Samstag, 15. Dezember 2018
Navigation öffnen

Aktuelle Infos für Ärzte

11. Oktober 2018 HIV-Infektion: Antikörperkombination erreicht langanhaltende Viruskontrolle

Eine neue Generation breit-neutralisierender Antikörper bietet einen neuartigen Ansatz zur Behandlung der HIV-Infektion. Die Forschungsgruppe um Prof. Dr. Florian Klein, Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik Köln und Wissenschaftler am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), hat eine Kombination solcher Antikörper nun erstmals erfolgreich bei HIV-infizierten Personen getestet. Die Ergebnisse der gemeinsam mit der Rockefeller University in New York und der Forschergruppe Infektiologie der Uniklinik Köln durchgeführten Studie wurden jetzt in 2 Artikeln in den Wissenschaftsmagazinen Nature (1) und Nature Medicine (2) veröffentlicht.
Anzeige:
Antiretrovirale Wirkstoffe stellen die Grundlage der effektiven Behandlung der HIV-Infektion dar. Diese müssen in Kombinationen verabreicht werden, da es aufgrund der hohen Wandelbarkeit des Virus bei der Anwendung einzelner Substanzen sehr rasch zur Entwicklung von Resistenzen kommt. Die derzeit verfügbaren Medikamente hemmen wirksam die Vermehrung des Virus, müssen jedoch täglich eingenommen werden.

Im Vergleich zu diesen Präparaten weisen breit-neutralisierende Antikörper deutlich länger Wirkspiegel im Blut auf und können die Viren direkt angreifen. Für 2 dieser Antikörper mit den Bezeichnungen 3BNC117 und 10-1074 konnte in früheren Studien unter Beteiligung der Uniklinik Köln gezeigt werden, dass die Verabreichung eines einzelnen Antikörpers sehr gut verträglich ist und mit einer deutlichen Reduktion der Virusmenge im Blut einhergeht. Vergleichbar mit klassischen antiviralen Medikamenten ist die Gabe eines einzelnen Antikörpers jedoch mit der Entwicklung viraler Resistenzen und somit einer zeitlich begrenzten Wirkdauer verbunden.

In der aktuellen Studie untersuchten die Wissenschaftler daher den Effekt der kombinierten Gabe der beiden Antikörper 3BNC117 und 10-1074 an insgesamt 30 HIV-infizierten Probanden. Die teilweise mehrfachen Infusionen beider Antikörper wurden von allen Studienteilnehmern sehr gut vertragen. In der Gruppe von HIV-infizierten Teilnehmern, die zum Beginn der Studie keine antiviralen Medikamente einnahmen, führte die Kombination der Antikörper zu einer deutlichen und teils mehrere Monate anhaltenden Absenkung der Viruslast.

In einer zweiten Gruppe erfolgte die Verabreichung der Antikörper bei Personen, die ihre zuvor eingenommenen antiviralen Medikamente aussetzten. Während es nach der Unterbrechung einer solchen Behandlung üblicherweise innerhalb weniger Wochen zu einem Wiederanstieg der Viruslast im Blut kommt, war das Virus bei vielen Studienteilnehmern auch noch mehrere Monate nach der letzten Infusion im Blut nicht nachweisbar.

„Die Ergebnisse dieser Studien verdeutlichen, dass Kombinationen von Antikörpern eine langanhaltende Kontrolle von HIV bewirken können“, so Dr. Henning Grüll, Ko-Erstautor beider Arbeiten und Assistenzarzt am Institut für Virologie der Uniklinik Köln. Basierend auf den aktuellen Studienergebnissen, die in Kooperation mit der Rockefeller Universität (Prof. Dr. Michel Nussenzweig; Prof. Dr. Marina Caskey) entstanden sind, werden nun Behandlungsansätze verfolgt, die die tägliche Tabletteneinnahme durch Antikörperinfusionen auch über ein längeres Intervall ersetzen könnten.

„Die erfolgreiche Durchführung beider Arbeiten an der Uniklinik Köln beruht auch auf der guten Zusammenarbeit mit der Forschergruppe Infektiologie (Leitung: Prof. Dr. Gerd Fätkenheuer) und der Infektionsambulanz (Leitung: PD Dr. Clara Lehmann). Es freut uns sehr, dass wir erneut entscheidende Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung sicher und schnell zurück zum Patienten bringen konnten“, so Studienleiter Klein.

Weitere Studien zu breit-neutralisierenden Antikörpern, die zusätzliche Ansätze zur möglichen Anwendung bei der HIV-Infektion untersuchen, werden derzeit in Köln durchgeführt oder befinden sich in der Planungsphase.

Quelle: Uniklinik Köln

Literatur:

(1) Mendoza P, Gruell H, Nogueira L et al.
Combination therapy with anti-HIV-1 antibodies maintains viral suppression.
Nature 27 September 2018, doi:10.1038/s41586-018-0531-2.
(2) Bar-On Y, Gruell H, Schoofs T et al.
Safety and antiviral activity of combination HIV-1 broadly neutralizing antibodies in viremic individuals.
Advance Online Publication (AOP) on Nature Medicine's website 26 September 2018, doi:10.1038/s41591-018-0186-4.


Das könnte Sie auch interessieren

Lymphknoten–Transplantation: Hilfe bei Lymphödemen

Neues Verfahren bietet erstmals Heilungschance bei Lymphstauungen. Vor allem Krebspatienten haben darunter zu leiden: Zwar ist der Krebs erfolgreich behandelt, doch zurück bleiben Folgen wie beispielsweise Lymphstauungen an Armen und Beinen. Meist handelt es sich um geschwollene, schmerzende Extremitäten, in denen die Lymphflüssigkeit nicht mehr abfließen kann, weil das feine System der dafür nötigen Kanäle beschädigt wurde. Bisher konnten nur die Symptome gelindert werden, oft eine unbefriedigende und lebenslang leidvolle Situation für die Betroffenen. Die plastischen Chirurgen am Universitätsklinikum Leipzig nutzen als eines von wenigen Zentren in Deutschland ein neues Verfahren, um hier wirksam Linderung zu verschaffen: die Transplantation von Lymphknoten.

Opioid-Abhängigkeit: Notstand in USA ausgerufen

Nachdem der amerikanische Präsident Donald Trump aufgrund der massiven Zunahme an Drogentoten den nationalen Notstand bezüglich Opioiden erklärt hat, gibt die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) Entwarnung: In Deutschland sei aktuell kein Gesundheitsnotstand aufgrund von Opioid-Abhängigkeit zu befürchten. Die gesetzlichen Regelungen sowie die vorhandenen Leitlinien zum Einsatz von Opioiden verhinderten in den meisten Fällen die Entwicklung einer Abhängigkeit.

Diabetiker sollten regelmäßig ihren Puls messen

Oft werden Menschen von einem Schlaganfall getroffen, weil sie Vorhofflimmern haben, ohne es zu wissen. Vorhofflimmern tritt bei über der Hälfte aller Patienten ohne Symptome oder Beschwerden auf. Unbehandelt und ohne schützende Wirkung gerinnungshemmender Medikamente sind sie schutzlos dem Schlaganfall ausgesetzt. Jedes Jahr verursacht Vorhofflimmern etwa 30.000 Schlaganfälle. Vorhofflimmern ist auch eine häufige Herzrhythmusstörung bei Diabetikern, die Schätzungen zufolge ein um 34% erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern haben.

Tagebuch hilft Pflegenden beim Erkennen eigener Bedürfnisse

Viele pflegende Angehörige nehmen ihre eigenen Bedürfnisse kaum mehr wahr. Die Sorge um den Angehörigen oder die Angst, der Aufgabe nicht gerecht zu werden, können den Blick auf sich und eigene Wünsche verstellen, erklärt Daniela Sulmann vom Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP). "Als erstes gilt es dann zu versuchen, sich selbst wieder stärker in den Fokus zu nehmen und zu formulieren, was man braucht." Das jedoch sei leichter gesagt als getan. Sulmann empfiehlt Pflegenden daher, ein Tagebuch zu führen.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"HIV-Infektion: Antikörperkombination erreicht langanhaltende Viruskontrolle"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.