Dienstag, 16. Juli 2019
Navigation öffnen

Medizin

05. Februar 2019 Natriumbikarbonat in der Tumortherapie

Eine chronische Azidose wird häufig bei Krebserkrankungen diagnostiziert, weil Tumorzellen trotz ausreichender Mengen an Sauerstoff Glucose bevorzugt zu Laktat metabolisieren (Warburg-Effekt). Das führt zu einer Akkumulation von Laktaten und Protonen zunächst im Tumorgewebe und letztlich zu einer systemischen manifesten Laktatazidose (LA) mit schlechter Prognose (Mortalität bis zu 56%) (1, 2).
Anzeige:
Fachinformation
Laktate werden in der Leber und in den Nieren metabolisiert und eliminiert. Daher können Leber- oder Niereninsuffizienz zur Entstehung einer LA beitragen. Bei Krebspatienten können Elimination durch eine aktive Laktat-Sekretion über die Nieren und Metabolisierung durch Gluconeogenese in der Leber die tumorinduzierte erhöhte Laktat-Produktion häufig nicht kompensieren (3). Dadurch entsteht ein saures Milieu, das von Krebszellen toleriert wird und zur Entwicklung eines metastatischen Phenotyps beiträgt. Das kann die Malignität des Tumors erhöhen und die Progression (Tumor- und Angiogenese (6)) forcieren. Darüber hinaus kann eine chronische LA zu Rezidiven führen und die Wirksamkeit einer Chemotherapie reduzieren (4).

Symptome

Krebspatienten zeigen aufgrund einer chronisch übersäuerten Stoffwechsellage häufig schwere Symptome wie Dyspnoe und Tachypnoe aber auch Muskelschwäche und einen insgesamt schlechten Allgemeinzustand. Klinisch imponiert besonders die Kussmaul-Atmung mit starkem Unbehagen.

Diagnose
Eine manifeste LA wird bei Blut-pH-Werten < 7,35 und Laktatkonzentrationen > 5 mmol/l diagnostiziert. Bei der Blutgasanalyse (BGA) finden sich außerdem durch die bei der Glykolyse verursachte hohe Protonen-Last häufig ein reduziertes Standard-Bikarbonat (< 22 mmol/l) mit vergrößerter Anionen-Lücke (> 11 mmol/l) (5).

Therapie
Bei der Akutbehandlung der LA erhalten die Patienten über eine Dialyse intravenös Bikarbonat, um die Protonenlast zu reduzieren und Blut-pH und Anionen-Lücke zu normalisieren. Ergänzend dazu werden über die Dialyse kontinuierlich Laktate eliminiert [6].  Ziel ist es, den Patienten schnell zu stabilisieren, bevor eine Chemotherapie durchgeführt werden kann [7]. Im weiteren Verlauf kann eine prophylaktische Gabe von oralem magensaftresistentem Natriumhydrogenkarbonat [8] die Bikarbonat-Speicher auffüllen und bei Rezidiven den erhöhten Verbrauch durch die anfallende Säure-Last kompensieren.


Red.

Quelle: journalmed.de

Literatur:

1) Gunnerson KJ, et al. Crit Care Med. 2006; 10: R22
2) Karthiraj N, et al. Indian J Crit Care Med. 2017 Aug; 21(8): 537–538.
3) van der Mijn JC, et al. Case Rep Oncol.2017 Nov 28;10(3):1085-1091.
4) Kato Y, et al. Jpn Dent Sci Rev. 2018 Feb; 54(1): 8–21.
5) Brault C et al. Front Oncol 2018; 8:232.
6) Kraut JA, et al. N Engl J Med 2014; 371:2309-2319.
7) Prikis M, et al. Nephrol Dial Transplant. 2007 Aug;22(8):2383-5.
8) Breitkreutz J, et al. J Pharm Pharmacol. 2007 Jan;59(1):59-65.


Stichwörter

Das könnte Sie auch interessieren

Faktencheck: Welchen Nutzen haben Vitamin-D-, Vitamin-E- und Selen-Präparate?

Faktencheck: Welchen Nutzen haben Vitamin-D-, Vitamin-E- und Selen-Präparate?
© mayakova / Fotolia.com

Jede vierte deutsche Frau und etwa jeder fünfte deutsche Mann nehmen Präparate zur Nahrungsergänzung. Im Zeitraum April 2015 bis März 2016 wurden insgesamt 177 Millionen Verpackungen verkauft.1 Doch schützt die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln tatsächlich vor Krankheiten? Die AOK Hessen hat Fakten zu Nutzen und Risiken von Nahrungsergänzungsmitteln übersichtlich zusammengestellt.

Der Patienten- und Pflegebeauftragte der Bayerischen Staatsregierung rät zur Patientenverfügung

Der Patienten- und Pflegebeauftragte der Bayerischen Staatsregierung rät zur Patientenverfügung
© Pixelot / fotolia.com

Die Patientenverfügung ist wichtig, wenn durch Unfall, Krankheit oder Alter der eigene Wille nicht mehr ausgedrückt werden kann. Denn: Angehörige dürfen im Ernstfall keine medizinischen Entscheidungen treffen. Darauf weist Christian Bredl, Chef der Techniker Krankenkasse (TK) in Bayern, hin. Er rät deshalb dazu, rechtzeitig eine Patientenverfügung schriftlich zu fixieren.  

Steigende Zahl älterer Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2

Steigende Zahl älterer Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2
© Robert Kneschke / Fotolia.com

Aktuell sind in Deutschland rund 17 Millionen Menschen älter als 65 Jahre. Die Zahl wird aufgrund der sich verändernden Altersstruktur auf voraussichtlich 22 Millionen im Jahr 2030 anwachsen. Die Anzahl der Hochbetagten (80 Jahre und älter) wird von derzeit vier Millionen auf sechs Millionen im Jahr 2030 ansteigen. Gleichzeitig erkranken immer mehr Menschen an Diabetes Typ 2, so dass Diabetologinnen und Diabetologen sowie Pflegende künftig viele geriatrische Patienten mit Diabetes versorgen werden: Es ist davon auszugehen, dass in Deutschland derzeit rund vier Millionen...

17. Patientenforum Lunge in Stuttgart

17. Patientenforum Lunge in Stuttgart
© adimas / Fotolia.com

Am 25. März veranstaltet der Lungeninformationsdienst zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Lungenforschung in Stuttgart sein 17. Patientenforum Lunge. Das Thema: „Aktuelles zu klinischen Studien in der Lungenforschung – Wie nützen sie den Patienten?“ Erstmals findet die Veranstaltung im Rahmen des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin statt. Ein weiterer Kooperationspartner ist der Deutsche Lungentag.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Natriumbikarbonat in der Tumortherapie"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.