Mittwoch, 23. Mai 2018
Navigation öffnen
Anzeige:

Aktuelle Infos für Ärzte

14. Februar 2018 Adipositaschirurgie kann stark übergewichtige Typ-2-Diabetiker vor Folgeschäden schützen

Eine gewichtsreduzierende Operation von stark adipösen Patienten mit Typ-2-Diabetes verhindert die gefürchteten Langzeitschäden an kleinsten Gefäßen deutlich besser als die bisherige medikamentöse Therapie, wie eine aktuelle Literaturstudie von Wissenschaftlern der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie des Universitätsklinikums Heidelberg um Prof. Dr. Beat Müller zeigte. Das Risiko für die Entwicklung von mikrovaskulären diabetischen Komplikationen war bei Patienten mit Typ-2-Diabetes, die sich einer Operation unterzogen, im Vergleich zu auf herkömmliche Weise behandelten Patienten um den Faktor 4 verringert. Allein in Bezug auf die Entstehung von Nephropathien, welche häufig dazu führen, dass eine Dialyse notwendig wird, zeigte sich, dass die Chirurgie fünfzehnmal effektiver ist als die bisher übliche konservative internistische Therapie. Eine gewichtsreduzierende Operation kann bei Typ-2-Diabetikern sogar dazu führen, dass sich die Nieren wieder komplett erholen.
Anzeige:
Umdenken in der Behandlung stark adipöser Typ-2-Diabetiker

Zu den mit Diabetes einhergehenden Gefäßschäden gehören die diabetische Nephropathie, Neuropathie und Retinopathie. Diese Komplikationen sind für die hohen Folgekosten von Typ-2-Diabetes verantwortlich und können langfristig zu Dialyse, Amputationen und Blindheit führen. Die Ursache dieser Spätschäden ist nicht restlos geklärt und deshalb auch schwierig medikamentös zu behandeln. Tatsache ist: Die meisten aktuellen Diabetesmedikamente können die Entstehung dieser diabetischen Spätschäden kaum verhindern. „Eine große von uns berücksichtigte Untersuchung zeigte, dass bei der bisherigen Therapie statistisch gesehen 250 Patienten vergeblich einer intensiven Insulin-Therapie ausgesetzt werden müssen, um einen einzigen vor einer Nephropathie zu bewahren“, sagt Prof. Dr. Beat Müller, Senior-Autor der Studie. „Demgegenüber verbessert sich laut Statistik eine bestehende Nephropathie bei jedem zweiten Patienten in Folge einer gewichtsreduzierenden Operation. In der Behandlung von Typ-2-Diabetes gerät durch diese Ergebnisse ein Weltbild ins Wanken, denn früher hat man gedacht, dass man die Folgeschäden vermeiden kann, wenn nur der Blutzucker medikamentös richtig eingestellt wird“, fasst er zusammen. „Zu berücksichtigen ist außerdem, dass eine zu scharfe medikamentöse Einstellung auch riskant ist, weil sie zu einer lebensbedrohlichen Unterzuckerung oder zu einer zusätzlichen Gewichtszunahme führen kann.“

Adipositaschirurgie – ein Ausweg aus einem Dilemma und keine „Lifestyle-Chirurgie“

Prof. Müller und seine Co-Autoren plädieren nachdrücklich für ein Umdenken im Umgang mit der häufig mit Typ-2-Diabetes in Verbindung stehenden Erkrankung Adipositas. „Wir müssen uns von der Vorstellung lösen, dass stark übergewichtige Menschen ihren Zustand selbst verschuldet haben und deshalb auch nur durch eine radikale, entbehrungsreiche Lebensstiländerung gesund werden können.“ Ein erster Schritt wurde erreicht, als Adipositas im Jahr 2000 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Krankheit anerkannt wurde. „Die Ursache für Adipositas ist wahrscheinlich eher ein überoptimierter Energiehaushalt als Maßlosigkeit. Die betroffenen Menschen könnten unter Lebensumständen, in denen die Nahrung knapp ist, vermutlich besser überleben als andere und leiden nun darunter, dass unser Lebensstil mit einem ständigen Überangebot an Nahrungsmitteln einhergeht.“ Eine Operation ist seiner Ansicht nach daher keine „Lifestyle-Chirurgie“, die dicke Menschen auf einfache Weise dünner machen soll, sondern gerade für adipöse Typ-2-Diabetiker lebensrettender Ausweg aus einem Dilemma.

Eine rasche Verbesserung der Blutzuckerwerte ist die Folge

Typische Verfahren der Adipositaschirurgie sind der Magenbypass, bei dem der Magen durch einen Teil des Dünndarms überbrückt wird, und die Verkleinerung des Magenvolumens zu einem sogenannten Schlauchmagen. Noch sind die genauen Zusammenhänge unklar, die erklären können, warum diese Operationen so extrem wirksam sind. „Eine Verbesserung der Blutzuckerwerte zeigt sich bereits kurz nach der Operation, also noch bevor die Patienten ein Kilogramm an Gewicht verloren haben. Anscheinend sind andere Mechanismen für die Entstehung der Gefäßschäden bei Diabetes-Typ-2 relevant, die von einer Operation positiv beeinflusst werden. Die Aufklärung der exakten Auswirkungen auf den gesamten Stoffwechsel wird Fragestellung weiterer Forschungsarbeiten der Zukunft sein“, fasst Prof. Müller zusammen. Völlig ohne Risiko ist eine Operation jedoch ebenfalls nicht – auch wenn die Heidelberger Mediziner mit Methoden der minimal invasiven Chirurgie arbeiten. Und auch das zukünftige Leben bleibt geprägt von der Erkrankung, denn es muss auf eine besondere Ernährung geachtet werden, um Mangelerscheinungen zu vermeiden.

Universitätsklinikum Heidelberg

Literatur:

A. T. Billeter, K. M. Scheurlen, P. Probst et al.
Meta-analysis of metabolic surgery versus medical treatment for microvascular complications in patients with type 2 diabetes mellitus
Br J Surg. 2018 Feb;105(3):168-181. doi: 10.1002/bjs.10724.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29405276


Das könnte Sie auch interessieren

Jeder 12. Junge süchtig nach Computerspielen

In Deutschland ist jeder zwölfte Junge oder junge Mann süchtig nach Computerspielen. Nach einer neuen DAK-Studie erfüllen 8,4 Prozent der männlichen Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 12 bis 25 Jahren die Kriterien für eine Abhängigkeit nach der sogenannten „Internet Gaming Disorder Scale“. Bei den Betroffenen verursacht die exzessive Nutzung von Computerspielen massive Probleme. Der Anteil der betroffenen Mädchen und jungen Frauen liegt mit 2,9 Prozent deutlich niedriger. Das zeigt der Report „Game over“ der Krankenkasse DAK-Gesundheit und des Deutschen Zentrums für Suchtfragen. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, bewertet die Ergebnisse als „beunruhigend“ und kündigt  Konsequenzen an.

Klinikeinweisung wegen Herzschwäche: Welche Warnsignale müssen Betroffene kennen?

Jedes Jahr werden in Deutschland mehr als 440.000 Patienten mit Herzschwäche in eine Klinik eingewiesen, weil bei ihnen ihr Herz entgleist ist. Damit zählt die Herzschwäche zu den häufigsten Anlässen für einen Krankenhausaufenthalt. „Ganz konkrete Warnsignale zeigen das Entgleisen des Herzens an. Für diese müssen Betroffene wachsam sein, insbesondere für Wassereinlagerungen im Körper, an den Knöcheln, den Unterschenkeln oder im Bauchraum. Diese sogenannten Ödeme sind leicht zu erkennen, wenn man sich täglich wiegt. Überschreitet die Gewichtszunahme zwei Kilo in drei Tagen, sollte man umgehend den Arzt oder eine Klinik aufsuchen“, rät der Herzspezialist Prof. Dr. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, in dem Experten-Ratgeber „Das schwache Herz“, den man kostenfrei unter www.herzstiftung.de/herzschwaeche-therapie (oder Tel. 069 955128400, E-Mail: bestellung@herzstiftung.de) anfordern kann. Auch bei zunehmender Kurzatmigkeit, wiederholtem Aufwachen wegen Atemnot, Bedarf an immer mehr Kissen um schlafen zu können, sollte man Arzt oder Klinik aufsuchen.

Darmkrebsmonat März: Alkohol ist ein wichtiger Risikofaktor für Darmkrebs

Das Trinken von Alkohol ist gesellschaftlich breit akzeptiert, trotz der Risiken, die mit seinem Konsum einhergehen. Alkohol ist an der Entstehung von mehr als 200 Erkrankungen beteiligt, so die Autoren des Alkoholatlas Deutschland 2017. Leberschäden gehören dabei zu den weitgehend bekannten Folgen. Doch auch das Risiko für Darmkrebs steigt. Anlässlich des Darmkrebsmonats März macht die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) darauf aufmerksam, dass auch der vergleichsweise moderate Konsum von Alkohol das Risiko für eine Darmkrebserkrankung erhöht. Ausschlaggebend ist dabei allein die Menge des konsumierten Alkohols, nicht die Art des alkoholischen Getränks. In ihrem Aufruf an die Politik „Prävention beginnt in den Verdauungsorganen“ fordert die DGVS unter anderem eine bessere Aufklärung über die Gefahren des Alkohols sowie mehr Regularien für die alkoholproduzierende Industrie, auf diese Risiken hinzuweisen.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Adipositaschirurgie kann stark übergewichtige Typ-2-Diabetiker vor Folgeschäden schützen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.