Freitag, 14. Mai 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
FSME
FSME
Medizin
12. Januar 2017

von-Willebrand-Syndrom: App hilft bei der Einschätzung, ob Menstruationsblutung auffällig ist

Das von-Willebrand-Syndrom (vWS) ist mit einer Prävalenz von etwa 1% die häufigste angeborene Gerinnungsstörung in der Bevölkerung überhaupt. Im Alltag eher harmlos, kann ein unentdecktes vWS bei operativen Eingriffen, Unfällen oder Geburten zu schwer kontrollierbaren Blutungen führen. Gerade in der gynäkologischen Praxis sollte ein besonderes Augenmerk auf blutungsauffällige Patientinnen gelegt werden, denn viele von vWS betroffene Frauen und Mädchen haben eine verstärkte und/oder verlängerte Menstruationsblutung. Doch wann genau ist eine Regelblutung noch normal? Um diese Abklärung zu erleichtern und die Früherkennung des vWS zu stärken, wurde von CSL Behring in Zusammenarbeit mit Frau Dr. Susan Halimeh vom Gerinnungszentrum Rhein Ruhr die App „MyFlow Score“ entwickelt.
Anzeige:
FIASP
FIASP
 
Da viele Betroffene nicht einschätzen können, wie viel Blutverlust physiologisch ist bzw. sich an weiblichen Familienmitgliedern orientieren, die aufgrund der Heredität des VWS ebenfalls betroffen sein können, wird dies beim Besuch des Gynäkologen meist nicht thematisiert. Daher ist es wichtig, zielgerichtet nach der Anzahl an verbrauchten Hygieneartikeln, Fehlzeiten in Schule und Beruf etc. zu fragen, um eine mögliche Menorrhagie/Hypermenorrhoe zu diagnostizieren. Gerade wenn die Periode schon immer sehr stark war, liegt der Verdacht auf eine Gerinnungsstörung nahe.

Mit der neu entwickelten App „My Flow Score“ können Patienten Ihren Verbrauch an Hygieneartikeln noch einfacher dokumentieren. Jeden Tag tragen sie dort ihren Be-darf an Hygieneartikeln, wie Binden oder Tampons und deren Durchnässungsgrad ein. Der App hinterlegt ist zur Berechnung der Blutungsstärke ein wissenschaftlich fundierter Score, der „pictorial blood assessement chart“ (PBAC)*. Liegt er über 100, sollte eine Abklärung beim Gynäkologen erfolgen. Mögliche andere Ursachen einer verstärkten Regelblutung, wie z.B. Endometriose oder Myome in der Gebärmutter sollten ausgeschlossen werden. Weitere Warnzeichen, die auf ein vWS hindeuten, sind häufiges Nasenbluten ohne mechanische Reize (z.B. Schnäuzen), die Neigung zu blauen Flecken schon bei leichten Stößen, Impfhämatome, Zahnfleischbluten, Nachblutung bei Zahnextraktion, schwer stillbare Blutungen nach Routineeingriffen (z.B. Tonsillektomie, Adenotomie) sowie postpartale Hämorrhagien. Zur weiteren Abklärung haben sich standardisierte Anamnesebögen bewährt. Diese können beim Netzwerk vWS im Internet unter www.netzwerk-von-willebrand.de angefordert werden.

Verdacht auf vWS? – an Gerinnungszentren überweisen

Wird durch die Anamnesebögen ein erhöhtes Risiko festgestellt, sollten die Patienten zur weiteren Abklärung an ein auf Hämostasestörungen spezialisiertes Gerinnungszentrum überwiesen werden. Dort sollte die Differentialdiagnose durchgeführt und ggf. eine Therapie eingeleitet werden. Ein Überblick über Gerinnungszentren in Deutschland findet sich ebenfalls auf der Homepage des Netzwerkes vWS. Patienten mit leichtem vWS können mit dem Hormonanalogon DDAVP behandelt werden, das die Freisetzung des vWF aus den körpereigenen Speichern stimuliert.

Doch die Wirksamkeit von DDAVP muss vorab in einem mehrstündigen Test geprüft werden, da die Substanz in bis zu 30% der Patienten mit einer angeborenen Blutgerinnungs-störung eine nur unzureichende oder gar keine Freisetzung des von-Willebrand-Faktors bewirkt. In solchen Fällen stellen Faktorkonzentrate die Alternative der Wahl dar. Patienten mit einem defekten vWF oder starkem vWF-Mangel und einer ausgeprägten Blutungsneigung bedürfen einer Substitutionstherapie mit Faktorkonzentraten, die eine hohe standardisierte vWF-Konzentration aufweisen (z. B. Haemate® P oder Voncento®).
Die App kann kostenlos im Google-Play Store und im iOS App Store heruntergeladen werden.

*Halimeh et al., Haemophilia. 2016 May;22(3):e217-20 http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/hae.12886/full
 

Quelle: Netzwerk vWS – eine Initiative zur Früherkennung des von-Willebrand-Syndroms


Anzeige:
Pradaxa
Pradaxa

Das könnte Sie auch interessieren

Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) vergibt Deutschen Preis für Patientensicherheit 2018

Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) vergibt Deutschen Preis für Patientensicherheit 2018
© psdesign1 / fotolia.com

In deutschen Krankenhäusern sterben jährlich etwa 15 000 Patienten an Infektionen. Damit diese weitestgehend vermieden und Patienten schnellstmöglich behandelt werden können, ist ein gutes Infektions-management notwendig. Das Kompetenzzentrum „Mikrobiologie und Hygiene" der St. Franziskus-Stiftung Münster verfolgt dazu seit 2014 ein umfassendes interdisziplinäres Gesamtkonzept für mehr Patientensicherheit. Der Fokus liegt dabei auf der Infektionsvermeidung, dem Infektionsmanagement und sowie dem Schutz vor Keimübertragung. Das...

Pilzinfektionen innerer Organe – Oft übersehen und gefährlich!

Pilzinfektionen innerer Organe – Oft übersehen und gefährlich!
©sinhyu - stock.adobe.com

Menschen, deren Immunsystem erheblich geschwächt ist, tragen ein hohes Risiko für schwerwiegende Infektionen. Bei Lungen- und Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung stehen in der Regel Bakterien, seltener Viren unter Verdacht. Pilze werden als mögliche Auslöser dagegen meist übersehen – mit fatalen Folgen. Unerkannt und somit gar nicht oder falsch behandelt, sind solche invasiven Pilzinfektionen meist tödlich.

Stress, Angst, Trauer: Immer mehr Menschen mit Depressionen

Stress, Angst, Trauer: Immer mehr Menschen mit Depressionen
© Kittiphan - stock.adobe.com

Isolation, Streit in der Familie, Existenzängste durch Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit, Insolvenz: In der Corona-Krise haben Menschen besonders stark mit psychischen Problemen zu kämpfen. Was sich durch die Pandemie jetzt noch einmal zuspitzt, ist bereits seit Jahren ein ernstzunehmendes Problem. Laut Daten der KKH Kaufmännische Krankenkasse leiden immer mehr Menschen an Depressionen: 2018 haben Ärzte bei rund 220.000 KKH-Versicherten bundesweit eine depressive Episode diagnostiziert. Gegenüber 2008 bedeutet das ein Plus von rund 40 %. Den im Ländervergleich...

Mehr allergische Reaktionen nach Wespenstichen

Mehr allergische Reaktionen nach Wespenstichen
© abet - stock.adobe.com

Experten warnen in diesen Tagen in den Medien vor einem extremen Wespen-Sommer 2019. Normalerweise gehen uns die schwarz-gelben Insekten erst im August und September auf die Nerven, doch dank der Saharahitze gehen Fachleute nun von einer verfrühten Saison mit mehr Wespen aus. In den vergangenen beiden Sommern hielt sich die Plage laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse dagegen in Grenzen: Demnach wurde knapp jeder Fünfte von rund 1.000 Befragten mindestens einmal von einer Wespe gestochen. Nur 13 Prozent der Betroffenen sagten, dass...

Schlaganfall Rehabilitation: Technologische Unterstützung durch Roboter und funktionelle Elektrostimulation am Prüfstand

Schlaganfall Rehabilitation: Technologische Unterstützung durch Roboter und funktionelle Elektrostimulation am Prüfstand
©kras99 - stock.adobe.com

Einige Roboter können bei der Rehabilitation von Schlaganfall-PatientInnen als Ergänzung einer Standardtherapie einen klinischen Zusatznutzen schaffen. Für eine andere Methode, die funktionelle elektrische Stimulation einzelner Muskeln oder Muskelgruppen, kann ein solcher Zusatznutzen nicht nachgewiesen werden. Das sind die Ergebnisse einer auf wissenschaftlicher Evidenz basierenden Studie, die das Austrian Institute for Health Technology Assessment (AIHTA) gemeinsam mit einer deutschen Leitlinienarbeitsgruppe durchgeführt und nun veröffentlicht hat. Nach...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"von-Willebrand-Syndrom: App hilft bei der Einschätzung, ob Menstruationsblutung auffällig ist"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Corona-Regeln werden für Geimpfte und Genesene gelockert
  • Corona-Regeln werden für Geimpfte und Genesene gelockert