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16. Mai 2018 CED: Bei der Diagnostik und Therapie steht ein Perspektivwechsel an

„Big Data“ hält derzeit auch Einzug bei den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED). So gibt es eine regelrechte Datenflut zu Faktoren, die die Pathophysiologie bedingen – vom Genom über das Exposom und das Immunom bis zum Mikrobiom. Die Daten zu bündeln, zu analysieren und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen, um die Diagnostik und Therapie der CED voranzutreiben, ist aktuell eine enorme medizinische Herausforderung, berichtete Prof. Claudio Fiocchi, Cleveland, beim Symposium 210 der Falk Foundation e.V. in Lissabon. Die Lösung der anstehenden Fragen dürfte dabei zu neuen Therapieoptionen führen. Dennoch werden die etablierten Behandlungskonzepte weiter einen hohen Stellenwert behalten, wie beim Symposium deutlich wurde.
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Ob sich ein Morbus Crohn oder eine Colitis ulcerosa manifestiert, hängt wesentlich von der genetischen Prädisposition, von immunologischen Faktoren und der Zusammensetzung des Mikrobioms ab, die ihrerseits durch Umweltfaktoren moduliert wird. Eine zentrale Rolle spielt dabei der zunehmend „inflammatorische Lebensstil“ der Menschen in der heutigen Gesellschaft, mahnte der Wissenschaftler. Infektionen, Luftverschmutzung, Rauchen, der Mangel an körperlicher Bewegung und insbesondere die einseitige und ungesunde Ernährung – das alles sind Faktoren, die maßgeblich die Pathogenese der CED triggern können. „Sogar pränatale Einflüsse können sich auf die Krankheitsmanifestation auswirken“, erklärte Fiocchi. Die Zusammenhänge zu erkennen und richtig zu deuten, ist äußerst schwierig, zumal die Situation individuell sehr unterschiedlich ist: „Es gibt nicht zwei Menschen, die das gleiche Mikrobiom aufweisen“, gab Fiocchi zu bedenken.

Umdenken in der Medizin gefordert

Diese Erkenntnis verlangt ein Umdenken und einen Perspektivwechsel in der Medizin. „Wir brauchen zur Auswertung der gewonnenen Daten moderne Computertechnologien und die Unterstützung von Experten, die die neuen Erkenntnisse für uns aufarbeiten“, erläuterte hierzu Prof. Axel Dignaß, Frankfurt, als einer der wissenschaftlichen Organisatoren des Symposiums. Es handelt sich aus seiner Sicht nicht um Mediziner oder Naturwissenschaftler, sondern um Experten in der Verarbeitung von Daten, die in enger Kooperation mit Medizinern die Essenz aus den Daten ziehen und diese für neue Entwicklungen in der Diagnostik und Therapie der CED nutzbar machen.

Fortschritte erwartet Dignaß vor allem bei der Identifizierung von Biomarkern, was wiederum die Basis für die Entwicklung zielgerichteter und individualisiert wirksamer Behandlungsstrategien sein kann. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass sich die Therapievielfalt bei den CED in absehbarer Zukunft erweitern wird.

Die etablierte Therapie behält ihren Stellenwert

Das heißt jedoch nicht, das dies die Bedeutung etablierter Therapieoptionen wie Mesalazin (z.B. Salofalk®) schmälern wird: „Wir haben mit Mesalazin eine wirksame und gut verträgliche Behandlungsmöglichkeit, mit der sich bei einem großen Teil der Patienten eine effektive Krankheitskontrolle erzielen lässt“, so Dignaß. Nach seinen Angaben führt der Wirkstoff bei 60-70% der Patienten mit moderater Colitis ulcerosa zu einer raschen und effektiven Remission und hat zudem große Bedeutung in der Erhaltungstherapie.

„Mesalazin ist und bleibt die Standardmedikation bei milder bis moderater Colitis ulcerosa und somit bei der Mehrzahl der Patienten“, betonte der Gastroenterologe. Darüber hinaus lasse sich auch ein großer Anteil der Patienten mit mildem bis moderatem Morbus Crohn befriedigend mit Mesalazin behandeln.

Mikroskopische Kolitis – ebenfalls eine chronisch entzündliche Darmerkrankung

Als Krankheitsbild noch deutlich unterschätzt wird nach Dr. Andreas Münch, Linköping/Schweden, die mikroskopische Kolitis. Die Erkrankung ist charakterisiert durch wässrige, oft nächtliche Diarrhoen, abdominelle Schmerzen und teilweise auch durch einen unbeabsichtigten Gewichtsverlust. Betroffen sind vor allem Frauen.

Die mikroskopische Kolitis ist dabei keineswegs ein seltenes Krankheitsbild, die Prävalenz ist sogar höher als beim Morbus Crohn. Zu differenzieren sind die kollagene und die lymphozytäre Kolitis. Beide Krankheitsformen sind laut Münch eindeutig den CED zuzuordnen. Da sie sich im Rahmen der Koloskopie nicht mit eindeutig zu erkennenden Entzündungsprozessen im Dickdarm darstellen, ist bei der Diagnostik stets eine Stufenbiopsie zu fordern.

Die Beeinträchtigung der Patienten infolge der Erkrankung ist laut Prof. Stephan Miehlke, Hamburg, oft sehr hoch, was die Bedeutung einer effektiven Therapie unterstreicht. Als derzeit einzig evidenzbasierte Behandlungsoption nannte er den Wirkstoff Budesonid (z.B. Budenofalk®). Behandelt werden sollte in einer Dosierung von 9 mg täglich, wobei die empfohlene Therapiedauer zunächst bei 6-8 Wochen liegt. Es kommt in dieser Zeit in aller Regel zu einem deutlichen Rückgang der Symptomatik. Treten die Beschwerden nach Absetzen des Wirkstoffs erneut auf, so ist eine Langzeittherapie mit 6 mg Budesonid täglich zu erwägen. Diese ist aber noch nicht zugelassen.

Quelle: Falk


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