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19. April 2018 Weit verbreiteter Jodmangel mindert die Intelligenz bei Kindern

Der Mikronährstoff Jod ist essentiell für die Entwicklung von Intelligenz bei Kindern und Jugendlichen. Mit der Krakauer Erklärung zu Jod (Kraków Declaration on Iodine) fordern Wissenschaftler des EU-geförderten Projektes EUthyroid und mehrere Interessengruppen Entscheidungsträger in Europa auf, jetzt politische Maßnahmen zu setzen, die dem weitverbreiteten Jodmangel entgegenwirken. Gestern präsentierten europäische Wissenschaftler aus 27 Ländern in Krakau (Polen) ihre Ergebnisse zu dem derzeitigen Stand von Jodmangelerkrankungen, die innerhalb des Projekts EUthyroid (Projektnummer: 634453) entstanden sind, das vom Horizon2020 Forschungs- und Innovationsprogramm gefördert wurde.
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Unser Trinkwasser und unsere Nahrung liefern den wichtigen Mikronährstoff Jod, der für die Produktion von Schilddrüsenhormonen benötigt wird. Diese Botenstoffe regeln den Stoffwechsel im menschlichen Körper, fördern das körperliche Wachstum und die geistige Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Während der Schwangerschaft haben Frauen einen erhöhten Jodbedarf, der häufig über ihre normale Ernährung nicht abgedeckt wird. Wissenschaftler sind besorgt, weil selbst ein leichter Jodmangel der Mutter zu einer Beeinträchtigung des Intelligenzquotienten (IQ) beim Kind führen kann.

Trotz dieser essentiellen Rolle von Jod wissen die meisten werdenden Müttern nichts von den negativen Folgen von Jodmangel für ihre Kinder. Experten warnen, dass trotz der existierenden freiwilligen Programme zur Jodanreicherung in vielen europäischen Ländern bis zu 50% aller Neugeborenen einem leichten Jodmangel ausgesetzt sind. Folglich besteht das Risiko, dass diese Kinder ihr kognitives Entwicklungspotenzial nicht voll ausschöpfen können und beispielsweise Lernprobleme in der Schule durchmachen. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass niedrigere IQ-Werte in Teilen der Bevölkerung die Wirtschaftsleistung ganzer Nationen beeinträchtigen.

Über die Gehirnentwicklung hinaus belasten die vielfältigen Auswirkungen von Jodmangel die öffentlichen Gesundheitssysteme erheblich. Obwohl diese Auswirkungen bekannt sind, ignorieren politische Entscheidungsträger, Meinungsführer und die Bevölkerung Präventionsprogramme für Jodmangelerkrankungen in Europa weitgehend.

Dabei stellen jodierte Lebensmittel eine etablierte und kosteneffiziente Maßnahme dar, um Jodmangel zu begegnen. Seit Jahrzehnten fordert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine regelmäßige Kontrolle der Jodversorgung in der Bevölkerung als einen wichtigen Schritt, um den Jodmangel in Europa zu erheben und zu beseitigen. Dennoch erfüllen nur 8 Länder in der EU diese minimale Anforderung.

Wissenschaftliche Ergebnisse und Befürchtungen werden ignoriert

Die Wissenschaftler sind zunehmend besorgt über das mangelhafte Engagement der politischen Entscheidungsträger zur Beseitigung des Jodmangels in Europa. Das Konsortium fordert daher gemeinsam mit unterschiedlichen Interessengruppen politische Entscheidungsträger, Verantwortliche im Gesundheitswesens und Wissenschaftler dazu auf, die bekannten wirksamen Strategien zur Verhinderung von Jodmangelerkrankungen in ganz Europa umzusetzen.

Mit der Kraków Declaration on Iodine bündeln Experten ihre Kräfte, um Jodmangel zu beseitigen. Sie fordern:

Einheitliche Präventionsmaßnahmen: Verantwortliche in Industrie und Handel, sowie politische Entscheidungsträger sollten die Salzjodierung vereinheitlichen, um einen freien Handel mit Jod-angereicherten Lebensmitteln in Europa zu gewährleisten. Jodiertes Tierfutter sollte ebenso eine behördliche Zulassung bekommen, um den freien Handel innerhalb der EU sicherzustellen.

Kontrolle der Präventionsmaßnahmen: Nationale Regierungen und Gesundheitsbehörden müssen in regelmäßigen Abständen eine einheitliche Überwachung und Evaluierung von Jodierungsprogrammen durchführen, um eine optimale Jodversorgung der Bevölkerung sicherzustellen.

Unterstützung der Präventionsmaßnahmen: Wissenschaftler sollten zusammen mit Vertretern des Gesundheitswesens, Patientenorganisationen, der Industrie und der Öffentlichkeit die notwendigen Präventionsmaßnahmen unterstützen. Nur so wird sichergestellt, dass geeignete Maßnahmen in einer sich rasch verändernden Gesellschaft getroffen werden, um effektiv Jodmangelerkrankungen zu verhindern. Zudem sollte das Wissen um Jodmangelerkrankungen durch geeignete Informationskampagnen weitergegeben werden.

Die Unterzeichner der Kraków Declaration on Iodine fordern alle Akteure in Europa und weltweit auf, Ressourcen und Fachwissen zu bündeln, um Jodmangel zu beseitigen. Unterzeichnen Sie die Erklärung, um sicherzustellen, dass durch eine ausreichende Jodversorgung zukünftige Generationen den Start in ein gesundes Leben erhalten und ihr volles Potenzial verwirklichen können.

Befürworter:

Henry Völzke (Koordinator EUthyroid, Universitätsmedizin Greifswald, Deutschland)
„Im Rahmen des EU-geförderten Projekts EUthyroid erhielten Forscher wichtige finanzielle Unterstützung, um Kapazitäten für kosteneffektive Präventionsprogramme gegen Jodmangelerkrankungen aufzubauen. Die Forscher erwarten, dass die Ergebnisse auch für eine harmonisierte Jodüberwachung genutzt werden. Daher fordert die Kraków Declaration on Iodine nationale Regierungen und Verantwortliche im Gesundheitswesen auf, sich ihrer Verantwortung zu stellen, den ausreichenden Jodstatus ihrer Bevölkerung sicherzustellen, anstatt diese auf Wissenschaftler und andere Interessenvertreter zu übertragen. Nur so können Jodmangelerkrankungen in Europa beseitigt werden.“

John Lazarus (Iodine Global Network, Großbritannien )
„Das Iodine Global Network (IGN) hat das Privileg, Teil von EUthyroid zu sein. Ziel von IGN ist es, eine optimale Jodversorgung in der Welt zu erreichen, auch in Europa. Die Ergebnisse von EUthyroid belegen nicht nur eindeutig einen Jodmangel in mehreren Ländern, sondern auch einen Mangel an konsistenter Überwachung des Jodstatus. Das IGN unterstützt die Schlussfolgerungen von EUthyroid und fordert die Regierungen und Vertreter der Gesundheitsversorgung auf, darauf zu reagieren, indem sie nicht nur für eine angemessene Jodversorgung eintreten, sondern auch Programme initiieren, um diese zu erreichen.”

Attilio Caligiani (World Iodine Association, Belgien)
„Die Kraków Declaration on Iodine legt den Grundstein einer Initiative mehrerer Interessengruppen und Organisationen für eine harmonisierte und koordinierte Strategie zur Vermeidung und Bekämpfung von Jodmangelerkrankungen auf globaler Ebene. Die World Iodine Association (WIA) schätzt und unterstützt diese wertvolle Arbeit von EUthyroid. In enger Zusammenarbeit mit europäischen und nationalen Behörden bietet sie die Grundlage für die Entwicklung wirksamer Maßnahmen zur Verbesserung und Optimierung der Jodaufnahme in Europa. Gleichzeitig schafft sie ein gesellschaftliches Bewusstsein über Patientenorganisationen, die medizinische Gemeinschaft und die Industrie.“

Ashok Bhaseen (Präsident der Thyroid Federation International, Kanada)
„Die von EUthyroid entwickelte Kraków Declaration on Iodine ist ein wichtiger Schritt zur Prävention von Jodmangelerkrankungen, da viele Interessengruppen berücksichtigt werden. Unsere Patientenorganisation Thyroid Federation International (TFI) unterstützt diese wertvolle Arbeit von EUthyroid. TFI ist der Ansicht, dass es wichtig ist, die Öffentlichkeit durch Werbeaktionen und Informationskampagnen für Jodmangelerkrankungen zu sensibilisieren. Nur ein Bündnis von Wissenschaft, Industrie und Politik wird diese Anliegen in den Vordergrund rücken und die Aufmerksamkeit der EU auf dieses wichtige Thema richten. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.“

Greg S. Garrett (GAIN, Schweiz)
„Die Global Alliance for Improved Nutrition (GAIN) hat das Privileg in bereits 20 Ländern mit nationalen Akteuren an der Verbesserung der Jodversorgung zu arbeiten. Aufgrund der Bemühungen von so vielen auf der ganzen Welt werden Jodmangelerkrankungen bald der Vergangenheit angehören. Allerdings herrscht in Europa weiterhin eine besorgniserregend geringe Jodaufnahme in der Bevölkerung. Wir unterstützen die Krakow Declaration in der Hoffnung, dass dies mehr politische Entscheidungsträger in ganz Europa und darüber hinaus ermutigt, evidenzbasierte Maßnahmen zur Verhinderung aller Jodmangelerkrankungen, einschließlich der universellen Salzjodierung, zu ergreifen.“

Quelle: Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald


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