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Gesundheitspolitik

21. Dezember 2020 Corona-Pandemie zeigt Bedarf einer konsequenten Digitalisierung des Gesundheitswesens auf

Die Corona-Krise beschleunigt den digitalen Strukturwandel des Gesundheitswesens in Deutschland und zeigt zugleich Versäumnisse aus der Vergangenheit auf. Alle Akteure des Sozialsystems sind mehr denn je dazu bereit, die Digitalisierung nachhaltig voranzutreiben. Dabei muss der Mehrwert für die einzelnen Stakeholder jedoch stärker in den Fokus rücken, um die Diskussion zum Nutzen der Digitalisierung in breitere Kreise der Bevölkerung hineinzutragen, lautet die Bilanz der Webkonferenz zum Nationalen Digital Health Symposium 2020, welches am 16. Dezember 2020 in Berlin stattfand.
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Vertreterinnen und Vertreter der Sozialen Selbstverwaltung und der Leistungserbringer, aus Politik und Forschung, Branchenverbänden und Start-Ups diskutierten unter dem Leitmotiv „Die Krise als Chance: Nachhaltige Digitalisierung im Gesundheitssystem“. Rund 600 Interessierte verfolgten die live aus dem Haus der Bundespressekonferenz übertragene Veranstaltung. Vor dem Hintergrund der deutschen EU-Ratspräsidentschaft legten die Veranstalter GVG e. V. und TMF e. V. in diesem Jahr ein besonderes Augenmerk auf die europäische Ebene. Referenten unter anderem aus Schweden und Israel boten einen Blick über den Tellerrand. Kooperationspartner der Veranstaltung war in diesem Jahr erstmalig die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV).

Die Möglichkeiten, die Digitalisierung bietet, nehmen weiter exponentiell zu. Ohne die Nutzung der vielen digitalen Optionen wäre Deutschland bisher weniger gut durch die COVID-19 Pandemie gekommen. „Doch klar ist auch, da geht noch mehr“, so Gundula Roßbach, Vorsitzende der GVG und Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund. Mit Blick auf das Gesundheitswesen stehe zudem ein hohes Gut im Vordergrund. Die Digitalisierung müsse ein „Mehr“ an Gesundheit erbringen. „Damit dies gelingt, gilt es, den Prozess mit allen beteiligten Akteuren gemeinsam zu gestalten“, sagte Roßbach weiter.

„In der Corona-Pandemie mussten Entscheidungen über Tausende von Menschenleben und Hunderttausende von Existenzen auf der Grundlage unzulänglicher und häufig gänzlich fehlender Daten getroffen werden. Daraus ergibt sich der Auftrag, die Chancen der Digitalisierung für einen beschleunigten und umfassenderen Austausch medizinischer Daten zu nutzen, um diese und zukünftige Krisen besser zu bewältigen“, resümierte Prof. Dr. Michael Krawczak, Vorstandsvorsitzender der TMF, auf dem Nationalen Digital Health Symposium. Prof. Krawczak bezeichnete in seinem Grußwort die Corona-Pandemie auch als „Missing Data“-Krise.

Auf dem Weg zum Europäischen Gesundheitsdatenraum: Pandemien im vernetzten Austausch begegnen

Pandemien machen nicht an Staatsgrenzen halt. Daher ist es wichtig, dass die Voraussetzungen geschaffen werden, dass Forschende europaweit oder sogar weltweit zusammenarbeiten und Daten schnell und verlässlich austauschen können. Durch die Einführung der elektronischen Patientenakte in Deutschland, die Schritt für Schritt forschungskompatibel ausgebaut werde, wird die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger gestärkt, so Dr. med. Markus Leyck Dieken, Geschäftsführer der gematik. Durch die Corona-Pandemie haben die Bürgerinnen und Bürger mehr Vertrauen in die Digitalisierung von Gesundheitsdaten gewonnen, was der Umsetzung eines Europäischen Gesundheitsdatenraums einen großen Schub geben werde. Vorher sind jedoch noch Hindernisse in der Dateninteroperabilität zu überwinden sowie ein klares Verständnis zum Umgang mit Gesundheitsdaten, beispielsweise hinsichtlich Datenschutz, Datenethik und Datensicherheit, zu entwickeln.

COVID-19 als Beschleuniger des Austauschs digitaler Gesundheitsdaten?

Ob die COVID-19-Pandemie den Austausch digitaler Gesundheitsdaten beschleunigt - Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, zeigte sich vorsichtig. Die Frage sei, ob die Einführung digitaler Anwendungen unter Pandemie-Bedingungen wirklich gelingen könne. Erst ausgereift seien sie Ärzten und anderen Anwendern in der Praxis von Nutzen. Bis das soweit sei, vergehe noch immer zu viel Zeit.

Projekte wie die „Elektronische Patientenakte“ werteten die Diskussionseilnehmer vor allem als „ersten Schritt“. Wichtig sei es, die mit Blick auf digitale Anwendungen und Datenabgabe mehrheitlich skeptische deutsche Bevölkerung von deren Ziel und Zweck zu überzeugen. Dies könne nur durch maximale Transparenz gelingen, so Prof. Dr. Roland Eils vom Berlin Institute of Health.

Als Impulsgeber und Innovator für Standardisierung im Gesundheitswesen sah TMF-Geschäftsführer Sebastian C. Semler vor allem die Medizinische Forschung. Sie sei auch einer der wichtigsten Datennutzer.

Dr. Bodo Liecker, Vorsitzender der GVG-Facharbeitsgruppe Digitalisierung und eHealth, betonte, dass Künstliche Intelligenz, die der Diagnosestellung diene, den patientenrelevanten Nutzen unter Beweis stellen müsse. Die Entscheidungshoheit in Gesundheitsfragen müsse weiter bei den Patientinnen und Patienten sowie den Behandlern bleiben.

Patientinnen und Patienten besser einbinden

Der Einbezug der Bürgerinnen und Bürger ist essentiell, um das notwendige Vertrauen in einen grenzüberschreitenden Datenaustausch zur Sekundärnutzung von Gesundheitsdaten zu Forschungszwecken zu schaffen. Die Einwilligung der Patientinnen und Patienten sei Grundvoraussetzung, um medizinische Daten für die Forschung nutzen zu können. Mit der breiten Einwilligung auf Basis der EUDSGVO der Medizininformatik-Initiative spielt Deutschland beim Thema Consent jetzt ganz vorn mit, so Prof. Dr. Dr. Daniel Strech vom Berlin Institute of Health.

Prof. Dr. Barbara Prainsack von der Universität Wien betonte, dass Vor- und Nachteile der Datennutzung durch offene und ehrliche Kommunikation jederzeit benannt werden müssten, um das Vertrauen der Bevölkerung nicht zu verspielen. Durch die Pandemie werde deutlich, dass nicht nur technische Interoperabilität wichtig sei, sondern auch „soziale Interoperabilität“.

Europäische Perspektive: Lessons learned aus COVID-19

Einen Blick über den Tellerrand boten Expertinnen und Experten aus Schweden und Israel. Die Erfahrungen und ersten Schlüsse aus der COVID-19-Pandemie ähneln denen der deutschen Expertinnen und Experten. Die besten digitalen Gesundheitsanwendungen nützten nur dann etwas, wenn die Menschen Vertrauen in deren Sicherheit hätten, zeigte sich Annemieke Ålenius, Swedish eHealth Agency, überzeugt. Man müsse mit Patienten und Medizinern im Gespräch bleiben und über den Nutzen der Datenspeicherung aufklären. Ofir Marer, Ministerium für Gesundheit des Staates Israel, kam zu dem Schluss: „Aus der Krise lernen, Strategien anpassen, handeln“.

Quelle: TMF e. V.


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