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Gesundheitspolitik

24. Dezember 2018 Krankenkassen fordern mehr offene Arztpraxen abends und an Samstagen

Patienten in Deutschland sollten aus Sicht der gesetzlichen Krankenversicherung am frühen Abend und samstags mehr geöffnete Arztpraxen vorfinden. "Krankheiten richten sich nicht nach den Lieblingsöffnungszeiten der niedergelassenen Ärzte", sagte der Vize-Vorstandsvorsitzende des Spitzenverbands, Johann-Magnus von Stackelberg, der Deutschen Presse-Agentur. Die Kassenärztlichen Vereinigungen müssten für patientenfreundlichere Sprechzeiten sorgen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) wies die Aufforderung als "dreist und frech" zurück.
Stackelberg sagte, die viele Arbeit außerhalb der traditionellen Kernzeiten dürfe nicht an wenigen Ärzten hängenbleiben, die etwa samstags da seien. Mittwoch und Freitag habe am Nachmittag der Großteil der Praxen geschlossen, abends und am Wochenende sowieso. "Kein Wunder, dass immer mehr Menschen in die Notaufnahmen der Krankenhäuser gehen."

Wie eine Umfrage im Auftrag des Kassen-Verbands ergab, haben mittwochs zwischen 14.00 und 17.00 Uhr 20% der Praxen Sprechstunden, freitags unter 20%. Befragt wurden den Angaben zufolge 1.400 niedergelassene Hausärzte, Kinderärzte sowie Augenärzte, Orthopäden, Gynäkologen und HNO-Ärzte vom Institut Forsa.

Sprechstunden nach 18.00 Uhr bieten demnach montags, dienstags und donnerstags mehr als die Hälfte der Praxen an - nach 19.00 Uhr sind es dann weniger (Montag 9%, Dienstag 10%, Donnerstag 12%). Dem guten Vorbild, dass rund jede zehnte Praxis zumindest von 19.00 bis 20.00 Uhr Sprechstunden anbiete, sollten viele Ärzte folgen, sagte von Stackelberg. Samstags bieten laut der Umfrage ein bis 2% der Praxen zwischen 8.00 und 13.00 Sprechstunden an.

Die Kassen mahnten zudem, wenn Ärzte nur die Mindestzahl von derzeit 20 Sprechstunden pro Woche anböten, dürften sie in dieser Zeit keine Privatpatienten behandeln und keine Privatleistungen verkaufen. "Für private Zusatzgeschäfte müssen zusätzliche Termine und Sprechstunden angeboten werden", sagte von Stackelberg. Damit es wirklich genug Sprechstunden gebe, müsse zudem stärker vorgegeben werden, was in diesem Rahmen möglich ist und was nicht. Manchmal gebe es nur auf dem Papier genug Ärzte – etwa wenn Augenärzte operieren und so für einfache Erkrankungen oder Routineuntersuchungen keine Zeit haben.

In der Umfrage gaben 99% der Ärzte an, in den Sprechzeiten auch Privatpatienten zu behandeln.

Der KBV-Vorsitzende Andreas Gassen entgegnete: "Die Aussagen des GKV-Spitzenverbands sind ein Schlag ins Gesicht der niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen und zeugen von der Ferne von Krankenkassenfunktionären zur Versorgung von Patienten."

Die niedergelassenen Ärzte arbeiteten im Schnitt 52 Wochenstunden. Sie leisteten häufig viel mehr Sprechstunden als sie müssten. Vereinbart sind mit dem Spitzenverband der Kassen mindestens 20 Wochenstunden.

"Zu den Zeiten, an denen die Praxen geschlossen sind, gibt es den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116117 zu erreichen", betonte Gassen. "Es ist also Unsinn, zu behaupten, zu wenige Samstagssprechstunden seien der Grund dafür, dass Menschen in die Notaufnahmen gingen."

Der Vorsitzende des Hartmannbunds, eines anderen Ärzteverbands, Klaus Reinhardt, rief Stackelberg sogar dazu auf, darüber nachzudenken, ob Krankenkassen wiederholtes Fehlverhalten von Krankenversicherten sanktionieren könnten. Wenn Patienten in großem Umfang im akuten Notfall in die Kliniken gingen, liege das unter anderem daran, dass sie nicht genug über Ärzte im Bereitschaftsdienst wüssten. Die Kassen müssten ihre Versicherten besser informieren. Darüber könne Stackelberg auch gerne am Wochenende nachdenken.

Gassen warf den Kassen zudem vor, sich seit Jahren einer adäquaten Finanzierung zu verweigern. Sie gäben "ein unendliches Leistungsversprechen" ab und bezahlten im Schnitt fast 15% der Leistungen der Ärzte nicht. "Das darf nicht so weitergehen", sagte Gassen.

Quelle: dpa


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