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Medizin

25. Januar 2017 Komplementärmedizinische Verfahren mit wissenschaftlichen Methoden erforschen

Wie kann die Ernährung Autoimmunerkrankungen wie z.B. die Rheumatoide Arthritis beeinflussen? Welchen Beitrag leistet Akupunktur bei der Therapie chronischer Erkrankungen? Diesen und weiteren Fragen gehen die vier Universitätsklinika Baden-Württembergs im neu gegründeten Akademischen Zentrum für Komplementäre und Integrative Medizin (AZKIM) nach. Der Verbund erforscht die Wirkung und Sicherheit von komplementärmedizinischen Verfahren mit wissenschaftlichen Methoden. AZKIM wird vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) Baden-Württemberg mit insgesamt 1,2 Millionen Euro über einen Zeitraum von drei Jahren gefördert.
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"Häufig besteht eine Distanz zwischen den Vertretern der konventionellen Medizin und der Komplementärmedizin. Dabei liegt in deren Zusammenwirken gewaltiges Potential - für die Medizin und die Behandlung kranker Menschen. Noch sind viele Fragen beispielsweise zur Wirkung pflanzlicher Stoffe und zum Zusammenwirken komplementärer und konventioneller Methoden offen. Durch die Bündelung ihrer Expertise können die Medizinischen Fakultäten in Heidelberg, Freiburg, Ulm und Tübingen auf einer soliden wissenschaftlichen Grundlage wertvolles neues Wissen generieren und damit einen wichtigen Beitrag leisten, um das Fachgebiet voranzubringen", sagt Wissenschaftsministerin Theresia Bauer.

Bei vielen Krankheiten werden bereits komplementäre Therapiemethoden eingesetzt, die den Heilungsprozess unterstützen sollen. Nach Umfragen (z.B. Allensbach-Studie 2010) verwenden mehr als zwei Drittel der Bevölkerung Naturheilmittel. Doch an den Universitäten ist die Komplementärmedizin bislang wenig präsent. "Ob tatsächlich und, wenn ja, wodurch positive klinische Effekte erzielt werden, ist oft unklar. Selbst bei einer zu beobachtenden positiven Wirkung sind die zugrundeliegenden molekularen Mechanismen weitgehend ungeklärt", erläutert Prof. Dr. med. Yvonne Samstag, Initiatorin und federführende Sprecherin des Verbundes sowie Leiterin der Sektion Molekulare Immunologie am Institut für Immunologie des Universitätsklinikums Heidelberg.

Die Ärzte und Grundlagenforscher der beteiligten Universitätsklinika verbinden ihre Expertise auf den Gebieten Immunologie, Onkologie, Naturstoffanalytik, Allgemeinmedizin und Naturheilkunde. Der Verbund will zum einen die Grundlagenforschung und die klinische Forschung vorantreiben, zum anderen Konzepte erarbeiten, um die universitäre Aus- und Weiterbildung im Bereich der komplementären Heilmethoden sowie die Patientenberatung zu verbessern.

Evidenzbasierte Phytomedizin als ein Schwerpunkt: Welche Pflanzenstoffe können das Immunsystem im Kampf gegen Tumorzellen oder chronische Entzündungen unterstützen?

Pflanzliche Wirkstoffe und ihr Einfluss auf das Immunsystem stellen einen Schwerpunkt der Heidelberger Wissenschaftler dar. "Immunzellen sind ständig im Körper unterwegs, um ihre Überwachungs- und Abwehrfunktion zu erfüllen. Erkrankungen können sowohl durch zu viel Aktivität, z.B. bei Autoimmunerkrankungen, als auch durch zu wenig Aktivität des Immunsystems, z.B. fehlende Tumorabwehr, begünstigt werden. Wir wollen herausfinden, ob sich die Aktivität und das Wanderungsverhalten von Immunzellen durch bestimmte Pflanzenstoffe beeinflussen lassen, um eine gestörte Immunabwehr wieder in das optimale Gleichgewicht zu bringen", erklärt Professor Yvonne Samstag.

Aktuell widmen sich die Forscher von AZKIM u.a. den Wirkungen des Langen Pfeffers, einer Gewürz- und Heilpflanze aus Asien, auf Immun- und Krebszellen. Außerdem untersuchen sie, ob bestimmte Stoffe der afrikanischen Heilpflanze Kalata Kalata, sogenannte zyklische Peptide, gegen Rheuma und Multiple Sklerose wirken können. "Langfristiges Ziel ist es, jene komplementärmedizinischen Therapien in eine ganzheitliche Universitätsmedizin zu integrieren, die auf fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen", so Prof. Yvonne Samstag.

Neben Prof. Dr. med. Yvonne Samstag (Immunologie, Universitätsklinikum Heidelberg) gehören Prof. Dr. med. Stefanie Joos (Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Universitätsklinikum Tübingen), Prof. Dr. med. Roman Huber (Innere Medizin und Naturheilkunde, Universitätsklinikum Freiburg) und Prof. Dr. med. Thomas Simmet (Klinische Pharmakologie und Naturheilkunde, Universitätsklinikum Ulm) zu den AZKIM-Gründungsmitgliedern.

Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg


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