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Gesundheitspolitik

30. April 2019 Nationale Diabetes-Strategie: Diabetesverbände legen Forderungskatalog vor

CDU/CSU und SPD haben im Koalitionsvertrag 2018 eine Nationale Diabetes-Strategie beschlossen, um die Volkskrankheit gezielt zu bekämpfen. Bis heute sind jedoch sowohl die Inhalte als auch die politische Umsetzung unklar – dabei drängt die Zeit: Wie aus dem Bundesgesundheitsministerium verlautet, soll die Strategie bis Jahresende 2019 stehen. Diabetesbehandelnde und -betroffene haben sich jetzt proaktiv auf ein Positionspapier geeinigt, das den politischen Entscheidenden den Handlungsbedarf detailliert darlegt. Dieser setzt bei den zur Versorgung notwendigen Strukturen an und beinhaltet auch Forschungsförderung, Früherkennung und Prävention.
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Auf das aktuelle Positionspapier haben sich die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe und der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD) geeinigt. „Unser gemeinsames Positionspapier bietet Politikern auf Bundes- und Landesebene Orientierung bei der Umsetzung der Nationalen Diabetes-Strategie“, erklärt DDG Präsident Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland. „Denn bei allen regionalen Unterschieden gilt: Versorgung und Monitoring sollen am Ende des Tages einheitlich in ganz Deutschland sein.“
 
„Weder die Inhalte noch die politische Umsetzung oder die Verantwortlichkeiten auf Bundes- und Länderebene sind bislang von der Koalition bekannt gegeben worden. Mit diesem Papier stellen wir sicher, dass politische Entscheider auf allen Ebenen den Bedarf aus Sicht der Diabetesbehandler und -patienten kennen und mithilfe der geplanten Strategie implementieren können“, erläutert Dr. Jens Kröger, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe.
 
Nach dem Willen der Diabetesexperten und -patienten bedarf es eines nationalen Rahmenplans, wenn die Umsetzung auf Länderebene erfolgen sollte – nur so könne einem Flickenteppich unterschiedlicher Versorgungsqualitäten vorgebeugt werden. Ein Steuerungsgremium sollte medizinsche Fach- und Patientenkompetenz einbeziehen, die Bund-Länder-Koordinierung sicherstellen, klare Zuständigkeiten benennen und für eine entsprechende Budgetierung sorgen, so das Positionspapier.
 
Regionale Koordinierungsgruppen von Diabetesbehandelnden und -patientenvertretenden aller Selbsthilfeorganisationen (Diabetiker Allianz), haben bereits mit den zuständigen Länderministerien in allen 16 Bundesländern Kontakt aufgenommen und werden in den kommenden Monaten über die Inhalte des Positionspapiers ins Gespräch kommen.
 
Zu den Maßnahmen, die sowohl die Forschung stärken als auch eine hochwertige Patientenversorgung sichern, gehören unter anderem der Erhalt und Ausbau von diabetologisch-endokrinologischen Lehrstühlen sowie diabetologisch geführten Fachabteilungen in Kliniken. „Für die Umsetzung des Koalitionsvertrages in puncto Neujustierung der Aufgabenverteilung der Gesundheitsfachberufe ist ebenso eine bundesweite Anerkennung der Diabetesberater/innen als Berufsbild von zentraler Bedeutung“, erläutert Dr. rer. medic. Nicola Haller an, Vorsitzende des VDBD.
 
Auch der flächendeckende Netzausbau und die zügige Umsetzung des E-Health-Gesetzes dienen Forschungsförderung und Versorgung gleichermaßen. „Der Netzausbau wird uns in die Lage versetzen, telemedizinische Diagnostik und Beratung auch in ländlichen Regionen mit geringerer Arztdichte anzubieten und ein für eine verbesserte Therapie notwendiges Diabetes-Register aufzubauen“, so Müller-Wieland. Das stärke die einheitliche, flächendeckende Versorgung auf hohem Niveau. Ein weiterer Punkt: „Ernährungsberatung und Bewegung sollten als feste Therapiebausteine in die Regelversorgung eingehen“, ergänzt der DDG Präsident.
 
Um den Anstieg an Diabeteserkrankungen zu stoppen, sind aus Sicht der Experten zudem intensivierte Maßnahmen zur Früherkennung und Prävention erforderlich. „Wir setzen uns für eine verbindliche Aufklärung über den Diabetes mellitus in Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern und Jugendlichen, Erwachsenen und Schwangeren ein“, sagt Jens Kröger. Zudem sollten die Bundesländer Maßnahmen zur Verhältnisprävention ergreifen. „Die föderale Ebene kann verbindliche Standards für Kita- und Schulessen setzen und ein tägliches Sport- und Bewegungsangebot für Kinder und Jugendliche in der Schule einführen“, führt Nicola Haller an.
 
In den kommenden zwanzig Jahren wird die Zahl der Diabeteserkrankten nach Expertenschätzungen auf bis zu zwölf Millionen ansteigen, sofern nicht wirksam gegengesteuert wird. „Vor dem Hintergrund dieser alarmierenden Prognose duldet die Umsetzung der Nationalen Diabetes-Strategie keinen Aufschub“, betonen Müller-Wieland, Kröger und Haller.

Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)


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