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19. Dezember 2016 Lungenärzte: Eine COPD-Epidemie in den nächsten Jahrzehnten droht

Obwohl die Zahl der Raucher hierzulande langsam abnimmt, wird die Anzahl COPD-Fälle, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, in den nächsten zwanzig Jahren um mehr als 150% ansteigen. Darauf machen die Lungenärzte der DGP aufmerksam.
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Obwohl die Zahl der Takakkonsumenten (insbesondere unter Männern) hierzulande langsam abnimmt, ist in den nächsten zwanzig Jahren mit einer regelrechten COPD-Epidemie zu rechnen, die unser Gesundheitssystem herausfordern dürfte.

„Von 2010 bis 2030 wird die Anzahl der COPD-Fälle, die im Krankenhaus behandelt werden müssen – trotz des abnehmenden Tabakkonsums – um mehr als 150% ansteigen, wobei insbesondere ältere Menschen über 75 Jahre betroffen sein werden, bei denen sogar ein Anstieg um 220% zu erwarten ist“, erklärt Prof. Dr. med. Berthold Jany, Präsident der der DGP und Chefarzt der Abteilung Innere Medizin der Missionsärztlichen Klinik in Würzburg.

Das geht aus einer aktuellen Studie kanadischer Forscher hervor, die anhand einer Analyse von Populationsstatistiken über Bevölkerungswachstum und Altersstrukturen sowie der Gesundheitsdaten von 4,7 Millionen Kanadiern zu dieser Prognose für Kanada kommen (siehe American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine). Den Wissenschaftlern zufolge sind die Studienergebnisse aber auch auf viele andere Industrienationen übertragbar, weil diese eine vergleichbare Entwicklung aufweisen.

Das zunehmende Alter der Patienten beeinflusst die Prognose maßgeblich

COPD wird in den Industrienationen also nicht bald ein Problem der Vergangenheit sein, nur weil tendenziell weniger Menschen in der westlichen Welt rauchen. „Nicht nur Rauchen ist ein Risikofaktor für COPD: Auch das Alter spielt eine wichtige Rolle, denn mit zunehmendem Alter nimmt die Lungenfunktion ab – ein natürlicher Prozess, den wir als Lungenalterung bezeichnen, und der jeden alternden Menschen betrifft. Dies hat aber natürlich umso mehr negative Auswirkungen für den Betroffenen, wenn seine Lunge bereits vorgeschädigt ist, wie z.B. durch jahrelanges Rauchen oder eine chronische Lungenerkrankung“, erläutert Prof. Jany. In den Populationen der Industrienationen wird sich wegen der steigenden Lebenserwartung u.a. aufgrund einer besseren medizinischen Versorgung ein stärkerer Zuwachs in den höheren Altersklassen – die so genannte Alterspyramide – abzeichnen.

Das wird auch die Belastung des Gesundheitssystems erhöhen: Mehr alternde Patienten mit altersbedingt mehr Begleiterkrankungen werden zu versorgen sein. Dabei dürfte die größte Krankheitslast den Forschern zufolge aber von COPD ausgehen, da COPD unter den zehn häufigsten zum Tode führenden Erkrankungen die einzige ist, deren Häufigkeit konstant zunimmt. Außerdem seien im Vergleich zu anderen Krankheiten bestehende Versorgungslücken bei COPD aufgrund der noch nicht ausreichenden Vorbeugung und möglichst frühzeitigen Behandlung weitaus größer. Bereits jetzt ist COPD weltweit die dritthäufigste Todesursache nach ischämischer Herzerkrankung und Schlaganfall.

Aktive und Ex-Raucher sollten regelmäßig zum Lungentest gehen

Auch wer mit dem Rauchen aufgehört hat, kann noch an COPD erkranken: Unter ehemaligen Rauchern weist schätzungsweise jeder siebte eine noch nicht diagnostizierte Atemwegsverengung auf – zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie aus Hong Kong (siehe International Journal of Chronic Obstructive Pulmonary Disease 2016, Band 1/1, Seite 2391-2399). Um eine Erkrankung an COPD möglichst früh zu erkennen, wird aktiven und ehemaligen Rauchern empfohlen, regelmäßig ihre Lungenfunktion vom Arzt überprüfen zu lassen. „COPD ist zwar nicht heilbar, in einem frühen Stadium lässt sich diese chronisch fortschreitende, entzündliche Lungenerkrankung aber noch gut behandeln: Die Entzündungsprozesse in den Atemwegen lassen sich dann medikamentös noch in den Griff bekommen und ein Fortschreiten der Erkrankung mit zunehmenden Atembeschwerden, Husten und Atemnot somit aufhalten. Voraussetzung ist selbstverständlich ein gleichzeitiger Rauchstopp, sonst können die besten Medikamente nicht helfen.

Zur Raucherentwöhnung gibt es medikamentöse und psychologische Unterstützung“, betont Prof. Jany. Bleibt die Atemwegsentzündung hingegen unbehandelt, nehmen die Lungenbläschen mit der Zeit Schaden und verlieren zusehends ihre Elastizität, so dass sie weniger Sauerstoff ins Gewebe abgeben und Kohlendioxid abtransportieren können. So entsteht die Atemnot. Auch die den Lungenbläschen Sauerstoff zuführenden Atemwege verstopfen zunehmend durch Anschwellen und Schleimbildung infolge der Entzündungsprozesse. So kommt es zu immer mehr Atembeschwerden und Husten und einer immer stärkeren Atemwegsverengung, die sich beim Lungenfunktionstest detailliert nachweisen lässt. Symptome der COPD, die anfänglich nur bei körperlicher Anstrengung auftreten, werden so immer häufiger und belasten den Patienten schließlich ständig – das heißt auch im Ruhezustand und nachts beim Schlafen.
 

DGP


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