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17. Juni 2016 COPD-Management im Alltag: GOLD-Empfehlungen im Praxistest

Die GOLD-Empfehlungen werden im Praxisalltag nur teilweise umgesetzt - so das Ergebnis einer deutschlandweiten Erhebung zum COPD-Management mit 451 nieder­gelassenen Pneumologen. Als Grund dafür wird fehlende Praktikabilität der Empfehlungen angegeben. In der täglichen Versorgung von COPD-Patienten zeigen sich u. a. Schwierigkeiten bei der Klassifikation der Erkrankung und der Dokumentation von Exazerbationen. Und: Die duale Broncho­dilatation mit LAMA/LABA-Kombinationen gehört bereits zur Versorgungsroutine (1).

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An der aktuellen GOLD-Klassifikation (2) zur Einordnung einer COPD orientieren sich 58,5% der Befragten (n=264)* in der täglichen Praxis. Der Umkehrschluss lässt vermuten, dass 41,5% der Teilnehmer dies nicht tun. In diesem Zusammenhang sagten 37,3% (n=168): Die Klassifikation nach GOLD ist zwar wissenschaftlich interessant, jedoch nicht an den Erfordernissen der Praxis orientiert (1). Hinsichtlich der dabei erforderlichen Dokumentation von Exazerbationen empfanden 88,9% der Befragten (n=303) die Erfassungsmöglichkeiten mittels Fragebögen/Scores als nicht ausreichend bzw. nicht praktikabel (1). 39,5% (n=178) begründeten Schwierigkeiten bei der Erfassung der Exazerbationsrate auch mit dem Fehlen von Strukturen, die den Informationsfluss zwischen Hausarzt, Klinik und pneumologischer Praxis unterstützen. Mit Blick auf die Symptomatik vertraten 92,6% (n=414) der Befragten die Ansicht, dass die COPD den Tagesrhythmus des Patienten beeinflusst (1). Gefragt wurde in diesem Zusammenhang auch nach möglichen Gründen für eine in der Patienten­wahrnehmung morgens deutlich ausgeprägte COPD-Symptomatik: Hier wurden Sekretstau durch reduzierten Hustenreflex in der Nacht (88,9%, n=401) und erhöhter Parasympathikotonus in der Nacht (59,0%, n=266) am häufigsten genannt.1 Untersuchte man die Therapie, zeigte sich u. a., dass LAMA/LABA-Kombinationen bereits regelmäßig und abhängig vom Schwere­grad eingesetzt werden: Im Mittel bei 33,8% der Patientengruppe B nach GOLD, bei 79,9% der Gruppe C und bei 92,9% der Gruppe D. Für die Therapie-Adhärenz sehen 83,6% (n=377) die langfristige Verträglichkeit der Medikation als wesentliche Einflussgröße. Nach Einschätzung von 96,7% (n=436) kann zudem ein einfach zu handhabender Inhalator die Adhärenz unterstützen (1).

Für die durch das Unternehmen Berlin-Chemie AG initiierte Erhebung wurden geschlossene Fragen im Interview bearbeitet. Berlin-Chemie hat 2015 mit Brimica® Genuair® (400 μg Aclidiniumbromid**/12 μg Formoterolfumarat) eine LAMA/LABA-Fixkombination auf den Markt gebracht. Indiziert ist sie für die bronchodilatatorische Erhaltungs­therapie zur Linderung von Symptomen bei Erwachsenen mit COPD und wird zweimal täglich inhaliert (3). In den sechsmonatigen Zulassungsstudien ACLIFORM-COPD (n=1.729) und AUGMENT (n=1.692) wurde Brimica® Genuair® bei Patienten mit einer stabilen, mittelschweren bis schweren COPD untersucht (4,5). Die Fixkombination verbesserte das Trough-FEV1 vs. Formoterol im Mittel um 85 ml (p<0,0001) bzw. 45 ml (p=0,01) und das FEV1 eine Stunde nach Anwendung vs. Aclidinium um 125 ml bzw. 108 ml (p<0,0001) (3). In einer gepoolten Analyse verbesserten sich außerdem die frühmorgendlichen Symptome über 24 Wochen signifikant (p<0,05, vs. Placebo und den Monotherapien, Vergleich der Mittelwerte, n=3.394). Der G-BA bestätigte der Fixkombination Aclidinium/Formoterol einen Hinweis für einen beträchtlichen Zusatznutzen für Patienten mit COPD der Stufe III mit weniger als 2 Exazerbationen pro Jahr im Vergleich zu Formoterol als Monotherapie ("zweckmäßige Vergleichstherapie"). Für Patienten mit COPD der Stufe II ergab sich ein Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen.
 
* Nicht alle Teilnehmer haben alle Fragen beantwortet. Die angegebenen Prozentzahlen beziehen sich jeweils auf die im Kontext angegebene Zahl der Befragten.
** entspricht 343 μg Aclidinium
 
GOLD: Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease.
COPD: Chronic Obstructive Pulmonary Disease.
LAMA: Long-Acting Muscarinic Antagonist/Langwirksamer Muskarin-Rezeptor-Antagonist.
LABA: Long-Acting Beta-Agonist/Langwirksamer Beta-Rezeptor-Agonist.
ACLIFORM-COPD: ACLIdinium/FORMoterol fumarate combination for investigative use in the treatment of moderate to severe COPD
AUGMENT: Aclidinium/formoterol fUmarate combination for investiGative use in the treatMENT of moderate to severe COPD
FEV1: Einsekunden-Ausatemkapazität.
G-BA: Gemeinsamer Bundesausschuss.


(1) Laudahn B, Schmidtmann S. Versorgungsforschung bei niedergelassenen Pneumologen, Wie praxisrelevant sind die GOLD-Empfehlungen für den ambulanten Alltag bei COPD? Pneumonews 2015; 7(5):53-57.
(2) Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease. Global Strategy for the Diagnosis, Management, and Prevention of chronic obstructive pulmonary disease (updated 2016). http://www.goldcopd.org/uploads/users/files/WatermarkedGlobal%20Strategy%202016(1).pdf
(3) Fachinformation Brimica® Genuair®.
(4) Singh D et al. Efficacy and safety of aclidinium bromide/formoterol fumarate fixed-dose combinations compared with individual components and placebo in patients with COPD (ACLIFORM-COPD): a multicentre, randomised study. BMC Pulm Med. 2014; 14(1):178. http://www.biomedcentral.com/1471-2466/14/178.
(59 D´Urzo A et al. Efficacy and safety of fixed-dose combinations of aclidinium bromide/formoterol fumarate: the 24-week, randomized, placebo-controlled AUGMENT COPD study. Respiratory Research 2014; 15:123.
http://respiratory-research.com/content/15/1/123.

Quelle: Berlin Chemie


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