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Gesundheitspolitik

07. März 2019 Bayerisches Modellprojekt FARKOR: Vorsorge bei familiärem Darmkrebs-Risiko

Seit dem 1.10.2018 soll das Innovationsfonds-Projekt FARKOR die Versicherten in Bayern erreichen. Die bayerischen Krankenkassen und die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) haben sich zusammengeschlossen, um 25 bis 49 jährige vor einer Darmkrebserkrankung zu bewahren. 15.000 bayerische Allgemeinärzte, Dermatologen, Urologen, Gynäkologen, Gastroenterologen, Onkologen und hausärztlich tätige Internisten wurden angeschrieben. Bislang aber haben sich nur wenige in das Modellprojekt eingeschrieben. Gynäkologin Dr. Katrin Koch aus Herzogenaurach und Dr. Berndt Birkner, niedergelassener Gastroenterologe aus München, räumen mit den Vorbehalten auf.
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Warum macht das Modellprojekt FARKOR Sinn?

Birkner: „Die Vorsorgekoloskopie ab 55 Jahren ist 2002 eingeführt worden.Die Zahl der Darmkrebs-Neuerkrankungen ist in der Altersgruppe der 50 bis 74 jährigen seitdem um 17% zurückgegangen. Hier trägt die Prävention also Früchte. Ganz anders dagegen sieht es bei den Jüngeren aus: Hier stieg die Anzahl der Neuerkrankungen bei den 25 bis 49 jährigen im selben Zeitraum um 11% an. Auch in den USA zeigt sich dieses Bild, dass immer mehr junge Menschen an Darmkrebs erkranken.“

Koch: „Als Arzt ist nicht nur die Therapie ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit, sondern auch die Prävention. Mitzuhelfen, ein Tool für eine risikoadaptierte Früherkennung zu entwickeln,wird letztendlich langfristig unsere Arbeit erleichtern und hoffentlich dabei helfen Leben zu retten.“

Was sind die Gründe für diesen Trend?

Birkner: „Zum einen nimmt man an, dass es mit der Ernährung beziehungsweise der Zunahme von Adipositas zusammenhängt. Sicher ist man sich bei einem anderen Grund: Dem familiären Risiko für Darmkrebs. Denn immer wenn ein Familienmitglied von Darmkrebs betroffen ist, resultiert daraus ein erhöhtes Risiko für die nahen Verwandten, wie Geschwister, Kinder, Onkel, Tanten und auch Stiefkinder. So passiert es nicht selten, dass familiär belastete Menschen bereits mit 25 Jahren erkranken. Die gesetzliche Darmkrebsvorsorge, die ab 50 mit dem Anrecht auf einen immunologischen Stuhltest beginnt, kommt hier oft zu spät.“

Insbesondere Pilotprojekte bedeuten ja immer auch zusätzlichen Aufwand für den Arzt. Wie ist das bei FARKOR?

Koch: „Natürlich ist es wieder zusätzliche Arbeit: wieder ein Fragebogen, wieder neue Klicks und Anmeldungen. Und wieder ein Gespräch, diesmal über etwas das dem Patienten zumeist gar nicht bewusst war. Das heißt wieder Zeitverlust in einer bereits vollen Sprechstunde. Das Schriftliche ist jedoch schnell erledigt und der Zeitaufwand des Gesprächs ähnelt dem für die Koloskopie-Aufklärung mit 55.“

Birkner: „Ohne anfänglichen Mehr-Aufwand geht es auch hier leider nicht. Die Online-Fortbildung kann in einer vertretbaren Zeit abgearbeitet werden. Sie bringt dem Fortbildungskonto immerhin sechs CME-Punkte! Und wer sich auf diesem Weg zertifiziert hat, ist berechtigt, die FARKOR-Leistungen extrabudgetär mit einem überdurchschnittlichen Honorar abzurechnen. Und ganz unabhängig von der Zeitinvestition, bietet die Fortbildung ja auch Wissen hinsichtlich des familiären Risikos und macht meine Kollegen so gesehen auch fit dafür, die Projektphase effizient zu nutzen.“

Wie funktioniert FARKOR im Praxisalltag. Wieviel Bürokratie entsteht durch das Projekt?

Koch: „Wir sprechen die Patienten gezielt darauf an. Die Arzthelferin hat bereits vorab die Anamnese über einen schriftlichen Fragebogen bei der Patientenannahme in die Karteikarte eingetragen. Das Ausfüllen des Teilnahmebogens ist einfach durchzuführen. Wir klicken dies während des Gesprächs einfach an und überlegen gerade, hierfür ein extra iPad zu nutzen, da durch den Online-Fragebogen das Internet immer offen ist. Ein immer wieder erneutes Einwählen zur KVB-Website mit Anmeldung ist leider zu zeitaufwendig.“
Birkner: „Ich habe selbst bereits einige Patienten in die Studie eingeschlossen. Man muss sich nur bewusst machen, dass jeder zwischen 25-49 Jahre für die Studie hilfreich ist. Egal ob er nun wegen einer Impfung, eines Hautproblems, einer Schwangerschaft oder Blasenentzündung in der Praxis erscheint. Ganz egal! Denn erstmal erhebt man eine Familienanamnese bei ihm. Und sollte diese positiv ausfallen, wird eine umfangreichere Anamnese erstellt, die dann womöglich zu weiteren Handlungsempfehlungen, wie Stuhltest oder Koloskopie führt. Der Patient – auch wenn er nur wegen einer Erkältung ärztliche Hilfe gesucht hat – hat in jedem Fall einen hohen Nutzen von diesem Zusatzservice. Denn im Zweifel hätte er sonst nie von diesem Thema und seinem möglichen Risiko erfahren. Die Dokumentation, das Herzstück des Modellprojekts, ist natürlich anfangs etwas neu. Aber schon nach wenigen Fällen hält sich der Aufwand mit rund zwei bis drei Minuten pro Patient in Grenzen.“

Was hat der Arzt davon?

Birkner: „Die Ärzte in Bayern haben mit FARKOR die Chance, tatsächlich Großes zu bewirken. Denn anders als in vielen Pilotprojekten der Vergangenheit, sollen erfolgreich evaluierte Modellprojekte des Innovationsfonds danach in die Regelversorgung übergehen. Sprich, das was heute Mehraufwand bedeutet, wird sich bald auf die Darmkrebs-Inzidenz junger Menschen auswirken und langfristig auch budgetär in den Praxen eine Rolle spielen. Daher appelliere ich an meine Kollegen und Kolleginnen in Bayern, machen Sie mit es lohnt sich auf alle Fälle!“
Koch: „Mitzuhelfen ein verbessertes Vorsorgeprogramm zu entwickeln, ist ein Nutzen für uns alle. Unsere Aufgabe ist auch Vorsorge durchzuführen – ein verbessertes Tool sollte daher in unserem eigenen Interesse sein. Ohne unsere Hilfe geht´s eben nicht.“

Die wichtigsten Argumente für FARKOR:
 
  • Eine gefährdete, bisher nicht beachtete Zielgruppe wird besser versorgt und vor Darmkrebs bewahrt
  • Die Online-Fortbildungen bringen sechs CME-Punkte
  • Jeder gesetzlich Versicherte zwischen 25 und 49, der in die Praxis kommt, kann durch die einfache Familienanamnese in FARKOR aufgenommen werden.
  • Der anfängliche bürokratische Aufwand der Dokumentation minimiert sich von Patient zu Patient, da die Dokumentation selbsterklärend ist und eine Routine entsteht.
  • Nahezu alle bayerischen Krankenkassen sind an FARKOR beteiligt, somit muss bei den Versicherten nicht nach Kassenzugehörigkeit selektiert werden.
  • Attraktiv: sämtliche Leistungen werden extrabudgetär vergütet.
  • Mit Ihrer Teilnahme tragen Sie wesentlich dazu bei, dass FARKOR nach Abschluss des Projektes in die Regelversorgung übernommen werden kann. Damit würde eine gravierende Versorgungslücke in unserem Gesundheitssystem geschlossen werden können.

Teilnahmeunterlagen und Fortbildung finden Sie auf der Website der KVB:
https://www.kvb.de/abrechnung/verguetungsvertraege/farkor/

Quelle: Felix Burda Stiftung


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