Freitag, 14. Mai 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
OFEV
OFEV
Gesundheitspolitik
28. April 2021

„Echte Lebenskrisen“ – Kommunen fordern schnelle Hilfen für Kinder

Es wird wärmer, die Tage werden länger, und viele Kinder sind immer noch vor allem drin: maximal Wechselbetrieb in der Schule, kaum Freizeitmöglichkeiten. Ein großes „Aufholprogramm“ ist nun geplant. Das sollte schnellstens kommen, fordern die Kommunen.
Anzeige:
Pneumovax
Pneumovax
Seit fast einem halben Jahr sitzen viele Kinder und Jugendliche wegen Corona größtenteils zu Hause. Der Deutsche Städtetag warnte am Mittwoch vor den Langzeitfolgen und rief die Bundesregierung dazu auf, schnell das geplante Corona-Aufholprogramm auf den Weg zu bringen, mit dem die negativen Folgen der Corona-Einschränkungen für die junge Generation abgefedert werden sollen.

Eine Umfrage des Digitalverbandes Bitkom zeigte am Mittwoch zudem, dass es mit dem nun seit Dezember laufenden sogenannten Fern- oder Distanzunterricht aus Sicht vieler Eltern weiter ruckelt.

Psyche erheblich angegriffen

Neben aufgebauten Lernrückständen bei Kindern und Jugendlichen gebe es „gravierende“ Einschränkungen in deren Alltag, sagte Städtetagsvizepräsident Markus Lewe am Mittwoch. Vieles liege seit Monaten brach. Er nannte unter anderem fehlende Treffen mit Freunden, ausfallendes Training im Sportverein und unsichere Zukunftsperspektiven. „Das hinterlässt Spuren in Körper und Seele bei Millionen von Kindern und Jugendlichen.“ Kinder und Jugendliche müssten Psychologen aufsuchen. „Es entstehen echte Lebenskrisen.“ Und auch die Psyche von Eltern und denjenigen, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun hätten, sei teilweise erheblich angegriffen.

Experten sehen auch gesundheitliche Risiken: Eine Langzeitstudie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) hatte am Dienstag gezeigt, dass sich Kinder und Jugendliche in der anhaltenden Schließungsphase seit dem Winter nicht einmal halb so viel bewegt haben wie im ersten Lockdown im Frühjahr 2020. Dafür verbringen sie mehr Zeit vor Bildschirmen.

Nachhilfe-Milliarde und 100-Euro-Freizeit-Bonus

Die Bundesregierung will nun mit einem zwei Milliarden Euro schweren Nachhilfe- und Sozialprogramm für Kinder und Jugendliche die Langzeitfolgen abmildern. Das Programm sollte ursprünglich am Dienstag im Bundeskabinett auf den Weg gebracht werden. Weil es noch Abstimmungsbedarf zwischen Union und SPD gibt, wurde der Beschluss verschoben. „Wir hoffen sehr, dass das Bundeskabinett kommende Woche Grundzüge für ein solches Programm beschließt“, sagte Lewe.

Mit den zwei Milliarden Euro sollen zur Hälfte Nachhilfe- und Förderprogramme für Schüler in den Ländern unterstützt werden, zum Beispiel unter Mithilfe pensionierter Lehrer, aber auch durch kommerzielle Anbieter. Es wird davon ausgegangen, dass jeder vierte Schüler wegen Corona Lernrückstände aufzuholen hat. Die zweite Milliarde ist für die Aufstockung verschiedener sozialer Programme vorgesehen, um die sozialen und psychischen Krisenfolgen für Kinder und Jugendliche abzufedern. Hier geht es zum Beispiel um mehr Geld für Sprachförderung an Kitas in sogenannten sozialen Brennpunkten, weil Kinder lange nicht in ihren Einrichtungen waren. Auch eine stärkere Förderung von Schulsozialarbeit, Freizeitangeboten und kostengünstigen Ferienfahrten ist geplant.

Die SPD will zudem eine Einmalzahlung von 100 Euro für Kinder aus Familien durchsetzen, die auf Hartz IV angewiesen sind oder nur ein sehr geringes Einkommen haben. Das Geld soll je nach Bedarf für Ferien-, Sport- und Freizeitaktivitäten eingesetzt werden können.

Vor allem benachteiligte Kinder betroffen

Nach Angaben von Familienministerin Franziska Giffey (SPD) treffen die Corona-Einschränkungen besonders diejenigen, die schon vor Corona sozial benachteiligt waren. „80% der Kinder geht es gut, 20% sind aber eben mit besonderem Unterstützungsbedarf, das sind sehr viele Kinder mit Migrationshintergrund. Und diese Schere wird natürlich durch die Pandemie verstärkt“, sagte sie im ARD-„Morgenmagazin“. Die Bundesregierung werde deshalb mit dem Aufholprogramm besonders diese Kinder und Jugendlichen in den Blick nehmen.

Fernunterricht ruckelt noch

Die Stillstandsphase für Kinder und Jugendliche zieht sich nun bald ein halbes Jahr hin. Seit Dezember lernen viele Schüler zu Hause am Tablet oder Laptop – inzwischen gibt es zwar auch wieder sogenannten Wechselunterricht, aber normaler Schulbetrieb ist noch in weiter Ferne. Läuft es mit dem „Fernunterricht“ inzwischen besser? Es hat sich viel getan in einem Jahr, sagte Lehrerverbandspräsident Heinz-Peter Meidinger am Mittwoch und sprach von einem Digitalisierungsschub an den Schulen. „Wer hätte sich wirklich vor eineinalb Jahren vorstellen können, dass mal der größte Teil der Schülerinnen und Schüler per Distanzunterricht beschult wird?“

Aber es ruckelt noch, wie eine repräsentative Umfrage unter Eltern für den Digitalverband Bitkom zeigt, die am Mittwoch vorgestellt wurde. Die Befragung fand im Februar und März statt. 71% der Eltern berichteten von nicht erreichbaren Lernplattformen. Bei vier von zehn Befragten funktionierte das eigene WLAN nicht zuverlässig. 31% hatten Probleme mit Software oder Apps, die nicht funktionierten. In jedem achten Haushalt (12%) fehlt es an Geräten. In jedem neunten Haushalt (11%) wollte das Kind nicht am Online-Unterricht teilnehmen. Nur 7% der Eltern hatten beim Homeschooling keines dieser Probleme.

Quelle: dpa


Anzeige:
FIASP
FIASP
 

Das könnte Sie auch interessieren

Balance halten – Rücken stärken!

Balance halten – Rücken stärken!
© Aktion Gesunder Rücken e. V.

Am 15. März 2017 findet der 16. Tag der Rückengesundheit statt. Unter dem Motto „Balance halten – Rücken stärken!“ werden bundesweit zahlreiche Veranstaltungen, Aktionen und Workshops angeboten. Organisiert wird der Aktionstag traditionell von der Aktion Gesunder Rücken (AGR) e. V. und dem Bundesverband deutscher Rückenschulen (BdR) e. V. Eine ausgewogene Balance – sowohl körperlich als auch psychisch - ist von zentraler Bedeutung für die Rückengesundheit. Damit stellt der diesjährige Aktionstag ein wichtiges Thema...

Forsa-Umfrage: Jede dritte Frau hat Sorgen vor Klinikaufenthalt

Forsa-Umfrage: Jede dritte Frau hat Sorgen vor Klinikaufenthalt
© VILevi / Fotolia.com

Vergessenes OP-Besteck im Körper, Komplikationen durch fehlerhafte Medizinprodukte oder Infektionen mit Keimen – immer wieder kommt es in deutschen Krankenhäusern zu solchen Zwischenfällen. Laut Medizinischem Dienst der Krankenkassen (MDK) lag die offizielle Zahl der bestätigten Behandlungsfehler im vergangenen Jahr bundesweit bei knapp 3.500. Das verunsichert Patienten verständlicherweise vor wichtigen medizinischen Eingriffen. Frauen sorgen sich häufiger als Männer vor einem Klinikaufenthalt, so das aktuelle Ergebnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag...

Die neuen Leitlinien zur Wiederbelebung 2021 – Sehr viel mehr Menschen könnten gut überleben

Die neuen Leitlinien zur Wiederbelebung 2021 – Sehr viel mehr Menschen könnten gut überleben
©psdesign1 / Fotolia.de

70.000 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland am plötzlichen Herz-Kreislaufstillstand. Viele könnten gerettet werden, wenn frühzeitig mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen würde. Die neuen und in dieser Woche publizierten internationalen Leitlinien zur Wiederbelebung unterstreichen: Auf die ersten Minuten kommt alles an! Daher müssen mehr Laien mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen, bevor der Rettungsdienst eintrifft. So fordert der Deutsche Rat für Wiederbelebung (GRC): 1. Mehr Schülerinnen und Schüler in Wiederbelebung schulen. 2....

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"„Echte Lebenskrisen“ – Kommunen fordern schnelle Hilfen für Kinder"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Corona-Regeln werden für Geimpfte und Genesene gelockert
  • Corona-Regeln werden für Geimpfte und Genesene gelockert