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Medizin

23. Juni 2020 5q-SMA: Stabilisierung motorischer Fähigkeiten unter Antisense-Oligonukleotid Nusinersen

Bei der 5q-assoziierten spinalen Muskelatrophie (5q-SMA) führt ein fortschreitender Untergang von Motoneuronen zu einer progredienten Muskelschwäche. Die Ausprägungen einer SMA können dabei sehr unterschiedlich sein, vor allem abhängig vom Krankheitsbeginn und der Schwere der Symptome. Für alle Altersgruppen und SMA-Phänotypen steht seit Mitte 2017 das Antisense-Oligonukleotid Nusinersen (Spinraza®) als kausal wirksame Therapie zur Verfügung (1). Mit dem Arzneimittel kann eine Stabilisierung oder sogar Verbesserung motorischer Fähigkeiten erzielt werden, auch bei erwachsenen Patienten, wie neueste Studiendaten belegen (2, 3). Dies ermöglicht auch bei dieser Patientengruppe das Erreichen individueller Therapieziele, wie Experten auf einem Symposium von Biogen im Rahmen des virtuellen Kongresses der European Academy of Neurology (EAN) ausführten.
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Die schwere Form einer SMA (Symptombeginn ≤ 6 Monate) verläuft oftmals schnell progredient und führte vor dem Einsatz einer kausalen Therapie oft bereits innerhalb der ersten Lebensjahre zum Tod, meist durch den Verlust der Atemfunktion (4). Bei einer später einsetzenden SMA (Symptombeginn > 6 Monate) kann die Krankheitsausprägung stark variieren, etwa hinsichtlich Symptomatik, Schwere der Symptome, Komorbiditäten und Alter bei Symptombeginn, erklärte Prof. Emma Ciafaloni, Rochester, US im Rahmen des virtuellen Biogen-Symposiums. Aufgrund der Pathophysiologie der Erkrankung ist hier ebenfalls mit einem progredienten Krankheitsverlauf zu rechnen (5). Dieser kann auch bei erwachsenen Patienten durch den Einsatz von Nusinersen positiv beeinflusst werden, wie aktuelle Daten aus Lancet Neurology zeigen (2).

Motorfunktionsskalen und individuelle Therapieziele

In Studien und der klinischen Praxis haben sich bei der Behandlung und Betreuung von SMA-Patienten verschiedene motorische Funktionsskalen etabliert, mit denen Veränderungen motorischer Fähigkeiten quantifiziert und verglichen werden. Solche Funktionsskalen wie der HFMSE(Hammersmith Functional Motor Scale Expanded)-Score, RULM(Revised Upper Limb Module)-Score oder die 6-Minuten-Gehstrecke (6MWT) sind jedoch nicht auf alle SMA-Patienten gleich anwendbar und somit teilweise nur begrenzt für die Ableitung konkreter Therapieziele einsetzbar. Besonders für erwachsene Patienten mit einer sehr schweren oder einer sehr schwachen Symptomausprägung fehlt den standardisierten motorischen Funktionsskalen die Sensitivität. Hierdurch wird beispielsweise die Erfassung von Verbesserungen als Therapieerfolg erschwert, wenn diese zwar für Patienten relevant, aber nicht durch eine Skala darstellbar sind, wie auf dem Symposium von Biogen erläutert wurde. Die Verlaufskontrolle einer SMA-Therapie sollte daher insbesondere bei Erwachsenen Therapieziele einbinden, die zuvor gemeinsam mit den Patienten individuell definiert wurden und klinisch relevant sind (3, 5).

Standardisierung vs. Personalisierung

Aktuelle Daten einer deutschlandweiten, nicht-interventionellen, multizentrischen Beobachtungsstudie mit einer umfassenden Patientenkohorte belegen den Nutzen einer Nusinersen-Therapie auch bei Erwachsenen mit 5q-SMA. Die motorischen Fähigkeiten verbesserten sich stärker bei Patienten mit besserem motorischem Ausgangszustand (2). Dies scheint somit ein wichtiger Faktor für die zu erwartenden Therapieerfolge zu sein und sollte bei der Beratung und Behandlung von SMA-Patienten berücksichtigt werden. Hierbei helfen individuell festgelegte Therapieziele, die über konkrete Werte auf Motorfunktionsskalen hinausgehen. Die Berücksichtigung motorischer Fähigkeiten und nicht-motorischer Parameter wie beispielsweise Atemfunktion, Schluckfunktion und die Anzahl an Infekten sind besonders bei erwachsenen SMA-Patienten wichtig. Als Therapieerfolge können somit eine Verbesserung der allgemeinen körperlichen Ausdauer und Verfassung gewertet werden (bspw. 6-Minuten-Gehstrecke, Schluckfunktion). Die Experten nannten konkrete alltägliche Handlungen, die auf eine Besserung hindeuten können. Beispiele aus der Praxis seien etwa Singen, sich selber waschen oder wieder feste Nahrung essen zu können. Solche Therapieziele sollten den Ausgangszustand und die Wünsche des Patienten berücksichtigen und stets in realistischem Maße definiert werden. Hierdurch könne der individuelle Behandlungserfolg besser beurteilt werden.

Diagnosesicherung und interdisziplinäre Behandlung

Bei der später einsetzenden SMA ist aufgrund unterschiedlicher Symptomatik die Diagnosestellung nicht immer eindeutig und geht zum Teil mit jahrelangen Arztbesuchen einher (6). Bei allen Altersgruppen kann jedoch eine SMA-Erkrankung über einen einfachen Trockenblut-Gentest zweifelsfrei identifiziert werden. Ein für niedergelassene Ärzte kostenfreier Test wird über die Archimed Life Science GmbH angeboten und kann per Telefon (0800 4430420) oder auf der Website (www.sma-diagnostics.de) angefordert werden. Das Ergebnis liegt in der Regel innerhalb einer Woche vor.
Ist eine SMA diagnostisch abgesichert, sollte aufgrund der Komplexität der Erkrankung die Überweisung an ein spezialisiertes Zentrum erfolgen, an dem eine interdisziplinäre Betreuung gewährleistet werden kann. Die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e. V. (DGM) stellt eine aktuelle Liste der SMA-Behandlungszentren zur Verfügung, diese kann unter http://bit.ly/SMA-DGM abgerufen werden.

Quelle: Biogen

Literatur:

(1) Fachinformation Spinraza®, Stand: August 2019.
(2) Hagenacker T et al. Lancet Neurol 2020; 19(4): 317-325.
(3) Osmanovic A et al. J Neurol 2020; https://doi.org/10.1007/s00415-020-09847-8.
(4) Lunn MR, Wang CH. Lancet 2008; 371: 2120-2133.
(5) Hagenacker T et al. Therapie Report Spezial 2019; 7: 1-12.
(6) Deschauer et al.: Thieme Case Report 2020; 3: 1-24.


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