Freitag, 14. Mai 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
FSME
FSME
Medizin
25. Februar 2021

Risikogruppen: Empfehlungen der STIKO

Während der Corona-Impfstoff deutschlandweit verabreicht wird, dürfen andere Schutzmaßnahmen nicht vernachlässigt werden: Vor allem Grippe, Pneumokokken, Pertussis und Herpes Zoster können für Senioren gefährlich werden und auch eine mögliche Corona-Infektion verschlimmern. DGG-Präsident Professor Hans Jürgen Heppner, Chefarzt der Klinik für Geriatrie am HELIOS Klinikum Schwelm und Lehrstuhlinhaber für Geriatrie an der Universität Witten/Herdecke, und Dr. Anja Kwetkat, Direktorin der Klinik für Geriatrie am Universitätsklinikum Jena und Leiterin der DGG-Arbeitsgruppe Impfen, erläutern die aktuellen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) für Menschen über 60 Jahre.
Anzeige:
FIASP
FIASP
 
„Corona zeigt uns eindrücklich, wie wichtig Impfungen sind – vor allem für ältere Menschen. Denn ein höheres Lebensalter führt zu einer höheren Infektanfälligkeit mit oft komplizierteren Verläufen“, erklärt Professor Hans Jürgen Heppner. Das gilt insbesondere für die Influenza: Sie war, bis Corona kam, unter den Infektionskrankheiten die Erkrankung mit der höchsten bevölkerungsbezogenen Mortalität – rund 90% der Todesfälle sind Patienten über 60 Jahre. Die große Herausforderung für die Grippesaison wird zukünftig die Abgrenzung zu COVID-19 sein. Eine Grippeimpfung empfiehlt die STIKO im Herbst für Menschen ab dem 60. Lebensjahr – mit einem 4-fach-Impfstoff gegen insgesamt 4 bekannte Virusstämme.
Da die Grippesaison in der Regel bis in den März hinein reicht, lohnt es sich trotzdem, die Impfung jetzt noch nachzuholen, falls noch nicht geschehen. Wer allerdings bereits einen Impftermin für Corona hat, sollte einen Abstand von 2 Wochen zwischen den beiden Schutzmaßnahmen einhalten. „Für die Saison 2021/2022 wird in Deutschland voraussichtlich ein Hochdosis-4-fach-Impfstoff zur Verfügung stehen. Dieser verstärkt zum Beispiel die Immunwirkung noch weiter und sorgt für eine breitere Immunantwort unter Pflegeheimbewohnern“, sagt Prof. Dr. Hans Jürgen Heppner.

Schutz gegen andere Atemwegserkrankungen: Pneumokokken- und Pertussis-Impfung

Einer der häufigsten Erreger einer ambulant erworbenen Lungenentzündung bei alten Menschen sind Pneumokokken. Ähnlich wie bei einer Influenza besteht auch bei einer Infektion mit SARS CoV-2 das Risiko einer bakteriellen Superinfektion. Für Senioren ab 60 Jahren, die keiner Risikogruppe angehören, empfiehlt die STIKO eine einmalige Standardimpfung gegen Pneumokokken. „Ob dann eine Wiederholungsimpfung nach frühestens 6 Jahren Sinn ergibt, ist je nach gesundheitlicher Situation des Patienten, etwa bei Vorerkrankungen, eine individuelle Indikationsentscheidung des Arztes bzw. der Ärztin“, erklärt Dr. Anja Kwetkat. Da derzeit für den Pneumokokken-Impfstoff ein Lieferengpass besteht, empfiehlt sie betroffenen Ärzten und Patienten, einen engen Kontakt zu ihrer Apotheke zu halten, um über Verfügbarkeiten informiert zu werden.
Kwetkat hält auch die Impfung gegen Pertussis bei Senioren für sinnvoll, die von der STIKO einmalig mit der nächsten fälligen Tetanus-/Diphtherie-Impfung empfohlen wird. So kann auch hier für die COVID-19-Risikogruppen eine weitere Atemwegsinfektion verhindert werden. „Wenn sich ein 80-Jähriger mit Pertussis ansteckt, dann ist das besonders heftig für ihn. Durch die Beeinträchtigung kann eine Negativspirale in Gang gesetzt werden, die bis hin zur Mangelernährung reicht“, erklärt Kwetkat. In Deutschland ist eine Impfung gegen Pertussis nur in Kombination mit einer Tetanus- und Diphtherie-Impfung möglich – deren Auffrischung empfiehlt die STIKO alle10 Jahre.

Auch Herpes zoster nicht vergessen

Während Corona-bedingt derzeit vor allem Atemwegserkrankungen im Fokus stehen, sollte ein weiterer wichtiger Schutz nicht vernachlässigt werden: Die von der STIKO empfohlene einmalige Standardimpfung gegen Herpes zoster ab dem 60. Lebensjahr. Denn eine Gürtelrose geht häufig einher mit chronischen Schmerzen, was für die Betroffenen zu einem erheblichen Leidensdruck und stark eingeschränkter Lebensqualität führt. Studien zeigen sogar erhöhte Suizidraten bei Betroffenen.
„Wenn wir uns alle gut vor Corona schützen, gehen logischerweise auch andere Atemwegsinfektionen zurück. Die Gürtelrose fällt da raus, denn sie ist die Reaktivierung einer Kinderkrankheit – den Windpocken. Die Infektionszahlen für Herpes zoster werden erwartungsgemäß also genauso hoch bleiben. Schützen kann man sich dagegen nur mit dieser Impfung“, weiß Dr. Anja Kwetkat.

Impfstatus checken lassen beim Hausarzt

Insbesondere in Corona-Zeiten gilt daher für Senioren: Nicht nur das aktuelle Impfangebot gegen COVID-19 wahrnehmen, sondern auch den eigenen Impfstatus bei Influenza, Pneumokokken, Pertussis/Diphtherie/Tetanus und Herpes zoster checken! „Dafür eignet sich gut der nächste Hausarztbesuch: Einfach den Impfpass mitbringen, auf Lücken überprüfen lassen und fehlende Impfungen möglichst nachholen!“, rät DGG-Präsident Heppner.
Kwetkat ergänzt: „Unbedingt den Hausarzt auch gezielt auf die genannten 4 Impfungen ansprechen – und wer sich dies nicht mehr eigenständig zutraut: Einfach eine Begleitperson bitten, den Arztbesuch zu unterstützen und dort die Gesprächsführung zu übernehmen!“

Quelle: DGG


Anzeige:
Pradaxa
Pradaxa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr als heiße Luft - Bei Sommerhitze die Ozonwerte im Auge behalten

Mehr als heiße Luft - Bei Sommerhitze die Ozonwerte im Auge behalten
© Thaut Images / Fotolia.com

Bei anhaltend hohen Temperaturen steigt auch die Ozonkonzentration in der Luft. „Das schädliche Gas kann bei empfindlichen Menschen die Augen reizen, Hustenanfälle auslösen oder Kopfschmerzen verursachen“, sagt Dr. Ursula Marschall. Die leitende Medizinerin bei der BARMER empfiehlt deshalb insbesondere älteren Menschen und chronisch Kranken bei hohen Ozonwerten körperliche Anstrengungen zu reduzieren.

Schlaganfall Rehabilitation: Technologische Unterstützung durch Roboter und funktionelle Elektrostimulation am Prüfstand

Schlaganfall Rehabilitation: Technologische Unterstützung durch Roboter und funktionelle Elektrostimulation am Prüfstand
©kras99 - stock.adobe.com

Einige Roboter können bei der Rehabilitation von Schlaganfall-PatientInnen als Ergänzung einer Standardtherapie einen klinischen Zusatznutzen schaffen. Für eine andere Methode, die funktionelle elektrische Stimulation einzelner Muskeln oder Muskelgruppen, kann ein solcher Zusatznutzen nicht nachgewiesen werden. Das sind die Ergebnisse einer auf wissenschaftlicher Evidenz basierenden Studie, die das Austrian Institute for Health Technology Assessment (AIHTA) gemeinsam mit einer deutschen Leitlinienarbeitsgruppe durchgeführt und nun veröffentlicht hat. Nach...

Forsa-Umfrage: Jede dritte Frau hat Sorgen vor Klinikaufenthalt

Forsa-Umfrage: Jede dritte Frau hat Sorgen vor Klinikaufenthalt
© VILevi / Fotolia.com

Vergessenes OP-Besteck im Körper, Komplikationen durch fehlerhafte Medizinprodukte oder Infektionen mit Keimen – immer wieder kommt es in deutschen Krankenhäusern zu solchen Zwischenfällen. Laut Medizinischem Dienst der Krankenkassen (MDK) lag die offizielle Zahl der bestätigten Behandlungsfehler im vergangenen Jahr bundesweit bei knapp 3.500. Das verunsichert Patienten verständlicherweise vor wichtigen medizinischen Eingriffen. Frauen sorgen sich häufiger als Männer vor einem Klinikaufenthalt, so das aktuelle Ergebnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Risikogruppen: Empfehlungen der STIKO "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Corona-Regeln werden für Geimpfte und Genesene gelockert
  • Corona-Regeln werden für Geimpfte und Genesene gelockert