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Gesundheitspolitik

19. Juni 2020 Viele Lockerungen weltweit treffen auf Sorge vor zweiter Corona-Welle

Während Washington, Teheran und Neu-Delhi der Angst vor einer zweiten Corona-Welle mit Lockerungen trotzen, kämpft Peking bereits mit einem erneuten Virus-Ausbruch.
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Die Normalität nach der ersten Corona-Welle war in China zum Greifen nah - bis das Coronavirus vergangene Woche in Peking erneut ausgebrochen ist. Teheran und Neu-Delhi sind indes weiter auf Lockerungskurs, trotz steigender Infektionszahlen. Auch in den USA klettern die Fallzahlen vielerorts in die Höhe, während Präsident Trump die Öffnung der Wirtschaft weiter vorantreibt.

Peking - 158 Infektionen seit Ausbruch auf Großmarkt

Nach dem neuen Ausbruch des Coronavirus bleibt die Lage in der chinesischen Hauptstadt angespannt. Am Donnerstag meldete die Pekinger Gesundheitskommission 21 weitere Infizierte. Damit gibt es innerhalb der vergangene sieben Tage bereits 158 bestätigte Infektionen in der 20-Millionen-Metropole.

Als Reaktion auf den neuen Ausbruch, der vergangene Woche auf dem Xinfadi-Großmarkt der Stadt begann, riefen die Behörden die zweithöchste Sicherheitsstufe aus, womit Peking teilweise abgeriegelt wird. Flüge aus und in die Hauptstadt wurden drastisch reduziert.

Bewohner aus Gegenden von Peking, in denen das Risiko als "mittel" oder "hoch" eingestuft wurde, dürften die Stadt nicht mehr verlassen. So solle verhindert werden, dass sich der neue Ausbruch auf andere Teile des Landes ausweitet. Auch alle anderen Pekinger dürfen nur noch Reisen, wenn sie einen negativen Coronatest vorlegen können. Schulen wurden ebenfalls wieder geschlossen.

Bereits in den vergangen Tagen hatten die Behörden damit begonnen, mehrere Nachbarschaften komplett abzuschotten. In der ganzen Stadt wurden Kontrollen wie etwa Fiebermessen wieder verschärft.

USA - Anstieg in Texas, Rückgang in New York

Die Vereinigten Staaten diskutieren über die Gefahr einer zweiten Corona-Welle - dabei geht die erste vielerorts erst richtig los. "Eine solche Panik ist übertrieben", schrieb Vize-Präsident Mike Pence im "Wall Street Journal". Hintergrund ist der sprunghafte Anstieg der Neuinfektionen und ein neuer Höchststand in einigen Regionen. Darunter sind unter anderem die bevölkerungsreichen Bundesstaaten Florida und Texas, aber auch in vielen anderen Staaten steigt die Fallzahl während der von US-Präsident Donald Trump vorangetriebenen Öffnung der Wirtschaft besorgniserregend.

Die Massenproteste der vergangenen drei Wochen scheinen sich in vielen Städten wie New York, Washington oder Chicago derweil nicht oder kaum bei den Neuinfektionen bemerkbar zu machen. Im Bundesstaat New York, einst weltweites Epizentrum der Pandemie, sind die Zahlen mittlerweile sogar so gut, dass die Ostküstenmetropole mit ihrer Öffnung voranschreiten kann. Zuletzt waren im Bundesstaat nur noch 17 Menschen an Covid-19 gestorben - vor wenigen Wochen noch knapp 800.

Iran - Zwischen Gesundheit und Geldbörse

Im Iran steckt Präsident Hassan Ruhani in einem Dilemma. Einerseits will und muss er Lockerungen vornehmen, um eine noch akutere Wirtschaftskrise im Land zu verhindern. Andererseits sind seit den Öffnungen Ende Mai die Fallzahlen um das Zweifache gestiegen. Aktuell sind seit dem Ausbruch der Pandemie Ende Februar fast 9.200 Iraner am Corona-Virus gestorben und über 195.000 haben sich infiziert. Trotz Kritik von Experten bleibt Ruhani seiner Linie vorerst treu. Als Präsident müsse er nach eigenen Worten nun mal an Gesundheit und Geldbörse der Menschen gleichzeitig denken.

Die Lockerungen haben außerdem auch dazu geführt, dass die Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen in der Bevölkerung nicht mehr ernstgenommen werden. Amtlichen Angaben zufolge werden die Hygiene-Vorschriften landesweit derzeit nur noch von weniger als 30% der Menschen eingehalten.

Neu-Delih - Verzweifelte Suche nach Krankenhausbetten

In Indiens Hauptstadt Neu Delhi gehen zurzeit die Krankenhausbetten aus - und auch in Leichenhallen wird der Platz knapp. So lässt die Millionenmetropole Züge, Hochzeitshallen, Hotels und Stadien in temporäre Corona-Krankenhäuser umwandeln. Doch die Lage ist schwierig. In den sozialen Netzwerken kursieren viele Videos von verzweifelten Leuten, die versuchen, ihre Angehörigen mit Covid-Symptomen in ein Krankenhaus zu bringen - und immer wieder abgewiesen werden. Auch die deutsche Botschaft wies in einem sogenannten Landsleuteschreiben auf die knappe Zahl der Krankenhausbetten hin.

Inzwischen ist Indien bei den Corona-Infektionen weltweit auf Platz vier - nach den USA, Brasilien und Russland. Es gibt mehr als 366.000 bestätigte Corona-Fälle, mehr als 12.000 Covid-19-Patienten starben. Trotzdem lockert das mit 1,3 Milliarden Einwohnern zweitbevölkerungsreichste Land der Erde zunehmend. Denn wegen des wochenlangen Lockdowns wurden Millionen Menschen arbeitslos und viele haben Angst, zu verhungern.

Quelle: dpa


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