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Gesundheitspolitik
20. Januar 2017

Erste "Rote Liste" gefährdeter Lebensräume in Europa

Rote Listen von Tier- und Pflanzenarten haben sich im Naturschutz sehr bewährt. Wie es um die Gefährdung ganzer Lebensräume durch den Menschen bestellt ist, stand bislang jedoch viel weniger im Fokus der Wissenschaft. Ein internationales ForscherInnenteam unter Beteiligung von Franz Essl und David Paternoster vom Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien veröffentlicht nun erstmals eine Europäische Rote Liste, in der die Gefährdungssituation von 490 Lebensräumen in 35 Ländern Europas bewertet wurde. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Mehr als ein Drittel aller Lebensräume in Europa sind gefährdet.
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Trotz aller Schutzmaßnahmen führen intensive Landnutzung, Verbauung, Klimawandel und übermäßige Düngung weltweit zu einem voranschreitenden Verlust der biologischen Vielfalt. Dies belegen die immer länger werdenden Roten Listen gefährdeter Pflanzen- und Tierarten eindeutig, auch in Österreich. "Wie es um die Gefährdungssituation ganzer Lebensräume und der in ihnen vorkommenden Artengemeinschaften bestellt ist, ist jedoch viel schlechter erforscht", erklärt Franz Essl von der Universität Wien als Mitautor der Studie. Solche Lebensräume wie etwa Moore, artenreiche Magerwiesen, naturnahe Laubwälder und Gebirgslebensräume bieten einer jeweils angepassten Artengemeinschaft die geeigneten Lebensbedingungen, und sie stellen das ökologische Rückgrat der biologischen Vielfalt dar.

Für die erste Rote Liste gefährdeter Lebensräume in Europa haben 300 ForscherInnen Daten zur Gefährdung von 490 Lebensräumen gesammelt und bewertet. "Erstmals ist nun schwarz auf weiß belegt, wie es um Gefährdung von Lebensräumen in Europa bestellt ist, und wo der größte Handlungsbedarf liegt", fasst David Paternoster, ebenfalls Mitautor der Studie zusammen.

Und das Fazit der WissenschafterInnen ist dramatisch: Mehr als ein Drittel aller Lebensräume sind in Europa gefährdet. Besonders dramatisch ist die Gefährdung von Wiesentypen sowie von Seen-, Fluss- und Küstenlebensräumen, von denen jeweils jeder zweite Lebensraumtyp gefährdet ist. Am größten ist jedoch die Gefährdung von Mooren, von denen drei Viertel auf der Roten Liste als bedroht angeführt sind.

"In Österreich ist dabei die Gefährdungssituation der Lebensräume im Vergleich zum übrigen Europa keineswegs besser", erläutert Franz Essl. Im Gegenteil, außerhalb der Alpen und in dicht besiedelten Alpentälern führt der intensive Nutzungsdruck zu einer starken Gefährdung vieler Lebensräume.

Die Konsequenzen aus dieser Studie sind laut den AutorInnen eindeutig: Der Schutz von Lebensräumen ist in Europa zu verstärken. "Das europäische Schutznetzwerk Natura 2000 muss strikter umgesetzt werden, um den weiteren Rückgang artenreicher Lebensräume zu verhindern", erklärt Franz Essl. Darüber hinaus sollte jedoch auch außerhalb von Schutzgebieten der Naturschutz gestärkt werden, indem die Landwirtschaftspolitik noch stärker als bisher Naturschutzaufgaben berücksichtigt und der ungehemmte Flächenverbrauch gebremst wird.


Wissenschaftlicher Kontakt
Mag. Dr. Franz Essl
Department für Botanik und Biodiversitätsforschung
Universität Wien
1030 Wien, Rennweg 14/1
M +43-676-6091638
franz.essl@univie.ac.at

Quelle: Universität Wien

Literatur:

Studie "Rote Liste gefährdeter Lebensräume Europas":
Jansen J et al. (2016) European Red List of Habitats. http://ec.europa.eu/environment/nature/knowledge/redlist_en.htm


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