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Gesundheitspolitik
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Wachsende Omikron-Sorgen – Impfen allein reicht laut Experten nicht

Wachsende Omikron-Sorgen – Impfen allein reicht laut Experten nicht
© Production Perig – stock.adobe.com
Die 4. Welle in Deutschland hat sich zwar etwas abgeschwächt. Die Inzidenz bewegt sich aber immer noch auf sehr hohem Niveau, auf Intensivstationen liegen rund 4.800 COVID-Patienten. Was die neue Omikron-Variante in dieser Gemengelage bedeutet.
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Mit Omikron breitet sich eine Corona-Variante international aus, vor der selbst Geimpfte und Genesene keinen optimalen Schutz haben. Der für das Virus empfängliche Teil der Bevölkerung dürfte sich damit im Vergleich zur Lage mit der Delta-Variante erheblich vergrößern, schätzen Experten. Da Omikron relativ neu ist, lassen sich viele Eigenschaften aber noch nicht mit Sicherheit beschreiben. „Es sind noch mehr Fragen über Omikron offen als beantwortet“, sagte die Infektiologin Jana Schroeder von der Stiftung Mathias-Spital in Rheine. Im Prinzip täglich erscheinen neue Erkenntnisse – meist noch nicht von externen Fachleuten überprüft. Dazu Fragen und Antworten:

Was macht Omikron so besonders?

Die Variante hat auffällig viele Erbgutveränderungen an Schlüsselstellen. Mehr als 30 Mutationen betreffen das sogenannte Spike-Protein, mit dem das Virus menschliche Zellen entert. Das Problem: Die bisherigen Impfstoffe sind auf das Spike-Protein des Coronavirus vom Pandemiebeginn ausgerichtet. Verändert sich ein Virus so, dass Antikörper von Genesenen und Geimpften weniger gut ansprechen, nennen Fachleute dies Immunflucht. Daneben gebe es Hinweise unter anderem aus genetischen Analysen, dass Omikron per se ansteckender sei als Delta, sagte Modellierer Dirk Brockmann von der Humboldt-Universität Berlin. Allein die Immunflucht könne die Wachstumsraten nicht erklären.

Mit welchem Schutz können Geimpfte noch rechnen?

Der Schutz vor schwerer Erkrankung dürfte vielen Experten zufolge auch bei Omikron erhalten bleiben. „Daten, die das sicher belegen, fehlen aber noch“, sagte Schroeder. Bisherige Labortests deuten darauf hin, dass mit der Variante Infektionen bei Geimpften drohen. Omikron dürfte eher die erste Abwehrlinie, die Antikörper, überwinden können. Das Immunsystem Geimpfter hat aber noch weitere Mittel, sich zur Wehr zu setzen.

Der Schutz vor einer Weitergabe des Virus durch Geimpfte dürfte bei Omikron erheblich beeinträchtigt sein, erwartet Schroeder. Insbesondere Menschen, die erst zweifach geimpft sind, dürften sich nicht in zu großer Sicherheit wiegen und das Testen vernachlässigen. „Am besten wäre es, wenn sich die Menschen so vorsichtig verhalten würden wie zu Pandemiebeginn, als es noch keinen Impfstoff gab.“

Wie sehen die Ergebnisse zu Omikron konkret aus?

Die Hersteller BioNTech/Pfizer werteten 2 Impfstoff-Dosen als nicht ausreichenden Schutz vor einer Infektion. Eine Bevölkerungsstudie aus Großbritannien ergab, dass die Wirksamkeit gegen eine symptomatische Infektion mit Omikron 15 Wochen nach der 2. Dosis BioNTech auf 34% sinkt. Menschen, die mit 2 Dosen des Astrazeneca-Präparats geimpft worden waren, hatten keinen Schutz mehr vor symptomatischer Infektion. 2 Wochen nach einer Booster-Impfung stieg die Effektivität bei beiden Präparaten auf über 70%.

Was bringt ein Booster?

Mit der Auffrischimpfung können Antikörperspiegel zum Schutz vor Ansteckung zwar wieder angehoben werden, er ist nach bisherigen Erkenntnissen aber nicht perfekt. Es sind bereits Omikron-Fälle bei 3-fach Geimpften bekannt. Die Virologin Sandra Ciesek von der Uniklinik Frankfurt warnte daher, dass eine Konzentration auf die Booster-Kampagne nicht reichen werde, auch weil der Schutz wieder nachlasse.

Wie sehr ist Omikron schon verbreitet?

„Omikron breitet sich mit einer Geschwindigkeit aus, die wir bei keiner vorherigen Variante gesehen haben“, sagte der Chef der Weltgesundheitsorganisation Tedros Adhanom Ghebreyesus am Dienstag in Genf. Laut WHO haben 77 Länder Nachweise gemeldet. Vermutlich sei Omikron jedoch bereits in den meisten Ländern, nur noch unerkannt. Zum Beispiel in Südafrika und Großbritannien werden deutliche Fallzahlenanstiege auf Omikron zurückgeführt.

Wie ist die Omikron-Lage in Deutschland?

Hierzulande scheint die Verbreitung nach den aktuellsten verfügbaren Daten noch sehr gering zu sein, aber es werden auch längst nicht alle positiven Proben auf Varianten untersucht. Außerdem gibt es einen Zeitverzug bei der Auswertung. Laut RKI hat die Delta-Variante noch klar die Oberhand. Insgesamt waren bis 7. Dezember knapp 30 Nachweise durch vollständige Erbgutanalysen verzeichnet, hinzu kamen 36 Verdachtsfälle. Der Anteil der Fälle, für die eine Gesamtgenomsequenzierung gemacht wurde, ist laut RKI jedoch zuletzt kontinuierlich gesunken. Er lag jüngst mit 2% klar unter den angestrebten 5%.

Welche Entwicklung wird angenommen?

In Großbritannien nahmen Experten eine Verdopplung der Fallzahl alle 2 bis 3 Tage an, womöglich sogar noch schneller. Nach Einschätzung der EU-Gesundheitsbehörde ECDC dürfte Omikron schon in den ersten beiden Monaten 2022 zur dominierenden Variante in Europa werden.

Brockmann schilderte für Deutschland die Lage für Omikron so: Beim geboosterten Teil der Bevölkerung – etwa ein 4.l – sei die Übertragungswahrscheinlichkeit verringert, allerdings nicht dauerhaft. Bei den übrigen Menschen könne der Erreger übertragen werden, auch „weil die 1. und 2. Impfung praktisch nicht wirksam sind, was die Ausbreitungsdynamik angeht“, sagte Brockmann.
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