Mittwoch, 8. Juli 2020
Navigation öffnen

Gesundheitspolitik

04. Mai 2012 bvmd: „Medizinstudierende gegen jegliche Form eines Zwangsabschnitts Allgemeinmedizin im Praktischen Jahr“

Der Entwurf zur Änderung der Approbationsordnung für Ärzte sieht eine Stärkung des Unterrichts im ambulanten Bereich, insbesondere Allgemeinmedizin, vor. Im Zuge dessen wurde vorgeschlagen, das Praktische Jahr (PJ) zu quartalisieren und ein Pflichquartal Allgemeinmedizin einzuführen. Die bvmd lehnt dies mit Verweis auf die schon 2009 und 2011 verabschiedeten Positionspapiere ab (1, 2). Eine Umstrukturierung der Ausbildungsabschnitte mit dem Ziel der Nachwuchsgewinnung ist nicht zielführend.
Anzeige:
Basistext
„Die drei Abschnitte des Praktischen Jahres nach ÄApprO vom 27.06.2002 erlauben sowohl eine kontinuierliche und tief gehende Ausbildung als auch eine Rotation innerhalb eines zeitlich sinnvollen Rahmens während eines Tertials. Die diskutierte Quartalisierung des Praktischen Jahres könnte einer notwendigen Mindestausbildungsdauer bei Rotation innerhalb eines PJ-Abschnittes widersprechen. Zudem würde die Kürzung des Wahlfaches im Praktischen Jahr von 16 auf 12 Wochen die Möglichkeiten der Studierenden verringern, individuelle Ausbildungsprioritäten zu setzen (2).“

Nach der aktuellen Beschlussvorlage für das Plenum des Bundesrates ist neben einem Pflichttertial Allgemeinmedizin auch die Einführung einer vierwöchigen Pflichtfamulatur in einer Praxis der hausärztlichen Versorgung vorgesehen. Zusammen mit der vorgesehenen Erweiterung des Blockpraktikums Allgemeinmedizin auf mindestens zwei Wochen würde jeder Medizinstudent fast ein halbes Jahr seines Studiums in einer Hausarztpraxis ableisten. Selbst mit der Variante eines Zwangsquartals in der Allgemeinmedizin, wie sie als vermeintlicher Kompromissvorschlag eingebracht werden könnte, erscheint sicher, dass die Aufrechterhaltung der gebotenen Qualität eines Hochschulstudiums nicht in jeder der vielen Tausend notwendigen Hausarztpraxen gewährleistet werden kann. Der Grossteil der Medizinstudierenden lehnt laut aktueller Befragung des Hartmannbundes einen Pflichtabschnitt in einer Hausarztpraxis ab. Auch die meisten Hausärzte dürften wenig Interesse haben, sich mehrere Monate mit durch Zwang demotivierten Medizinstudierenden in ihrer Praxis auseinanderzusetzen und dafür neben dem Einsatz ihrer Zeit auch finanziell und mit dem Namen ihrer Praxis zu haften.

Finanziell ist ein Pflichtabschnitt Hausarzt im PJ nicht kostenneutral zu leisten. Hausärzte als persönlich haftende Unternehmer bedürfen einer Entschädigung für die Ausbildung im Praktischen Jahr. Wie und von wem diese geleistet werden soll, wurde bis heute nicht verbindlich geklärt. Vor dem Hintergrund begrenzter finanzieller Ressourcen an den Universitäten wird die Gefahr von Qualitätseinbussen durch Mittelkürzung im universitären Teil des Studiums gesehen, sollten hier kompensationslos die Lehretats angetastet werden. Auch die Struktur des mündlichen Staatsexamens müsste sich im Falle eines Pflichtabschnittes im Praktischen Jahr ändern.

Während im Falle eines Pflichtquartals die Frage nach der Abschaffung des bisher zugelosten vierten Faches gestellt werden muss, so ist grundsätzlich bei der Einführung eines verpflichtenden Abschnittes unklar, wer die Prüfungen im Fach Allgemeinmedizin abnehmen soll. Der bisherige Entwurf der Länderseite sieht die Einbeziehung von Prüfern aller anderen Fachdisziplinen vor. Dies unterstellt, dass jeder Facharzt ohne weiteres Allgemeinmedizin prüfen könne und gefährdet die Vergleichbarkeit der Prüfungsergebnisse für die Studierenden. Deutlich zielführender zur Motivation junger Mediziner für die Allgemeinmedizin ist das Angebot qualitativ hochwertiger Famulaturen und Praktika auf freiwilliger Basis (v.a. Wahltertial Allgemeinmedizin), die Verbesserung der Lehre und die flächendeckende Einführung von Lehrstühlen für Allgemeinmedizin. Darüber hinaus sind Rahmenbedingungen nach dem Studium zu optimieren. Darunter fallen beispielsweise die Verbesserung der Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin (z.B. wie vorgeschlagen durch die Jungen Allgemeinmediziner Deutschlands) (3), das öffentliche Image und das Voranbringen moderner, familienfreundlicher Arbeitsmodelle.

Literaturheinweise:
(1) http://bvmd.de/fileadmin/intern_alle/Positionspapiere/2009/2009-11-01_Positionspapier_PJ-Quartalisierung. pdf
(2) http://bvmd.de/fileadmin/intern_alle/Positionspapiere/2011/2011-05- 01_Positionspapier_Staerkung_der_Allgemeinmedizin.pdf
(3) http://www.jungeallgemeinmedizin.de/tiki-index.php?page=Positionspapier+Weiterbildung+der+JADE

Quelle: Pressemitteilung des bvmd


Anzeige:

Stichwörter

Das könnte Sie auch interessieren

Riech- und Schmeckstörungen: Bedeutung der chemischen Sinne wird oft unterschätzt

Riech- und Schmeckstörungen: Bedeutung der chemischen Sinne wird oft unterschätzt
© beats_ - stock.adobe.com

Der Geruchssinn spielt in unserem Leben eine wichtige Rolle: Er lässt Essen und Trinken zum Genuss werden, warnt vor Schadstoffen oder verdorbenen Speisen und beeinflusst sogar die Partnerwahl. Dennoch wird die Leistung der chemischen Sinne, zu denen neben dem Riech- auch der Schmecksinn zählt, oft erst dann bewusst wahrgenommen, wenn sie beeinträchtigt sind oder ganz ausfallen. Das ist jedes Jahr bei rund 50.000 Menschen in Deutschland der Fall. Welche Ursachen eine Riech- oder Schmeckstörung haben kann, welche Therapien es gibt und wie der Alltag trotz der...

So gelingt rückenfreundliches Gärtnern

So gelingt rückenfreundliches Gärtnern
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Steigende Temperaturen, mehr Sonnenschein und Freude am Pflanzen locken zu dieser Jahreszeit wieder viele in den Garten. Fernab von Büro und PC sorgt die Arbeit mit den eigenen Händen für wohltuende Abwechslung. Studien belegen zudem zahlreiche positive Effekte der Gartenarbeit auf die körperliche, geistige und soziale Gesundheit. Wer regelmäßig gärtnert, baut zum Beispiel Stress ab und zeigt bessere koordinative Fähigkeiten. Die Aktion Gesunder Rücken e. V. erklärt, worauf Sie achten sollten, um den Rücken dabei nicht zu überlasten.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"bvmd: „Medizinstudierende gegen jegliche Form eines Zwangsabschnitts Allgemeinmedizin im Praktischen Jahr“"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Österreichisches Bundesland (Oberösterreich) führt erneut Maskenpflicht ein (dpa, 07.07.2020).
  • Österreichisches Bundesland (Oberösterreich) führt erneut Maskenpflicht ein (dpa, 07.07.2020).

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden