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17. Mai 2018 Sonnenscheindauer kann möglicherweise den Beginn eines tödlichen Herzinfarktes beeinflussen

Ein internationales Wissenschaftlerteam hat eine Regel auf der Grundlage der Chronobiologie des Herzinfarktes beim Menschen entdeckt. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass saisonale Rhythmen im Zusammenhang mit der Sonneneinstrahlung den zirkadianen Rhythmus des Herzinfarktes beeinflussen können.
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Der „ST-Elevation akuter Myokardinfarkt (STEMI)“ tritt auf, wenn eine Arterie, die zum Herzmuskel führt, vollständig blockiert ist und ein großer Teil des Herzens kein Blut aufnehmen kann. Infolgedessen beginnt das Herzmuskelgewebe in diesem Bereich schnell abzusterben. Die Tatsache, dass der Beginn von STEMI einen zirkadianen Rhythmus mit einem Höhepunkt während der Tagesstunden hat, ist in der wissenschaftlichen Literatur als allgemeine Regel des Herzinfarkts gut beschrieben. Ebenso wichtig ist eine zweite Regel, die darauf hindeutet, dass ein saisonaler Rhythmus beim Auftreten von STEMI auch in den Wintermonaten mit einem markanten Höhepunkt der Krankheitsfälle und einem ausgeprägten Tiefpunkt der Fälle in den Sommermonaten vorliegt. So können Umwelt- und Klimafaktoren eine wichtige Rolle bei der STEMI-Pathogenese spielen.

Es ist jedoch nicht bekannt, ob der zirkadiane Rhythmus durch den saisonalen Rhythmus insbesondere während der sommerlichen Reduktion des STEMI-Vorkommens verändert wird. Dr. Carlo Vittorio Cannistraci hat zusammen mit Dr. Enrico Ammirati vom Niguarda Hospital Milano (Italien) eine Studie durchgeführt, die zum ersten Mal dieses Thema untersuchte und dabei Daten von mehreren 1.000 Patienten mit Herzinfarkt weltweit analysierte. Die Ergebnisse dieser multiethnischen und multinationalen epidemiologischen Studie, die Patienten aus beiden Hemisphären in unterschiedlichen Breitengraden berücksichtigt, kommen zu dem Schluss, dass der zirkadiane Rhythmus des STEMI-Zeitbeginns im Laufe des Jahres variiert und eine Abhängigkeit von den saisonalen und sonnigen Rhythmen zeigt. Insbesondere stellte die Studie fest, dass sich die Zeit des STEMI-Einsatzes im Sommer deutlich in das nächtliche Intervall verschiebt (18.00-6:00 Uhr) und dieses von den Autoren als "Sommerschicht" bezeichnete Phänomen scheint mit der Sonnenscheindauer verbunden zu sein (anders als die Sonnenscheindauer, die nur die Anzahl der Stunden mit Licht an einem Tag ist), was ein Maß ist, das umgekehrt mit der Bewölkung und direkt mit der Dauer der Sonneneinstrahlung zusammenhängt. Diese Entdeckung könnte eine dritte Säule in der Definition der allgemeinen Regeln werden, die die Chronobiologie des Herzinfarkts charakterisieren.

Der Erstautor Carlo Vittorio Cannistraci sagt: "Nachdem wir die Anwesenheit dieser Sommerschicht entdeckt hatten, war ein Punkt in der Studie immer noch 'fragwürdig‘. Was sind die klimatischen Faktoren, die mit der Sommerschicht verbunden sind? Dann hatte ich eine Intuition: Eine Kohorte aus Singapur könnte entscheidend sein. Denn in diesem Breitengrad können die Temperatur und die Sonnenscheindauer als konstant über das Jahr betrachtet werden, daher sollte die Sommerverschiebung Zustimmung finden. Erstaunlicherweise haben wir festgestellt, dass die Verschiebung des STEMI-Vorkommens (genannt STEMI-Verschiebung) vom Tages- zum Nachtintervall direkt mit Messungen der Sonneneinstrahlung korreliert war. Daher könnte auch die "Sommerverschiebung" in der Region weit zum Äquator mit der Höhe der Bestrahlungsstärke in diesem Breitengrad in Verbindung gebracht werden. Um einen schlüssigen Beweis zu haben, haben wir die Korrelation der entdeckten STEMI-Verschiebung über das Jahr in der finnischen Kohorte mit dem Serumspiegel von Vitamin D (das ein natürlicher Marker für die Sonneneinstrahlung ist) in diesem Breitengrad überprüft. Diese letzte Analyse schlug vor, dass, wenn das Vitamin D im Serum während des Sommers aufgrund der höheren Sonneneinstrahlung steigt, dann eine konstante Anzahl von Herzinfarkten im nächtlichen Intervall wandern, was die Tatsache bestätigt, dass die Sommerverschiebung mit der Höhe der Sonneneinstrahlung im Laufe des Jahres verbunden ist. Weitere Studien sollten nun die Gründe und molekularen Mechanismen dieser neuen Regel, die die Chronobiologie des Herzinfarkts regelt, untersuchen.“

Technische Universität Dresden


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