Mittwoch, 21. August 2019
Navigation öffnen

Gesundheitspolitik

04. Mai 2012 bvmd: „Medizinstudierende gegen jegliche Form eines Zwangsabschnitts Allgemeinmedizin im Praktischen Jahr“

Der Entwurf zur Änderung der Approbationsordnung für Ärzte sieht eine Stärkung des Unterrichts im ambulanten Bereich, insbesondere Allgemeinmedizin, vor. Im Zuge dessen wurde vorgeschlagen, das Praktische Jahr (PJ) zu quartalisieren und ein Pflichquartal Allgemeinmedizin einzuführen. Die bvmd lehnt dies mit Verweis auf die schon 2009 und 2011 verabschiedeten Positionspapiere ab (1, 2). Eine Umstrukturierung der Ausbildungsabschnitte mit dem Ziel der Nachwuchsgewinnung ist nicht zielführend.
Anzeige:
Fachinformation
„Die drei Abschnitte des Praktischen Jahres nach ÄApprO vom 27.06.2002 erlauben sowohl eine kontinuierliche und tief gehende Ausbildung als auch eine Rotation innerhalb eines zeitlich sinnvollen Rahmens während eines Tertials. Die diskutierte Quartalisierung des Praktischen Jahres könnte einer notwendigen Mindestausbildungsdauer bei Rotation innerhalb eines PJ-Abschnittes widersprechen. Zudem würde die Kürzung des Wahlfaches im Praktischen Jahr von 16 auf 12 Wochen die Möglichkeiten der Studierenden verringern, individuelle Ausbildungsprioritäten zu setzen (2).“

Nach der aktuellen Beschlussvorlage für das Plenum des Bundesrates ist neben einem Pflichttertial Allgemeinmedizin auch die Einführung einer vierwöchigen Pflichtfamulatur in einer Praxis der hausärztlichen Versorgung vorgesehen. Zusammen mit der vorgesehenen Erweiterung des Blockpraktikums Allgemeinmedizin auf mindestens zwei Wochen würde jeder Medizinstudent fast ein halbes Jahr seines Studiums in einer Hausarztpraxis ableisten. Selbst mit der Variante eines Zwangsquartals in der Allgemeinmedizin, wie sie als vermeintlicher Kompromissvorschlag eingebracht werden könnte, erscheint sicher, dass die Aufrechterhaltung der gebotenen Qualität eines Hochschulstudiums nicht in jeder der vielen Tausend notwendigen Hausarztpraxen gewährleistet werden kann. Der Grossteil der Medizinstudierenden lehnt laut aktueller Befragung des Hartmannbundes einen Pflichtabschnitt in einer Hausarztpraxis ab. Auch die meisten Hausärzte dürften wenig Interesse haben, sich mehrere Monate mit durch Zwang demotivierten Medizinstudierenden in ihrer Praxis auseinanderzusetzen und dafür neben dem Einsatz ihrer Zeit auch finanziell und mit dem Namen ihrer Praxis zu haften.

Finanziell ist ein Pflichtabschnitt Hausarzt im PJ nicht kostenneutral zu leisten. Hausärzte als persönlich haftende Unternehmer bedürfen einer Entschädigung für die Ausbildung im Praktischen Jahr. Wie und von wem diese geleistet werden soll, wurde bis heute nicht verbindlich geklärt. Vor dem Hintergrund begrenzter finanzieller Ressourcen an den Universitäten wird die Gefahr von Qualitätseinbussen durch Mittelkürzung im universitären Teil des Studiums gesehen, sollten hier kompensationslos die Lehretats angetastet werden. Auch die Struktur des mündlichen Staatsexamens müsste sich im Falle eines Pflichtabschnittes im Praktischen Jahr ändern.

Während im Falle eines Pflichtquartals die Frage nach der Abschaffung des bisher zugelosten vierten Faches gestellt werden muss, so ist grundsätzlich bei der Einführung eines verpflichtenden Abschnittes unklar, wer die Prüfungen im Fach Allgemeinmedizin abnehmen soll. Der bisherige Entwurf der Länderseite sieht die Einbeziehung von Prüfern aller anderen Fachdisziplinen vor. Dies unterstellt, dass jeder Facharzt ohne weiteres Allgemeinmedizin prüfen könne und gefährdet die Vergleichbarkeit der Prüfungsergebnisse für die Studierenden. Deutlich zielführender zur Motivation junger Mediziner für die Allgemeinmedizin ist das Angebot qualitativ hochwertiger Famulaturen und Praktika auf freiwilliger Basis (v.a. Wahltertial Allgemeinmedizin), die Verbesserung der Lehre und die flächendeckende Einführung von Lehrstühlen für Allgemeinmedizin. Darüber hinaus sind Rahmenbedingungen nach dem Studium zu optimieren. Darunter fallen beispielsweise die Verbesserung der Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin (z.B. wie vorgeschlagen durch die Jungen Allgemeinmediziner Deutschlands) (3), das öffentliche Image und das Voranbringen moderner, familienfreundlicher Arbeitsmodelle.

Literaturheinweise:
(1) http://bvmd.de/fileadmin/intern_alle/Positionspapiere/2009/2009-11-01_Positionspapier_PJ-Quartalisierung. pdf
(2) http://bvmd.de/fileadmin/intern_alle/Positionspapiere/2011/2011-05- 01_Positionspapier_Staerkung_der_Allgemeinmedizin.pdf
(3) http://www.jungeallgemeinmedizin.de/tiki-index.php?page=Positionspapier+Weiterbildung+der+JADE

Quelle: Pressemitteilung des bvmd


Stichwörter

Das könnte Sie auch interessieren

Tipps vom Augenarzt für die kalte Jahreszeit

Tipps vom Augenarzt für die kalte Jahreszeit
© K.- P. Adler / Fotolia.com

Draußen wird es ungemütlich kalt, da bleibt man lieber in wohlig geheizten Räumen. Das ist verständlich, es kann aber dazu beitragen, dass man öfter das unangenehme Gefühl müder, trockener Augen hat. Prof. Dr. Gerd Geerling, Leiter des Ressorts „Trockenes Auge und Oberflächenerkrankungen“ im Berufsverband der Augenärzte Deutschlands gibt einige Ratschläge, wie man gerade während der Heizperiode diese Beschwerden vermeiden kann.

12. Diabetes Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) 34. Jahrestagung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG)

12. Diabetes Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)  34. Jahrestagung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG)
© Racle Fotodesign / fotolia.com

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, pro Woche mindestens 2,5 Stunden an mäßig anstrengender Ausdaueraktivität sowie an mindestens zwei Tagen in der Woche muskelkräftigende Aktivitäten auszuführen. Laut Daten des Robert Koch-Instituts erreicht nur etwa ein Fünftel der Frauen (20,5%) und ein Viertel der Männer (24,7%) in Deutschland beide Empfehlungen. Mehr als die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung bewegt sich weniger als 2,5 Stunden pro Woche (1). Doch regelmäßige Bewegung schützt nicht nur vor Übergewicht...

Jeder vierte Patient erhält die Diagnose bereits als Kind

Jeder vierte Patient erhält die Diagnose bereits als Kind
© magicmine / Fotolia.com

„In Deutschland sind etwa 400.000 Menschen von den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) Morbus Crohn und Colitis ulcerosa betroffen“, sagt der CED-Experte der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte, PD Dr. Bernd Bokemeyer. „Die Diagnose wird bei etwa einem Viertel der Patienten schon vor dem 18. Lebensjahr gestellt. Ein Viertel dieser erkrankten Jugendlichen hat seine Diagnose sogar schon vor dem zehnten Lebensjahr erhalten.“  

Warum alltägliche und seelische Belastungen wichtig werden können

Warum alltägliche und seelische Belastungen wichtig werden können
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Fast jeder kennt Kreuzschmerzen. Sie sind in den meisten Fällen harmlos und gehen nach kurzer Zeit von alleine wieder weg. Halten die Schmerzen jedoch länger an, fragen sich viele Betroffene, woher ihre Beschwerden kommen. Wichtig für Sie zu wissen ist: Auch alltägliche, seelische oder berufliche Probleme können Kreuzschmerzen hervorrufen und deren Verlauf beeinflussen. Deshalb soll Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Sie vor und während der Behandlung gezielt auf Belastungen im Privatleben und am Arbeitsplatz ansprechen.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"bvmd: „Medizinstudierende gegen jegliche Form eines Zwangsabschnitts Allgemeinmedizin im Praktischen Jahr“"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.