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Gesundheitspolitik

03. Mai 2012 Kosten- und Nutzenrechnung in der Personalisierten Medizin

Der Begriff der Personalisierten Medizin (PM) suggeriert Patienten eine persönliche und individuelle Behandlung, bei der sich der Arzt viel Zeit nimmt. Tatsächlich aber meint die PM in der wissenschaftlichen Forschung die Einteilung verschiedener Untergruppen von Patienten auf Grund gemeinsamer genetischer Merkmale zur besseren Diagnostik und Behandlung. Mit der begrifflichen, aber auch mit der ethischen, klinischen, rechtlichen und ökonomischen Problematik befasst sich das interdisziplinäre Verbundforschungsprojekt „Personalisierte Medizin in der Onkologie“ unter der Leitung von RUB-Forscher Prof. Dr. Dr. Jochen Vollmann.
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„Es darf bald niemand mehr ein Krankenhaus schließen – selbst, wenn es vereinzelt durchaus begründet wäre“, beschreibt Professor Jochen Vollmann, Leiter des Instituts für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin an der Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum, die aktuelle Stimmung in der Gesundheitsnation Deutschland. Er fragt kritisch, ob die hohen Summen, die unsere Gesellschaft in das Gesundheitssystem investiert, nicht in anderen wichtigen Bereichen wie zum Beispiel der Bildung fehlen, und wie diese Opportunitätskosten ethisch zu bewerten sind. Auch innerhalb der Medizin sei zu fragen, welche Bereiche prioritär gefördert werden sollen. Umso wichtiger sind Forschungsbeiträge, wie das bis 2013 angelegte und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Kooperationsprojekt zur Personalisierten Medizin.

Am konkreten Beispiel der akuten myeloischen Leukämie, einer Erkrankung des blutbildenden Systems, werden in den Teilprojekten der jeweiligen Forschungsdisziplinen die verschiedenen Aspekte beleuchtet. Koordinator Professor Dr. Dr. Vollmann zeichnet mit seinen RUB-Kollegen PD Dr. Jan Schildmann (M.A.), Verena Sandow (M.A.) und Sebastian Wäscher (M.A.) für das Teilprojekt Ethik verantwortlich: Die Forscher interessieren sich für die ethischen Aspekte der Einzelentscheidungen in der Fallstudie. Bisher profitieren nur kleine Untergruppen von Patienten von den Fortschritten der PM. Ist es vertretbar, einen Großteil der Ressourcen für die Behandlung einer vergleichsweise kleinen Gruppe von Patienten zu nutzen? „Generell muss es in Deutschland zu einer Debatte um Priorisierung im Gesundheitswesen kommen“, fordert Vollmann. Es dürfe schließlich nicht sein, dass von den Fortschritten individuellerer Therapien nur die „Gewinner profitieren, während für die Mehrzahl der Patienten zu wenig Ressourcen in Forschung und Versorgung übrig bleiben.

Quelle: Ruhr-Universität Bochum


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