Samstag, 26. September 2020
Navigation öffnen
Anzeige:

Gesundheitspolitik

19. November 2019 Urteil: Krankenkasse zahlt im Notfall für Cannabis-Behandlung

Cannabis ist nicht nur Rauschgift – sondern auch Arzneimittel. Allerdings gibt es Regeln, wann Ärzte es verschreiben dürfen und Krankenkassen es bezahlen müssen. Krankenkassen müssen Patienten in bestimmten Fällen eine Behandlung mit Cannabis bezahlen. Das gilt immer dann, wenn es erstens keine anderen Behandlungsmöglichkeiten und zweitens zumindest entfernte Aussichten auf Besserung gibt. In Notfällen muss die Kasse aber sogar bezahlen, wenn diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Das geht aus einer Entscheidung des Hessischen Landessozialgerichts hervor (Az.: L 1 KR 256/19 B ER), wie die Arbeitsgemeinschaft Sozialrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV) erklärt.
Anzeige:
Fachinformation
Von der Opium-Abhängigkeit zur Cannabis-Therapie

In dem Eilverfahren ging es um einen 19-Jährigen, der seit seiner frühen Kindheit an einer selten Darmerkrankung leidet. Diese verursacht unter anderem massive Bauchkrämpfe und starke Schmerzen. Zur Behandlung bekam er verschiedene Schmerzmittel auf Opium-Basis. Die Folgen: Eine Abhängigkeit, dazu Appetitlosigkeit und daraus folgende Unterernährung.

Der Arzt verschrieb dem Mann schließlich eine Therapie mit Dronabinol beziehungsweise THC, einem Cannabinoid also. Die Krankenkasse lehnte das mit Verweis auf die Suchtgefahr von Cannabis ab - schließlich sei der Mann bereits suchterkrankt. Als sich der Zustand des Mannes weiter verschlechterte, inzwischen wog er bei 1,80 Meter Körpergröße nur noch 44 Kilogramm, zog er vor Gericht.

Unversehrtheit vor Wirtschaftlichkeit

Die Klage war erfolgreich: Die Krankenkasse muss die Therapie nun für ein Jahr zumindest vorläufig bezahlen. Zwar sei unklar, ob es wirklich keine anderen Behandlungsmöglichkeiten und Aussicht auf Erfolg gibt, so die Richter. Eine bereits auf Privatrezept begonnene Behandlung mit Dronabinol zeige aber erste Erfolge.

Und: In einem Eilverfahren müsse das Gericht die Folgen seiner verschiedenen Entscheidungsmöglichkeiten abwägen. Das Recht des Mannes auf körperliche Unversehrtheit stehe hier über dem wirtschaftlichen Interesse der Krankenkasse.

Quelle: dpa


Anzeige:
Pflichttext

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Urteil: Krankenkasse zahlt im Notfall für Cannabis-Behandlung"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • München führt Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen ein – Diese Regelung gilt ab kommendem Donnerstag, 24.09.2020 (dpa, 21.09.2020).
  • München führt Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen ein – Diese Regelung gilt ab kommendem Donnerstag, 24.09.2020 (dpa, 21.09.2020).