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Gesundheitspolitik

22. November 2019 Pflegebudget: Neuland für alle Beteiligten

Am vierten und letzten Kongresstag stand eine der umfassendsten Reformen der Krankenhausfinanzierung seit Einführung der DRG-Fallpauschalen im Fokus: die Ausgliederung der Personalkosten für die Pflege am Bett. Im Kompakt-Seminar „Das neue Pflegebudget – wie wird’s gemacht?“ wurden sowohl die Vorarbeiten auf Bundesebene als auch die praktische Aufgabe vor Ort bei den Budgetverhandlungen 2020 betrachtet, denn die anstehenden Verhandlungen bedeuten für alle Beteiligten Neuland.
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Für den Tagungsvorsitzenden, Heiko Engelke, Verbandsdirektor der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft steht fest: „Die Verhandlungen werden große Herausforderungen für alle Parteien darstellen. Wichtig ist, dass das Geld wirklich in den Kliniken ankommt und es nicht durch vermeidbare Streitereien zu Verzögerungen oder gar Verhinderungen der Finanzierung der Pflege kommt.“ Stefan Koerdt, bei der Deutschen Krankenhausgesellschaft für Finanzierung und Planung zuständiger Referent, wies darauf hin, dass die Herausforderungen auf Bundesebene immens waren. „Wir haben es uns nicht leicht gemacht und auf der Bundesebene versucht dafür zu sorgen, dass die Abgrenzungsfragen möglichst konfliktfrei gelöst werden. Die Selbstverwaltung hat ihre Hausaufgaben gemacht und die vom Gesetzgeber vorgesehenen Aufgaben vollständig umgesetzt“, so Koerdt.  Für die praktischen Budgetverhandlungen sieht Martin Heumann, Geschäftsführer des Krankenhauszweckverbandes Rheinland trotz aller gelungenen Vorarbeiten noch große Aufgaben auf die Verhandler zukommen: „Die Kongruenz zu wahren, zwischen dem was aus den DRGs ausgegliedert und was dem Pflegebudget zugeordnet wird, wird eine Herausforderung sein. Es darf kein Geld auf der Strecke bleiben.“

Der Deutsche Krankenhaustag diente einmal mehr als Plattform für Erfahrungsaustausch und anregende Diskussionen zur fortschreitenden Digitalisierung im Gesundheitswesen. Breiten Raum nahmen dieses Jahr Vorträge zum Stand der Entwicklung der Elektronischen Patientenakte (ePA) ein, die von 2021 an jedem Patienten in Deutschland zur Verfügung stehen soll. Jan Neuhaus, Geschäftsführer „IT, Datenaustausch und eHealth“ der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), machte deutlich, dass die ePA eine wesentliche Lücke in der Digitalisierung schließt: „Patienten erhalten eine lebenslange elektronische Ablage für ihre medizinischen Dokumente unabhängig von der Versicherung oder dem Wohnort. Dies stärkt die Patientensouveränität und kann bei Arztwechseln oder ungeplanten Krankenhausaufenthalten die Anamnese unterstützen. Das ist ein wesentlicher Meilenstein der Digitalisierung der Gesundheitsversorgung, aber es werden weitere Schritte benötigt.“ Die ePA in der TI werde sicher sein, aber der Patient behalte die Verantwortung darüber, wie seine Daten auf dem Mobiltelefon oder dem heimischen Rechner geschützt sind. „Sowohl Ärzte als auch Versicherte werden hier noch viel einüben und lernen müssen, um die Chancen und Risiken richtig einzuordnen“, so Neuhaus.

Dies griff auch Kongresspräsident Dr. Michael Weber auf und hinterfragte insbesondere den medizinischen Nutzen der Patientenakte. Die Einführung der ePA sei längst überfällig, da Deutschland in der Digitalisierung der Medizin bereits anderen Ländern weit hinterherhinke. „Wir erwarten von einer ePA eine deutlich bessere Information über alle wichtigen medizinischen Daten. Wir bekommen jedoch eine digitale Patientenakte über einen Konnektor, brauchen aber den direkten Zugriff über eine gemeinsame Schnittstelle. Die hätten wir schon längst, wenn es nicht so viele Bedenkenträger gäbe. Dann hätten wir Medikamentenpläne, wenn möglich mit der Warnung vor Interaktionen, Laborwerte, Dicombilder, wenn wir sie brauchen“, so Weber, zugleich Präsident des Verbandes der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands (VLK). Dann sei auch keine Studie zum Nachweis des medizinischen Nutzens mehr notwendig. „Dieser wäre dann offensichtlich“, sagte der VLK-Präsident.

Für Dr. Martin Danner, Sprecher der Koordinierungsstelle der Patientenvertretung im Gemeinsamen Bundesausschuss, ersetzt die elektronische Patientenakte nicht die Primärdokumentation des Behandlungsgeschehens, und sie kappt auch nicht die Kommunikationsprozesse zwischen Behandlerinnen und Behandlern. „Die elektronische Patientenakte kann die Rolle der Patienten im Behandlungsgeschehen stärken, indem ein besserer Überblick über das Geschehen ermöglicht wird, die Möglichkeit, Vorgänge zu hinterfragen gestärkt wird und der Patient seine Rolle als Informationsübermittler besser wahrnehmen kann“, so der Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe.

Bilanz

Der Deutsche Krankenhaustag widmete sich auch in diesem Jahr der gesamten Bandbreite gesundheits- und krankenhauspolitischer Themen. Er bot Gelegenheit, eine Vielzahl an Vorhaben – vom Pflegepersonalstärkungsgesetz bis zur Strukturentwicklung der Länder – intensiv zu diskutieren. Der 42. Deutsche Krankenhaustag war in diesem Jahr insbesondere von den Erwartungen der Krankenhäuser an die Politik geprägt. Höhepunkt war die Rede zur Krankenhausplanung der Zukunft von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann auf der Auftaktveranstaltung und die anschließende Podiumsdiskussion mit Vertretern der Gesellschaft Deutscher Krankenhaustag und des GKV-Spitzenverbands. Auf große Resonanz stieß ebenfalls die Informationsveranstaltung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) zur Weiterentwicklung des Fallpauschalensystems sowie zum neuen Entgeltsystem für psychiatrische und psychosomatische Einrichtungen.

Mehr als 2.000 Besucher aus allen Bereichen des Gesundheitswesens haben vor dem Hintergrund der aktuellen gesundheitspolitischen Reformdiskussion an den vier Kongresstagen unter dem Motto „Krankenhäuser im Reform-Marathon“ zentrale Krankenhausthemen wie die Pflegeausbildung, die fortschreitende Digitalisierung, Patientenrechte, Krankenhausarchitektur und aktuelle Themen im Bereich Medizinische Versorgungszentren erörtert. Unter dem Motto „Gesundheitsversorgung in Europa: Highlights im Krankenhausmanagement“ fand der Europatag der Europäischen Vereinigung der Krankenhausmanager (EVKM) ebenfalls auf dem Kongress statt.

Der 43. Deutsche Krankenhaustag wird vom 16. bis 19. November 2020 erneut in Düsseldorf im Rahmen der weltgrößten Medizinmesse MEDICA stattfinden.

Der Deutsche Krankenhaustag ist die wichtigste Plattform für die deutschen Krankenhäuser und findet jährlich im Rahmen der MEDICA statt. Die Gesellschaft Deutscher Krankenhaustag mbH (GDK) hat die Aufgabe, den Deutschen Krankenhaustag auszurichten sowie Ausstellungen, Kongresse, Tagungen und Symposien durchzuführen, zu fördern und zu unterstützen. Gesellschafter der GDK sind die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), der Verband der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands (VLK) und der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD). Der Pflegebereich ist durch die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Schwesternverbände und Pflegeorganisationen in Deutschland (ADS) und den Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) in die Arbeit der GDK eingebunden.

Quelle: Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG)


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