, gilt es...

Orthopäden und Unfallchirurgen setzen sich für aktiven Lebensstil ein

Orthopäden und Unfallchirurgen setzen sich für aktiven Lebensstil ein
@ Von Schonertagen / Fotolia.com

Jedes Jahr verletzen sich 1,25 Millionen Bundesbürger beim Sport so schwer, dass sie ärztlich versorgt werden müssen (1). Überbelastung, hohe Risikobereitschaft und eine mangelnde Vorbereitung auf das Training führen immer wieder zu Unfällen. Gleichzeitig leben in Deutschland viele Millionen Menschen, die sich aufgrund einer Erkrankung nicht mehr schmerzfrei bewegen können. Auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) stellen Experten vom 24. bis 27. Oktober Therapien vor, mit denen sie Beweglichkeit bis ins hohe Alter...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Immer mehr Arbeitnehmer fallen wegen psychischer Belastung aus"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.