Freitag, 20. Oktober 2017
Navigation öffnen
Anzeige:

Aktuelle Infos für Ärzte

11. August 2017
Seite 1/2
Ringförmige RNA ist für Gehirnfunktion wichtig

Wissenschaftliche Untersuchungen haben erstmals gezeigt, dass ringförmige RNA Hirnfunktionen beeinflussen kann. Wenn ein RNA-Molekül namens Cdr1as aus dem Erbgut von Mäusen gelöscht wird, versagt der Reizfilter in ihrem Gehirn – ähnlich wie bei Patienten, die psychiatrische Leiden haben.
Anzeige:
Im Gehirn von Säugetieren kommen ringförmige RNAs (circRNA) in Hunderten verschiedenen Varianten vor. Trotz dieser Fülle blieb eine Frage bislang unbeantwortet: Wofür sind sie dort eigentlich gut? Nun präsentieren Forscher aus Berlin erstmals Daten, die die seltsamen Ringe mit Hirnfunktionen verknüpfen.

RNA ist mehr als ein gewöhnlicher Bote zwischen der DNA und den Proteinen, in das das Erbgut übersetzt wird. Vielmehr gibt es etliche Arten nicht-kodierender RNA. Das kann lange nicht-kodierende RNA (lncRNA) sein oder kurze regulatorische RNA (miR), die Moleküle können bei der Protein-Produktion stören (siRNA) oder sie mit ihrer Unterstützung ermöglichen (tRNA). In den vergangenen 20 Jahren haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler etwa 2 Dutzend RNA-Varianten entdeckt, die verschlungene Netzwerke im molekularen Mikrokosmos bilden. Die rätselhaftesten unter ihnen sind die circRNAs. Bei dieser ungewöhnlichen RNA-Klasse verbinden sich beide Enden kovalent zu einem geschlossenen Ring. Jahrzehntelang wurden diese Strukturen als eine seltene, geradezu exotische RNA-Art abgetan. Das Gegenteil ist der Fall. Mit den neuesten RNA-Sequenziermethoden konnte aufgedeckt werden, dass es sich um eine umfangreiche RNA-Klasse handelt, die vor allem im Gehirn vorkommt.

Es gibt Tausende Arten ringförmiger RNA bei Fadenwürmern, Mäusen und Menschen

Im Jahr 2013 erschienen 2 bahnbrechende Studien zur Charakterisierung der ringförmigen RNA im Fachblatt Nature, eine davon kam aus dem Labor von Nikolaus Rajewsky. Die meisten Ringe sind demnach erstaunlich beständig, sie schweben stunden-, mitunter tagelang im Zytoplasma. Die Systembiologen schlugen vor, dass circRNA zumindest manchmal der Genregulation dient. Cdr1as – ein 1-strängiger RNA-Ring, der 1.500 Nukleotide lang ist – könnte microRNA wie ein „Schwamm“ aufsaugen. So bietet er zum Beispiel mehr als 70 Andockstellen für eine microRNA namens miR-7. MicroRNAs sind kurze RNA-Moleküle, die sich meist an eine komplementäre Sequenz der Boten-RNA anheften und so kontrollieren, in welcher Menge eine Zelle bestimmte Proteine produziert.

Außerdem haben Rajwesky und sein Team Datenbanken durchforstet und dabei Tausende unterschiedliche circRNAs in Fadenwürmern, Mäusen und Menschen entdeckt. Die meisten dieser Ringe hatten sich im Laufe der Evolution kaum verändert. „Wir sind auf ein paralleles Universum voller RNAs gestoßen, die noch niemand ergründet hatte“, sagt Rajewsky. Die Publikation zog Hunderte weiterer Studien nach sich. „Das Feld ist geradezu explodiert.“

Einen Ring verstehen, der vor allem in Neuronen vorkommt

Für die Studie, die nun in Science erscheint, taten sich die Systembiologen mit der Arbeitsgruppe von Carmen Birchmeier, Berlin, zusammen und schauten sich Cdr1as abermals an. „Dieser spezielle Ring ist vor allem in Neuronen zu finden, die Erregung weiterleiten. In Glia-Zellen kommt er dagegen nicht vor“, sagt Monika Piwecka. „Im Hirngewebe von Mäusen und Menschen heften sich daran 2 microRNAs an: miR-7 und miR-671.“

Mithilfe der Gen-Schere CRISPR/Cas9 entfernte das Team anschließend die circRNA Cdr1as aus dem Erbgut von Mäusen. Die meisten microRNAs in den 4 untersuchten Hirnregionen der Tiere beeinträchtigte das gar nicht. Allerdings war weniger miR-7 und mehr miR-671 vorhanden, und zwar nach der Transkription. Das ist im Einklang mit der Idee, dass Cdr1as im Zytoplasma mit microRNAs interagiert.

 
Vorherige Seite

Stichwörter

Das könnte Sie auch interessieren

Wissen ist das beste Beruhigungsmittel – Das Blog zur Migräne- und Kopfschmerz-App M-sense

Nur wer die wesentlichen Vorgänge von Migräne- und Kopfschmerz-Attacken in seinem Körper versteht, erlangt genug Orientierung und Kompetenz im Umgang mit seiner Krankheit. Darum haben wir von der Migräne und Kopfschmerz-App M-sense ein Blog gestartet, in dem wir unsere Expertise teilen und diskutieren: von aktuellen Studien bis zur weiterführenden Link-Sammlung, von Erfahrungen, Rückschlägen und Hilfe. Doch vor allem möchten wir hier Wissen, Kompetenz und Verständnis vermitteln. Die M-sense-Nutzer sollen ebenfalls zu Wort kommen, schließlich sind die meisten mittlerweile selbst zum Experten für ihre Krankheit geworden. In kurzen Interviews werden verschiedene Nutzer und ihre Erfahrungen vorgestellt.

Vitamin D-Mangel begünstigt Ausbildung von Osteoporose

Osteoporose ist eine Erkrankung des Skeletts, bei der die Knochen an Festigkeit verlieren und leichter brechen. Dann kann es schnell zu einem Knochenbruch kommen. Sehr oft betroffen sind der Oberschenkelhalsknochen oder die Arme. Eine Ursache für ein schwaches Knochengefüge kann Vitamin D-Mangel sein, wie Prof. Andreas Roth, Leiter des Bereichs Endoprothetik der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie am UKL, anlässlich des Welt-Osteoporose-Tages am 20. Oktober erläutert. Doch auch ein Zuviel an Vitamin D kann zu Gefährdungen führen.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Ringförmige RNA ist für Gehirnfunktion wichtig"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!