Freitag, 14. Mai 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Breezhaler
Breezhaler
Gesundheitspolitik
04. Mai 2021

Hartmannbund: Assistenzarztumfrage 2021

Eine repräsentative Umfrage des Hartmannbundes unter 1.258 Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung macht deutlich, wie schwierig und unbefriedigend die Arbeitsverhältnisse im Gesundheitssektor vielfach noch immer sind. Über 70% der Befragten gaben an, trotz Tarifvertrages mindestens 45 Wochenstunden oder mehr zu arbeiten, bei fast jedem Zweiten werden die Überstunden dabei nach wie vor nicht angemessen dokumentiert. Die dadurch entstehende hohe Arbeitsbelastung hat zur Folge, dass etwa 36% der jungen Ärztinnen und Ärzte über einen Berufswechsel nachdenken, während fast 56% sich eine Teilzeitstelle wünschen – um auf eine normale 40 bzw. 42 Stundenwoche zu kommen.
Anzeige:
Pradaxa
Pradaxa
Neben Teilzeitmodellen, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erlauben, wünschen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor allem eine Entlastung von nicht-ärztlichen Tätigkeiten, die Einhaltung der Arbeitszeitgesetze, weniger Profitorientierung im Behandlungskontext und strukturierte Weiterbildungskonzepte. „Ein Befragter hat in der Umfrage seinen Chef mit dem Satz zitiert, ,Ausbildung ist in der DRG nicht abgebildet‘. Das zeigt, wie problematisch die wirtschaftliche Ausrichtung unseres Gesundheitssystems inzwischen geworden ist. Nicht nur, dass die jungen Ärzte und Ärztinnen aufgrund des Personalmangels über die Belastungsgrenze hinaus eingesetzt werden, auch unsere Weiterbildung wird vernachlässigt. Dies kann sich langfristig negativ auf die Versorgungsqualität auswirken“, erklärt Dr. Theodor Uden, Sprecher des Assistenzärzteausschusses im Hartmannbund. Treffend fasst auch ein weiteres Zitat aus der Umfrage den Sachstand zusammen: „Niemand erwartet von der Feuerwehr, der Müllabfuhr oder dem Wasserwirtschaftsamt Profite zu generieren und ihr Handeln vordringlich an ökonomischen Kriterien auszurichten.“

Tatsächlich gaben über 47% der Umfrage-Teilnehmer an, den ökonomischen Druck bei der täglichen Arbeit zu spüren. Mehr als 60% der Befragten erklärten, sie hätten nur „manchmal bis nie“ zufriedenstellend viel Zeit für ihre Patienten. „[Ich] bekomme Zettel in die Patientenakte gelegt, bei welcher Aufenthaltszeit die Klinik plus macht und wann minus“, lautet exemplarisch einer der unzähligen Kommentare in den Freitextantworten.

Neben Arbeitsbedingungen und Ökonomie war ein weiteres Kapitel der Umfrage dem wichtigen Thema Digitalisierung gewidmet. Ungefähr 60% der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gaben an, dass ihre Arbeitsplätze zwar weitgehend digitalisiert wären, allerdings so ineffizient, dass Mehrfachdokumentationen an der Tagesordnung seien. Eine elektronische Patientenakte ist bei der Hälfte der Befragten nicht vollständig vorhanden. Infolgedessen übersteigt der Dokumentationszeitraum an einem regulären Arbeitstag überwiegend den Zeitraum mit Patientenkontakt. Sicherlich auch deshalb erklären über 80%, dass Ihnen Digitalisierung im Arbeitskontext wichtig oder sogar sehr wichtig sei. Trotzdem haben fast 99% der Befragten bisher keine digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGa) verschrieben. Ca. 60% davon kennen DiGa nicht, 18% wissen nicht, wie sie die digitalen Medizinprodukte verschreiben können. „Hier braucht es unbedingt mehr Aufklärung – nicht nur auf ärztlicher Seite, sondern auch auf der Patientenebene“, stellt Dr. Dr. Galina Fischer, ebenfalls Sprecherin des Assistenzärzteausschusses, fest.

Mehr Aufklärung scheint auch in Hinblick auf den öffentlichen Gesundheitsdienst notwendig zu sein. Über 70% gaben an, nur wenig bis gar kein Wissen über den ÖGD zu haben. Als potenziellen Arbeitgeber ziehen etwa 44% die Behörde in Erwägung, primär wegen der besser geregelten Arbeitszeiten und des reduzierten ökonomischen Drucks. Gegen eine Beschäftigung beim ÖGD sprechen für die andere Gruppe das mangelnde Ansehen, das mit dieser Beschäftigung einhergeht, die Bürokratie und das im Vergleich deutlich geringere Gehalt.

Weitere Themen der umfassenden Umfrage unter den Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung waren interprofessionelle Zusammenarbeit, ambulantes Arbeiten und die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Gesundheitssystem im Allgemeinen und den Arbeitsalltag im Besonderen. Dabei fiel auf, dass zusätzlich zu den bereits genannten Problemen die Strukturen und Abläufe in den Klinken unbedingt verbessert werden müssen und es Vielen an Wertschätzung im direkten Umgang mit Vorgesetzten und anderen Berufsgruppen mangelt.

Weitere Details zu den Ergebnissen finden Sie unter: www.hartmannbund.de/assistenzarztumfrage_2021

Quelle: Hartmannbund - Verband der Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e.V.


Anzeige:
Pneumovax
Pneumovax

Das könnte Sie auch interessieren

Fleisch und Milchprodukte günstig, raffinierte Kohlenhydrate schlecht

Fleisch und Milchprodukte günstig, raffinierte Kohlenhydrate schlecht
© M.studio / fotolia.com

Eine Studie mit mehr als 218.000 Teilnehmern aus über 50 Ländern zeigt: Nicht nur Obst, Gemüse und Nüsse sind herzgesund und verlängern das Leben, sondern auch nicht-verarbeitetes Fleisch und Milchprodukte. Die konsumierte Menge raffinierter Kohlenhydrate sollte begrenzt werden. Diese Studienergebnisse dürfen allerdings nicht als Freibrief für exzessiven Konsum für Fleisch und fetten Käse gesehen werden, sondern als Plädoyer für eine ausgewogene Ernährung, sagen deutsche Kardiologen.

Tattoos bergen Risiken – auch fürs Herz

Tattoos bergen Risiken – auch fürs Herz
©Prostock-studio - stock.adobe.com

Mindestens jeder 5. Bundesbürger ist tätowiert, schätzt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Doch auch wenn Tattoos inzwischen alltäglich erscheinen: Harmlos sind die Farbinjektionen nicht. Bei 0,5 bis 6% aller Tätowierten kommt es epidemiologischen Studien zufolge zu einer Infektion – mit mehr oder weniger schweren Folgen. Schwerwiegend können die Auswirkungen für Herzpatienten sein: Werden die Keime in die großen Blutbahnen gespült, können sie auch andere Organe wie das Herz angreifen. „Besonders leicht befallen...

Herzrhythmusstörungen: Wann Herzstolpern gefährlich wird

Herzrhythmusstörungen: Wann Herzstolpern gefährlich wird
© psdesign1 - stock.adobe.com

Schlägt das Herz unregelmäßig und „stolpert“, sprechen Herzmediziner von Palpitationen. Das Stolperherz umfasst verschiedene Herzrhythmusstörungen, die ohne Vorwarnung auftreten können. Schlägt das Herz plötzlich anders als gewohnt, wird das von den meisten als beängstigend empfunden. „Ist mein Herz in Gefahr?“, fragen sich Betroffene, wenn kräftiges Herzklopfen, Herzrasen oder Aussetzer des Herzschlags wie aus dem Nichts kommen. „Herzstolpern beschreibt das unangenehme Wahrnehmen des Herzschlags, der...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Hartmannbund: Assistenzarztumfrage 2021"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Corona-Regeln werden für Geimpfte und Genesene gelockert
  • Corona-Regeln werden für Geimpfte und Genesene gelockert