Freitag, 20. April 2018
Navigation öffnen

Aktuelle Infos für Ärzte

11. Januar 2018 Wie Omega-3-Fettsäuren das Immunsystem fit halten

Omega-3-Fettsäuren sind vor allem in Pflanzenöl und Fisch vorkommende essenzielle Nahrungsbestandteile, die sich in zahlreichen Untersuchungen als gesundheitsfördernd für das Herz-Kreislauf-System erwiesen haben. Darüber hinaus spielen sie auch eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr, indem sie Grundbausteine für entzündungsauflösende Substanzen (Resolvine) liefern, die das Abklingen von Entzündungsreaktionen z.B. infolge von mikrobiellen Infektionen fördern. Ein internationales Forscherteam hat jetzt Studienergebnisse vorgestellt, die den zugrundeliegenden zellulären Mechanismus der Auflösungsphase von Entzündungsreaktionen erklärt. Demnach nehmen krankheitserregende Bakterien gezielt Einfluss auf die Funktion von Makrophagen und steuern so den gesamten Prozess der Entzündung anhand unterschiedlicher Fettsäuren.
Anzeige:
„Bei einer Entzündung handelt es sich um eine Abwehrreaktion des Körpers auf einen schädlichen Reiz, etwa eindringende Krankheitserreger oder eine Gewebeverletzung“, erläutert Prof. Dr. Oliver Werz von der Uni Jena die Grundlagen. Ziel sei es, damit den schädlichen Reiz zu eliminieren und zerstörtes oder geschädigtes Gewebe zu regenerieren. „Dazu ist es aber notwendig, dass sowohl die Auslösung des Entzündungsgeschehens als auch dessen Abklingen vom Immunsystem genau reguliert werden“, macht der Inhaber des Lehrstuhls für Pharmazeutische und Medizinische Chemie deutlich. Geraten diese Prozesse aus der Balance laufe der Organismus Gefahr, dass sich chronische Entzündungen einstellen, wie es beispielsweise bei Arteriosklerose oder Autoimmunerkrankungen der Fall ist.

Makrophagen produzieren entzündungsregulierende Substanzen

In ihren Experimenten konnten die Forscher zeigen, dass pathogene Erreger wie Staphylococcus aureus und Escherichia coli in unterschiedlichen Makrophagenpopulationen gegensätzliche Wirkungen hervorrufen. So stimulieren sie die sogenannten „M1-Makrophagen“, die vor allem in der Entzündungsphase aktiv sind, zur Produktion von entzündungsfördernden Signalstoffen (Prostaglandine und Leukotriene). „M2-Makrophagen“ dagegen, die während des Abklingprozesses der Entzündung im Vordergrund stehen, werden von den Bakterien dazu gebracht, vermehrt entzündungsauflösende Substanzen (Resolvine, Lipoxine, Maresine, Protektine) aus Omega-3-Fettsäuren zu bilden.

Die Interaktion von M1-Makrophagen mit pathogenen Keimen war bereits bekannt. Dass Bakterien M2-Makrophagen zur Freisetzung entzündungsauflösender Substanzen aus Omega-3-Fettsäuren anregen, ist jedoch eine völlig neue Erkenntnis für die Forscher. „Die Aktivierung beider Phasen der Entzündung macht durchaus Sinn, denn so sorgt das Immunsystem dafür, dass nach einer erfolgreich abgewehrten Infektion die unschädlich gemachten Bakterien aus dem Gewebe beseitigt und die Entzündungsreaktion gestoppt werden“, sagt Oliver Werz. Für den Pharmazeuten und seine Kollegen in Jena und Boston ist nun vor allem die Frage interessant, wie sich die gewonnenen Erkenntnisse künftig für die Behandlung chronisch-entzündlicher Erkrankungen nutzen lassen.

Friedrich-Schiller-Universität Jena

Literatur:

Werz O. et al.
Human macrophages differentially produce specific resolvin or leukotriene signals that depend on bacterial pathogenicity.
Nature Communications 9 (2018) doi:10.1038/s41467-017-02538-5


Das könnte Sie auch interessieren

Rund 40 Prozent der Angstpatienten brechen MRT-Untersuchung ab

Klaustrophobie hält 15 Prozent der Patienten davon ab, sich trotz starker Schmerzen mittels der Magnetresonanztomografie untersuchen zu lassen. Dies hat für Ärzte, Therapeuten und Krankenkassen kostenintensive Folgen. Am schlimmsten betroffen ist jedoch der Patient selbst: Statt sich einer Diagnose zu stellen, leidet er oftmals monatelang unter starken Schmerzen. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass Angstpatienten die MRT-Untersuchung akzeptieren, wenn Fachpersonal sie vor und während des Termins persönlich intensiv begleitet und berät. Zudem ist es wichtig, dass sie aus dem MRT-Gerät herausschauen können wie bei dem innovativen Upright-MRT. Dagegen brechen mehr als ein Drittel der Befragten (39 Prozent) eine Untersuchung in einer geschlossenen MRT-Röhre mittendrin ab und im „Sandwich“-MRT steigen 16,6 Prozent aus. Das hat eine Diplomarbeit „Klaustrophobie in der MRT oder die Angst vor der Röhre“ in einer aktuellen Studie1 herausgefunden. Eine umfassende Beratung bei Bedenken vor der MRT-Untersuchung bietet den Betroffenen das neue Webportal www.angst-im-mrt.de.

Über 6 Millionen an Osteoporose erkrankt

6,3 Millionen Menschen leiden heute in Deutschland an Osteoporose.(1) Jede vierte Frau über 50 Jahren ist betroffen, jeder 17. Mann.1 Jedes Jahr erkranken rund 885.000 Menschen neu an der Volkskrankheit.(1) Häufig bleibt jedoch die Krankheit unerkannt und unbehandelt. Nur 25 Prozent der Erkrankten werden in Deutschland medikamentös behandelt.(2) Im Vergleich: In Frankreich erhalten fast 60 Prozent der Erkrankten, in Spanien über 80 Prozent eine Osteoporose-Therapie.(2) Diagnose- sowie Behandlungsmöglichkeiten werden in Deutschland nicht ausreichend genutzt, warnen Experten anlässlich des Welt Osteoporose Tags am 20. Oktober.

Tagebuch hilft Pflegenden beim Erkennen eigener Bedürfnisse

Viele pflegende Angehörige nehmen ihre eigenen Bedürfnisse kaum mehr wahr. Die Sorge um den Angehörigen oder die Angst, der Aufgabe nicht gerecht zu werden, können den Blick auf sich und eigene Wünsche verstellen, erklärt Daniela Sulmann vom Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP). "Als erstes gilt es dann zu versuchen, sich selbst wieder stärker in den Fokus zu nehmen und zu formulieren, was man braucht." Das jedoch sei leichter gesagt als getan. Sulmann empfiehlt Pflegenden daher, ein Tagebuch zu führen.

So kommen Senioren gut durch den Winter

Im Winter neigen vor allem ältere Menschen dazu, sich zu Hause einzuigeln. Aber zu wenig an Bewegung, frischer Luft und Tageslicht können schnell das Immunsystem schwächen, den Stoffwechsel verlangsamen und aufs Gemüt schlagen. „Senioren sollten auch im Winter auf ausreichend Bewegung achten. Andernfalls haben sie es im Frühjahr deutlich schwerer, wieder in Schwung zu kommen“, sagt Klaus Möhlendick, Diplom-Sportwissenschaftler bei der BARMER GEK. Regelmäßige Bewegung ist deshalb so wichtig, weil sie den altersbedingten physiologischen Funktionsverlust verlangsamt und die Lebenserwartung bei guter Gesundheit erhöht.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Wie Omega-3-Fettsäuren das Immunsystem fit halten"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!