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10. Oktober 2018 Versorgungsforschung: Positive Effekte von Tapentadol bei frühzeitigem Einsatz

Ein Thema der neuen Fortbildungsreihe DGS-Regionalkonferenzen „Update Schmerzmedizin 2018“ der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) war die Untersuchung der Effekte von Tapentadol bei der Behandlung von chronischen Rückenschmerzen in Abhängigkeit vom Einsatzzeitpunkt. Bei der Auswertung von Real World Daten aus dem deutschen PraxisRegister Schmerz wurde deutlich, dass eine frühzeitige Umstellung von WHO-Stufe-1-Analgetika auf retardiertes Tapentadol (Palexia® retard) bei allen untersuchten Parametern vorteilhaft war. Dementsprechend sei der richtige Zeitpunkt für eine gute Response wichtig, folgerte PD. Dr. Michael A. Überall, Regionales Schmerzzentrum der DGS, Nürnberg.
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Seit August ist die DGS mit einem neuen Fortbildungsformat, den sog. „DGS Regionalkonferenzen“, in Deutschland „auf Tour“. Ziel dieser Veranstaltungsreihe ist es, die Zusammenarbeit unter den schmerzmedizinisch tätigen Ärzten zu intensivieren und somit die Vernetzung in der jeweiligen Region voranzutreiben. „Letztendlich geht es uns um eine flächendeckende Verbesserung der Versorgung von Menschen mit chronischen Schmerzen“, betonte Überall bei der zweiten Veranstaltung in Köln.

Verträglichkeit für Therapieerfolg wichtig

Welche der Rolle der Einsatzzeitpunkt stark wirksamer Analgetika wie Tapentadol bei der Behandlung von chronischen Rückenschmerzpatienten spielt, wurde im Rahmen der Auswertung von Real World Daten, deren noch nicht publizierte Ergebnisse Überall präsentierte, untersucht. Sie hätten gerade diesen dualen Wirkstoff für diese Fragestellung ausgewählt, weil es das starke Analgetikum sei, dessen Nebenwirkungsprofil sich am stärksten von den klassischen Opioiden unterscheide und deshalb für einen frühzeitigen Einsatz prädestiniert sein könnte, erläuterte Überall. Die Ergebnisse zeigen, dass es nicht immer sinnvoll ist, dem WHO-Schema von Stufe zu Stufe zu folgen. Denn viele Patienten bräuchten schon frühzeitig ein stark wirksames Analgetikum, so der Schmerzexperte. Außerdem gelte es, bei der Therapiewahl individuelle Besonderheiten wie das vorliegende Schmerzsyndrom, Begleiterkrankungen, Kontraindikationen etc. zu berücksichtigen. Probleme bereite sehr häufig die unzureichende Verträglichkeit der klassischen Opioide. In einer Studie entwickelten unter Morphin oder Oxycodon, trotz Gabe von Laxanzien, 50-60% der Patienten eine opioidinduzierte Obstipation (1). Ein Viertel der Patienten brach die Therapie aufgrund von Unverträglichkeiten ab – und am Ende erreichte weniger als ein Drittel das individuelle Behandlungsziel (1). Zudem gäbe es kaum eine Evidenz für die Wirksamkeit von Laxanzien, obwohl diese häufig verschrieben würden, gab Überall zu bedenken.

Auswertung zeigt: Je früher Tapentadol, desto besser der Therapieerfolg

Um den idealen Einsatzzeitpunkt für den modernen µ-Opioidrezeptor-Agonisten (MOR) und Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (NRI) Tapentadol retard zu bestimmen, wertete Überall gemeinsam mit Dr. Gerhard H.H. Müller-Schwefe, Göppingen, Daten des PraxisRegisters Schmerz aus, in dem Ende letzten Jahres rund 174.000 Patienten verzeichnet waren. Darunter waren mehr als 10.000 mit Tapentadol behandelte Patienten, die nach der Vorbehandlung in 3 Gruppen eingeteilt wurden:
 
  • Gruppe 1: Umstellung von WHO-Stufe I (Nicht-Opioid-Analgetika) auf Tapentadol
  • Gruppe 2: Umstellung von WHO-Stufe II (schwache Opioide) auf Tapentadol
  • Gruppe 3: Umstellung von WHO Stufe III (starke Opioide) auf Tapentadol

Bei 252 im Hinblick auf Alter, Geschlecht, Chronifizierungsgrad etc. zueinander passenden Patienten je Gruppe ergab die Auswertung nach einem 12-wöchigen Behandlungszeitraum in jeder Hinsicht Vorteile zugunsten der frühzeitigen Umstellung von Stufe-I-Analgetika auf Tapentadol. In allen 3 Gruppen haben zwischen 25 und knapp 30% der Patienten die Behandlung vorzeitig abgebrochen – in Gruppe 1 erfolgte der Abbruch bei 17,5% aufgrund von so starker Wirkung, dass keine weitere Behandlung mehr notwendig war. Diese Beobachtung gibt nach Überall einen ersten Hinweis darauf, dass Tapentadol offensichtlich bei frühzeitigem Einsatz stärker wirkt. Genau das sei wünschenswert, denn die Patienten sollten möglichst nur so wenige Medikamente wie möglich und diese auch nur so lange wie nötig erhalten, schlussfolgerte Überall.

Schmerzintensität, Alltagskompetenz, Lebensqualität und Darmfunktion verbessert

Beim Blick auf die klinisch relevanten Veränderungen im Vergleich zum Ausgangsbefund ergibt sich folgendes Bild (Abb. 1). Bei den meisten untersuchten Parametern erzielte die direkte Umstellung von WHO Stufe I auf Tapentadol die größten Effekte: Mehr als 80% der Patienten zeigten eine Reduktion der Schmerzintensität um mindestens 50% (Δ PIX ≥ 50%), gut zwei Drittel eine mindestens 50%ige Verbesserung der Alltagskompetenz (Δ mPDI ≥ 50%), über die Hälfte eine Abnahme neuropathischer Schmerzanteile (Δ PDQ ≥ 50%) und über 70% eine Verbesserung der Lebensqualität (Δ QLIP ≥ 50%). Betrachtet man speziell die Normalisierung der Schlafdauer (QLIP-2), wurde diese bei 90% erreicht. Unter Dauerschmerzen (QLIP-3) litten nach der Umstellung in Gruppe 1 nur noch 20% der Patienten.
 
Abb. 1: Klinisch relevante Änderung vs. Ausgangsbefund bzgl. definierter Zielkriterien
Abb. 1: Klinisch relevante Änderung vs. Ausgangsbefund bzgl. definierter Zielkriterien


Eindrucksvoll waren zudem die Auswirkungen der Umstellung auf die Darmfunktion (gemessen anhand des Bowel Function Index BFI). Die Patienten der Gruppe 1 waren vor und nach der Umstellung nahezu unbeeinträchtigt. Bei Patienten der Gruppe 2, die vor der Umstellung im Mittel knapp unterhalb der Grenze zur Beeinträchtigung lagen, kam es nach der Umstellung zu einer weitgehenden Normalisierung. Patienten der Gruppe 3, die vor der Umstellung massiv beeinträchtigt waren, lagen 12 Wochen nach der Umstellung im Mittel ebenfalls unterhalb des kritischen Grenzwertes. Die vielen positiven Effekte einer frühzeitigen Umstellung seien bemerkenswert und würden dazu beitragen, eine Chronifizierung der Schmerzen zu vermeiden, resümierte Überall.

Quelle: Grünenthal

Literatur:

(1) Ueberall MA and Mueller-Schwefe GH. J Pain Res 2015;8:459-475.


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