Dienstag, 23. Juli 2019
Navigation öffnen

Gesundheitspolitik

18. Juni 2019 Pflegekosten steigen weiter – Kassen sind für neue Finanzierungen

Die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) fordern angesichts absehbarer Kostensprünge in der Pflege Klarheit über die Finanzierung. "Es ist an der Zeit, dass alle die Karten auf den Tisch legen", sagte Gernot Kiefer, Vorstand des GKV-Spitzenverbands, am Dienstag. Zuletzt sei viel über neue Leistungen für Pflegebedürftige und höhere Löhne für Pflegekräfte gesprochen worden. "Doch niemand wollte sagen, was das alles kostet und wer es bezahlen soll." Zu reden sei auch über Möglichkeiten, Pflegebedürftige zu entlasten.
Anzeige:
Die Finanzsituation der Pflegeversicherung sei eigentlich noch bis 2023 stabil, sagte Kiefer. Durch die Beitragserhöhung um 0,5 Punkte zu Jahresbeginn und die weiterhin positive Wirtschaftslage wird laut GKV für dieses Jahr daher auch ein Überschuss von 2,66 Milliarden Euro erwartet. Wenn im Koalitionsvertrag angekündigte neue Leistungen und Ausgaben kämen, steige aber der Finanzbedarf um mindestens gut vier Milliarden Euro. Allein die geplante und nötige höhere Vergütung von Pflegekräften dürfte dabei mindestens 1,4 Milliarden Euro kosten.

"Greifen die neuen Maßnahmen ab 2021, und es gibt keine andere Gegenfinanzierung, dann müssen wir bereits in zwei Jahren mit der nächsten Beitragserhöhung rechnen", warnte Kiefer. Daher schlagen die Kassen auch neue Finanzierungselemente vor. Dabei gehe es darum, "die Pflege zu verbessern und die Lasten gerechter zu verteilen".

Konkret sollten die Länder für Investitionskosten der Pflegeheime einstehen. Im Jahr 2017 habe im Bundesschnitt jeder Bewohner 5.300 Euro dafür zu zahlen gehabt. Dabei gab es laut GKV aber große Unterschiede nach Ländern – von jährlich 3.300 Euro pro Kopf in Sachsen-Anhalt bis zu 6.400 Euro in Nordrhein-Westfalen und Hamburg. Diese Eigenanteile könnten sinken, wenn die Länder sich wie gesetzlich vorgesehen an der Finanzierung beteiligten.

Kommen müsse auch eine regelmäßige Erhöhung der Leistungsbeträge, forderte Kiefer. Bisher seien die Beträge, die die Pflegeversicherung zahlt, zu selten erhöht worden. In der Folge werde mehr Leistung über höhere Eigenanteile der Heimbewohner finanziert. "Das ist der falsche Weg." Die Kassen bekräftigten außerdem ihre Forderung nach einem Bundeszuschuss für die Pflegeversicherung aus Steuergeld.

Die große Koalition will über einen "fairen Ausgleich" diskutieren, um Pflege-Mehrkosten zu finanzieren. Möglich wären auch erneut höhere Beiträge. Bei den Eigenanteilen, die für die eigentliche Pflege und weitere Nebenkosten im Heim fällig werden, wollen Union und SPD "übermäßige Belastungen" erklärtermaßen vermeiden. Die Pflegekosten insgesamt steigen auch generell wegen der alternden Gesellschaft.

Die Zahl der Leistungsempfänger erhöhte sich im vergangenen Jahr weiter auf 3,7 Millionen – das waren 10,4% mehr als 2017. Die Ausgaben der Pflegeversicherung legten binnen Jahresfrist um 7,6% auf 38,2 Milliarden Euro 2018 zu.

Quelle: dpa


Das könnte Sie auch interessieren

Diabetes – eine unterschätzte Herausforderung in der Pflege

Diabetes – eine unterschätzte Herausforderung in der Pflege
© Robert Kneschke / fotolia.com

Die stetig steigende Zahl an pflegebedürftigen Menschen mit Diabetes stellt eine wachsende Herausforderung dar. Mit dem Kompaktkurs „Basisqualifikation Diabetes Pflege DDG“ bietet die DDG praktische Hilfe und vermittelt Sicherheit bei der Pflege von Patienten mit Diabetes. Von der DDG qualifizierte Trainer bieten diese Kurse überregional an. Eine Liste der Trainer ist auf der Website abrufbar. Die Trainerteams verfügen sowohl über diabetologisch-ärztliche als auch über Diabetes beratende und pflegerische Qualifikationen. Die Fortbildung für...

Fasten 2019: Immer mehr Menschen halten es für sinnvoll

Fasten 2019: Immer mehr Menschen halten es für sinnvoll
© beats_ / fotolia.com

Fasten liegt im Trend: Immer mehr Deutsche halten es für gesundheitlich sinnvoll. Die Zahl der Fasten-Befürworter stieg in den vergangenen Jahren stetig an. Lag sie vor acht Jahren noch bei 53 Prozent, sind es nun 63 Prozent – ein Plus von fast 20 Prozent. Vor allem unter jungen Menschen ist der bewusste Verzicht weit verbreitet. Dabei möchten immer mehr Fasten-Fans auf Alkohol verzichten: Die geplante Abstinenz liegt mit 73 Prozent so hoch wie nie zuvor. Das zeigt eine aktuelle und repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit. Auch auf...

Grippeviren im Anmarsch - Tipps zum Schutz vor Ansteckung

Grippeviren im Anmarsch - Tipps zum Schutz vor Ansteckung
© ERGO Group

Jedes Jahr aufs Neue rollen gegen Ende des Jahres die ersten Grippewellen an: Laut dem Robert-Koch-Institut erkranken während einer saisonalen Grippewelle in Deutschland zwischen zwei und zehn Millionen Menschen. Dr. Wolfgang Reuter, Gesundheitsexperte der DKV Deutsche Krankenversicherung, erklärt den Unterschied zwischen Erkältung und echter Grippe, der sogenannten Influenza. Zudem gibt er Tipps zu Schutzmaßnahmen gegen Grippeviren.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Pflegekosten steigen weiter – Kassen sind für neue Finanzierungen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.