Samstag, 22. September 2018
Navigation öffnen

Aktuelle Infos für Ärzte

07. Dezember 2017
Seite 1/2
Neubewertung der praktizierten Routine von Anämie- und Blutmanagement

Eine Anämie stellt einen Risikofaktor für Komplikationen dar – dies gilt für alle Fachdisziplinen. Daher ist sie rechtzeitig und leitliniengerecht zu behandeln. Neben Eisenpräparaten stehen dafür auch Erythrozytenkonzentrate (EKs) und Erythropoese stimulierende Substanzen (ESAs) zur Verfügung. Während EKs in der Vergangenheit zu häufig eingesetzt wurden (1), standen ESAs in puncto Sicherheit in der Diskussion (2). Aufgrund der aktuellen Datenlage und aktueller Leitlinien hat ein interdisziplinäres Expertenteam das landläufig praktizierte Anämie- und Blutmanagement nun auf den Kopf gestellt und neu bewertet. „Mit der kompakten Zusammenstellung möchten wir die Kollegen bei der Entscheidungsfindung unterstützen“, so das Fazit (3).
Anzeige:
Beide Therapievarianten, EKs sowie ESAs, bergen zwar gewisse Risiken, eingesetzt nach rationaler Indikationsstellung überwiegt jedoch ihr jeweiliger Nutzen. So verbessert sich bei anämischen Tumorpatienten durch eine ESA-Gabe nachweislich die Lebensqualität (4). Auch kann die Anzahl an Transfusionen reduziert werden. EKs wiederum stehen in Verbindung mit einer erhöhten Sterblichkeit (5,6) sowie transfusionsassoziierter Lungeninsuffizienz (7). Bei Tumorpatienten wird zusätzlich eine erhöhte Rezidivrate beschrieben (8). Leitliniengerecht eingesetzt, können EKs jedoch Leben retten (2). Im internationalen Vergleich führt Deutschland mit einer Transfusionsrate von 54,6 pro 1.000 Einwohner, verglichen mit den USA mit 34,5 und den Niederlanden mit 27,0.9
 
Anämie bei Tumorpatienten: Keine erhöhte Tumorprogression unter ESAs

Bei Tumorpatienten tritt eine Anämie häufig auf, vorrangig erkrankungsbedingt bzw. therapieinduziert. Betroffen sind besonders oft Patienten mit Lungenkrebs (72%) und gynäkologischen Tumoren (65%) (10). Generell gilt: Von den unter Chemo- oder Radiotherapie stehende Patienten mit soliden Tumoren ist etwa die Hälfte anämisch. „Eine Anämie sollte niemals unterschätzt werden“, betonte Prof. Dr. Dr. med. Hartmut Link, Kaiserslautern (3). Denn sie mindert nicht nur die Lebensqualität (körperliche und soziale Funktionsfähigkeit, psychisches Wohlbefinden und Vitalität) der Betroffenen, sondern stellt auch einen negativen prognostischen Faktor für das Gesamtüberleben dar (11). Deshalb, aber auch aufgrund der sicherheitsgetriebenen Diskussion, kommt der Therapiewahl große Bedeutung zu. Wann sollten ESAs eingesetzt werden und wann sollte eine Transfusion erfolgen? „Sowohl die aktuelle Datenlage als auch die deutschen und internationalen Leitlinien geben eindeutige Hinweise“, so Link.
 
Diskutiert wurden im Zusammenhang mit ESAs in der Vergangenheit eine erhöhte Sterblichkeit und das Risiko für eine Tumorprogression bei Tumorpatienten mit einem Hb-Wert, der über 12 g/dl angehoben wurde. Indiziert sind ESAs bei einem Hb-Wert von 8-10 g/dl, der Zielwert sollte 12 g/dl nicht übersteigen. In diesem therapeutischen Korridor zeigen ESAs ihr Potenzial: Reduktion von Transfusionen und Verbesserung der Lebensqualität bei Patienten mit Chemotherapie-induzierter Anämie. Bei leitlinienkonformer Therapie sind weder negative Auswirkung auf das Gesamtüberleben, noch eine Tumorprogression festgestellt worden (12,13). „Der Nutzen übersteigt nach heutiger Datenlage das einst so viel diskutierte Risiko deutlich“ resümierte Link. Im Moment werde die Maßnahme nach Link in der Onkologie noch zu selten genutzt.
 
EKs sollten hingegen nur bei symptomatischen Patienten mit hochgradiger Anämie (Hb-Wert <7-8 g/dl) und eingeschränkter Kompensationsfähigkeit transfundiert werden. Erst bei einem Hb-Wert unter 6 g/dl sind Transfusionen eindeutig indiziert (14). Bei indikationsfernem Einsatz liegen die Risiken in einer erhöhten Sterblichkeit und Komplikationsrate sowie einer höheren Tumorrezidivrate (2).
 
Vorherige Seite

Das könnte Sie auch interessieren

Grippeviren im Anmarsch - Tipps zum Schutz vor Ansteckung

Jedes Jahr aufs Neue rollen gegen Ende des Jahres die ersten Grippewellen an: Laut dem Robert-Koch-Institut erkranken während einer saisonalen Grippewelle in Deutschland zwischen zwei und zehn Millionen Menschen. Dr. Wolfgang Reuter, Gesundheitsexperte der DKV Deutsche Krankenversicherung, erklärt den Unterschied zwischen Erkältung und echter Grippe, der sogenannten Influenza. Zudem gibt er Tipps zu Schutzmaßnahmen gegen Grippeviren.

10 Fakten über Psychotherapie

Psychotherapie ist ein effektiver und sinnvoller Weg aus Krisen und Problemen. Wäre da nicht das Imageproblem. Um dieser Stigmatisierung entgegenzuwirken, wurde mit dem 5. Februar der Tag des Psychotherapeuten ausgerufen. Ein wichtiger Jahrestag, der zur Aufklärung von Missverständnissen beiträgt und das Bewusstsein für die lebenswichtige Arbeit schärft, die von Therapeuten täglich geleistet wird. Dr. Anabel Ternès ist Gründerin der digitalen Service-Plattform Psychologio, die Betroffenen einen vereinfachten Zugang zu einer psychotherapeutischen Behandlung ermöglicht.

Fleisch und Milchprodukte günstig, raffinierte Kohlenhydrate schlecht

Eine Studie mit mehr als 218.000 Teilnehmern aus über 50 Ländern zeigt: Nicht nur Obst, Gemüse und Nüsse sind herzgesund und verlängern das Leben, sondern auch nicht-verarbeitetes Fleisch und Milchprodukte. Die konsumierte Menge raffinierter Kohlenhydrate sollte begrenzt werden. Diese Studienergebnisse dürfen allerdings nicht als Freibrief für exzessiven Konsum für Fleisch und fetten Käse gesehen werden, sondern als Plädoyer für eine ausgewogene Ernährung, sagen deutsche Kardiologen.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Neubewertung der praktizierten Routine von Anämie- und Blutmanagement"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.