Montag, 18. Juni 2018
Navigation öffnen
Anzeige:

Aktuelle Infos für Ärzte

12. Oktober 2017 Adipositas bei Kindern und Jugendlichen: Verzehnfacht in nur 40 Jahren

Hält der derzeitige Trend an, so werden 2022 weltweit mehr fettleibige als untergewichtige Kinder und Jugendliche leben. Das ermittelte ein internationales Konsortium unter der Leitung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des Imperial College London. In Deutschland waren Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum an der Studie beteiligt.
Anzeige:
Die in der Zeitschrift Lancet veröffentlichte Arbeit ist die größte jemals publizierte epidemiologische Studie: Mehr als 1.000 Wissenschaftler erfassten den Body Mass Index und dessen Veränderungen von über 130 Millionen Menschen weltweit zwischen 1975 und 2016.

Innerhalb dieses Zeitraums stieg die Rate fettleibiger Kinder von unter einem% (ca. 11 Millionen Kinder) auf annähernd 6% bei Mädchen (50 Millionen) sowie fast 8% bei Jungen (74 Millionen). Die Anzahl fettleibiger 5- bis 19-Jähriger verzehnfachte sich von 1975 bis 2016 (von 11 auf 124 Millionen). Weitere 213 Millionen Kinder sind übergewichtig, erreichen jedoch noch nicht die Grenze zur Fettleibigkeit.

„In Ländern mit höheren Durchschnittseinkommen stagniert dieser Trend seit einigen Jahren – bei einer inakzeptabel hohen Rate an stark übergewichtigen Kindern“, sagt Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum, der an der aktuellen Studie beteiligt ist. „In den Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen steigt die Rate dagegen leider immer noch an.“

Ab 2022: mehr adipöse als untergewichtige 5- bis 19-Jährige

Die Autoren rechnen hoch, dass bei anhaltendem Anstieg des Übergewichts 2022 die Rate adipöser Kinder und Jugendlicher die der Altersgenossen mit moderatem und schwerem Untergewicht überschreiten wird. Nichtsdestotrotz bleibt die extrem hohe Anzahl untergewichtiger (2016: 75 Mio. Mädchen; 117 Mio. Jungen weltweit) ein erhebliches Gesundheitsproblem – vor allem in den ärmsten Teilen der Welt.

Kinder und Heranwachsende haben sich in vielen Teilen der Welt sehr schnell von der untergewichtigsten zur übergewichtigsten Bevölkerungsgruppe entwickelt – so etwa in Ostasien oder Lateinamerika. Die Autoren gehen davon aus, dass dies vor allem mit dem Konsum von Lebensmitteln mit hoher Energiedichte zusammenhängt, etwa stark verarbeitete Kohlenhydrate.

Der DKFZ-Epidemiologe Rudolf Kaaks, ebenfalls Ko-Autor der Studie, sagt: „Ein extrem hoher BMI in der Kindheit führt vielfach zu lebenslangen gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Daher ist die hohe Rate an Adipositas und Übergewicht heute eine globale Gesundheitsbedrohung, die sich in den kommenden Jahren noch weiter zu verschlimmern droht, wenn wir nicht drastisch dagegen steuern.“

Regionale Unterschiede

Die Steigerung der Adipositas-Rate in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, insbesondere in Asien, hat sich seit 1975 beschleunigt. In Ländern mit hohem Einkommen sinkt sie dagegen oder hat ein Plateau erreicht.

Die größte Steigerung innerhalb des gesamten Untersuchungszeitraums ermittelten die Wissenschaftler für Ostasien sowie für die englischsprachigen Länder mit hohem Einkommen (USA, Kanada, Australien; Neuseeland, Irland, UK) sowie für den mittleren Osten und Nordafrika.

2016 verzeichneten Polynesien und Mikronesien weltweit die höchste Rate an adipösen Kindern und Jugendlichen (25,4% der Mädchen und 22,4% der Jungen).

In Europa sind Mädchen in Malta (11,3%) und Jungen in Griechenland (16,7%) am stärksten von Adipositas betroffen, Jungen und Mädchen in Moldawien dagegen am wenigsten (3,2% und 5%).

Während des gesamten Untersuchungszeitraums wurde in Indien die höchste Rate an untergewichtigen Kindern und Jugendlichen dokumentiert (1975: 24,4% der Mädchen und 39,3% der Jungen; 2016: 22,7% und 30,7%). 2016 waren 97 Millionen indische Kinder und Jugendliche untergewichtig.

Um diese Entwicklungen abzufangen, hat die WHO den Aktionsplan „Ending Childhood Obesity (ECHO) Implementation Plan“ veröffentlicht: Die Länder sollen sich besonders bemühen, den Konsum von billigen, hochverarbeiteten, energiedichten Nahrungsmitteln einzuschränken. Parallel dazu sollen Kinder zu mehr körperlicher Aktivität in ihrer Freizeit angehalten werden.

Deutsches Krebsforschungszentrum

Literatur:

James Bentham et al.
“Worldwide trends in body-mass index, underweight, overweight, and obesity from 1975 to 2016: a pooled analysis of 2416 population-based measurement studies in 128·9 million children, adolescents, and adults” by NCD Risk Factor Collaboration (NCD-RisC)
The Lancet 2017;
http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(17)32129-3/fulltext?elsca1=tlpr
 


Das könnte Sie auch interessieren

Diabetiker sollten regelmäßig ihren Puls messen

Oft werden Menschen von einem Schlaganfall getroffen, weil sie Vorhofflimmern haben, ohne es zu wissen. Vorhofflimmern tritt bei über der Hälfte aller Patienten ohne Symptome oder Beschwerden auf. Unbehandelt und ohne schützende Wirkung gerinnungshemmender Medikamente sind sie schutzlos dem Schlaganfall ausgesetzt. Jedes Jahr verursacht Vorhofflimmern etwa 30.000 Schlaganfälle. Vorhofflimmern ist auch eine häufige Herzrhythmusstörung bei Diabetikern, die Schätzungen zufolge ein um 34% erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern haben.

Weltnierentag 2017: Übergewicht geht an die Nieren!

Am 09. März ist Weltnierentag: Ziel des weltweiten Aktionstags ist es, die Prävention von Nierenerkrankungen in den Vordergrund zu stellen. Derzeit sind über 100.000 Menschen in Deutschland auf ein Nierenersatzverfahren - Dialyse oder Transplantation – angewiesen. Ein Nierenversagen kann grundsätzlich jeden treffen, besonders gefährdet sind allerdings Menschen mit Übergewicht. Die Zahl der durch Übergewicht verursachten Nierengewebsschäden hat sich in den vergangenen 30 Jahren bereits verzehnfacht!

Rauchen ist Hauptursache für chronische Lungenkrankheit, die nicht heilbar ist

COPD – diese vier Buchstaben stehen für eine chronische Lungenkrankheit (chronic obstructive pulmonary disease). Sie stehen gleichzeitig auch für die weltweite Nummer Drei unter den Todesursachen. Bei 90 Prozent aller Fälle hierzulande ist die Hauptursache ziemlich klar bestimmt: das Rauchen. Zum Welt-COPD-Tag am 15. November weist Prof. Hubert Wirtz, Leiter der Abteilung für Pneumologie am UKL, auf unangenehme Wahrheiten rund um diese Krankheit hin: "COPD verkürzt die Lebenserwartung. Es ist nicht heilbar."

Rückenfit an der frischen Luft

Zum 17. Mal findet am 15. März 2018 der Tag der Rückengesundheit statt. Das diesjährige Motto „Rückenfit an der frischen Luft“ möchte dazu motivieren, sich mehr in der Natur zu bewegen und sportliche Aktivitäten im Freien zu genießen. Frische Luft belebt Körper und Geist und Tageslicht sorgt zusätzlich für gute Laune. Initiiert und organisiert wird der Aktionstag von der Aktion Gesunder Rücken (AGR) e. V. und dem Bundesverband deutscher Rückenschulen (BdR) e. V. Rund um den 15. März finden bundesweit zahlreiche Veranstaltungen, Workshops und Aktionen statt.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Adipositas bei Kindern und Jugendlichen: Verzehnfacht in nur 40 Jahren"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.