Donnerstag, 30. März 2017
Navigation öffnen
Anzeige:

Aktuelle Infos für Ärzte

20. März 2017 Digitale Unterstützung bei Depression

Im Laufe eines Jahres erkranken in Deutschland etwa 5,3 Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen, unipolaren Depression, doch nur die wenigsten erhalten eine optimale Behandlung. Hinzu kommt, dass hilfesuchende Betroffene oft mit langen Wartezeiten beim Facharzt oder Psychologen konfrontiert sind. Mit dem neugestarteten, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt STEADY (Sensorbasiertes System zur Therapieunterstützung und Management von Depressionen) soll ein Beitrag zur Reduktion der Versorgungsdefizite durch Unterstützung des Krankheits- und Selbstmanagements geleistet werden.
Anzeige:
Federführend dafür sind Prof. Dr. Galina Ivanova vom Institut für Angewandte Informatik (InfAI) e.V. an der Universität Leipzig und Prof. Dr. Ulrich Hegerl von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Ziel des Vorhabens STEADY ist es, über eine Langzeiterfassung von sensorbasierten Daten Zusammenhänge zwischen individuellen Datenmustern und Aspekten der depressiven Erkrankung zu erkennen und für ein personalisiertes Selbstmanagement nutzbar zu machen. Erfasst werden beispielsweise Biosensordaten wie Herzfrequenz, Blutdruck und Hautleitfähigkeit, die um Selbstratings ergänzt werden. Die Daten werden mittels Smartphone gesammelt, algorithmisch analysiert, in geeigneter Weise aufbereitet und dann an den Patienten zurückgespiegelt.

Depressionen gehören mittlerweile zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen. Leitsymptome sind unter anderem eine ausgeprägte Niedergeschlagenheit, Traurigkeit sowie Freud-, Antriebs-, und Interessenlosigkeit, die bis hin zu Selbsttötungsabsichten führen können. Obwohl so viele Menschen in unserer Gesellschaft von der seelischen Krankheit betroffen sind, bestehen noch große Defizite bei der therapeutischen Betreuung von Patienten.

Hier können aktuelle Entwicklungen aus dem Bereich der Informationstechnologie genutzt werden. So sind Smartphones aus dem Alltagsleben nicht mehr wegzudenken und auch die Palette an tragbaren Biosensoren, die sogenannten Wearables, wächst ständig. Im STEADY-System sollen Selbsteinschätzungen zu Stimmung und Befinden mit Biosensordaten wie Herzfrequenz, Blutdruck, Hautleitfähigkeit und Schlaf oder über das Smartphone erfasste Verhaltensparameter wie soziale Aktivität, Schlafgewohnheiten und Aktivitätslevel kombiniert werden. Ziel ist es, den Patienten genauer als über reine Selbstwahrnehmung auf Veränderungen seiner Symptomatik hinzuweisen. Indem für einzelne Patienten individuelle Datenmuster identifiziert werden, die für die jeweilige Person wichtige Informationen zum besseren Umgang mit ihrer Erkrankung liefern, kann eine wirklich personalisierte Medizin erreicht werden.

"Mit entsprechender didaktischer Aufbereitung können solche Langzeitdaten eine wertvolle, bisher kaum genutzte Informationsquelle zu Verhalten und Physiologie darstellen, die hinsichtlich Umfang und Präzision weit über das hinausgeht, was im Rahmen der üblichen medizinischen Untersuchung von Patienten erhoben werden kann. Dies gilt in besonderer Weise für psychische Erkrankungen wie Depression, zu denen keine klinisch verwertbaren Biomarker zur Verfügung stehen und krankheitsbedingt die Selbstauskunft vielen Fehlerquellen unterliegt", sagt Hegerl. "Im STEADY-System sollen die Patienten dabei zu jedem Zeitpunkt Eigner über die von ihnen erhobenen Daten bleiben, aber die Möglichkeit erhalten, diese selbstbestimmt mit Ihren Ärzten und Psychotherapeuten zu teilen, um damit die Effizienz der medizinisch-psychotherapeutischen Versorgung zu erhöhen", erklärt er weiter. Neben solchen Chancen sollen im Projekt auch die mit der digitalen Selbstvermessung verbundenen Risiken und Nachteile systematisch erfasst werden.

Das STEADY-Projekt wurde im November 2016 ins Leben gerufen. Neben dem Institut für Angewandte Informatik (InfAI) e.V. an der Universität Leipzig, der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und dem Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Leipzig (Prof. Dr. Bogdan Franczyk) sind daran auch privatwirtschaftliche Projektpartner aus den Gebieten der Informatik und Medizin beteiligt. Bis Ende 2019 soll eine digitale Lösung erarbeitet werden, die depressiv veranlagten Personen ein besseres Selbstmanagement ihrer Erkrankung ermöglicht. Durch eine App auf ihrem Smartphone haben die Patienten jederzeit Zugriff auf ihre Bio-Parameter, die über Sensoren bei ihnen erfasst und weiter aufbereitet werden. Das Vorhaben hat ein Volumen von etwa 2,4 Millionen Euro und wird im Rahmen der BMBF-Förderung von Projekten zum Thema "Medizinische Lösungen für eine digitale Gesundheitsversorgung" gefördert. Das Projekt wird ab heute bei der CeBIT in Hannover (20. bis 24. März.2017, Halle 6, Stand B24) offiziell vorgestellt.
 

Universität Leipzig


Das könnte Sie auch interessieren

App FURDY hilft, kommunikative Barrieren zu überwinden und kognitive Fähigkeiten zu fördern

Zum 11-jährigen Jubiläum des Masterstudiengangs Barrierefreie Systeme (BaSys) unter dem Motto „Eine Dekade BaSys 10+“ lädt die Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) alle Interessierten ein, über eine inklusive Welt zu diskutieren. Erwartet werden dazu am 22. November 2016 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sowie Vertreter/-innen verschiedener Interessenverbände, Studieninteressierte und Alumni. Auch Absolvent Benjamin Göddel wird vor Ort seine App FURDY präsentieren, die er entwickelt hat, um Autisten und deren Umfeld zu helfen.

Nüsse sind kein Ersatz für die Darmspiegelung

Magen-Darm-Ärzte mahnen zur Vorsicht bei Meldungen über bestimmte Nahrungsmittel, die vor Krebs schützen sollen. „Öffentliche Erklärungen wie gerade mal wieder von Ernährungswissenschaftlern der Uni Jena über den Schutzmechanismus von Nüssen sind eher irreführend als hilfreich“, betont Dr. Dagmar Mainz, die Sprecherin der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte. „Auch Nusskonsumenten sind vor Darmkrebs nicht gefeit. Sicherheit bietet nur die Darmspiegelung.“

Verbraucherschutz: Blei und Cadmium in Modeschmuck, Pestizide in Kräutern

Erneut gerieten preiswerte Modeschmuckartikel ins Visier der Überwachungsbehörden. Nachdem das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) im vergangenen Jahr auf die erhöhten Nickelgehalte in den untersuchten Proben hingewiesen hatte, kritisierte das Bundesamt die Funde von Blei und Cadmium oberhalb der geltenden Grenzwerte. BVL-Präsident Helmut Tschiersky stellte dazu fest: „Die Hersteller und Importeure von Modeschmuck müssen eindeutig mehr tun, um Gesundheitsrisiken zu vermeiden.“ Nach mehreren Einzelfunden von preiswertem Modeschmuck mit erhöhten Blei- und Cadmiumgehalten ist die Produktgruppe im Jahr 2015 verstärkt durch die amtliche Überwachung kontrolliert worden. Von den 262 durch die Kontrolleure genommenen Proben wiesen 32 Proben (12 Prozent) Bleiwerte oberhalb des geltenden Höchstgehalts von 500 mg/kg auf. Bei einer untersuchten Kette waren die beiden Karabinerhaken sogar vollständig aus Blei gefertigt. Bei 26 Proben (10 Prozent) überschritt der Cadmiumgehalt den Grenzwert von 100 mg/kg.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Digitale Unterstützung bei Depression"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!