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Medizin

31. Mai 2013 Raucher-assoziierte Krebsarten töten immer mehr Frauen

Heute sterben fast drei Mal so viele Frauen an typischen Raucherkrebsarten wie vor 30 Jahren. Dabei geht der tägliche Zigarettenkonsum der Deutschen zurück. Am Freitag ist Weltnichtrauchertag. Anlass nachzudenken - etwa über Tabakwerbung. Immer mehr Frauen sterben an den Folgen des Rauchens. Die Kurve steigt schockierend steil an: In den vergangenen 30 Jahren wuchs die Zahl der Frauen, die an bösartigen Lungen-, Bronchial- oder Kehlkopftumoren starben, um 186%. Im Jahr 2011 töteten diese Krebsarten 14.500 Frauen, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden berichtete. Anlass ist der Weltnichtrauchertag am kommenden Freitag (31. Mai).

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Die Zahl der an Raucherkrebsarten verstorbenen Männer stieg im selben Zeitraum - also zwischen 1981 bis 2011 - nur um rund 11% an. Trotzdem kamen insgesamt immer noch mehr Männer als Frauen durch eine solche Erkrankung ums Leben. Im Jahr 2011 waren es bundesweit 31.000 männliche Opfer.

Für Prof. Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg ist der starke Anstieg bei Frauen eine "zeitverzögerte medizinische Reaktion auf das veränderte Rauchverhalten". Heute bekämen Frauen "die Quittung" dafür, dass es deutlich mehr Raucherinnen gebe als vor 30 Jahren. "Wenn Frauen rauchen wie Männer, werden sie auch sterben wie Männer", sagte sie.

Dabei geht zumindest der Konsum von Zigaretten zurück: 2003 wurden Tag für Tag 363 Millionen Stück geraucht, 2012 waren es nur 225 Millionen. Zigarren, Zigarillos und vor allem Feinschnitt gingen hingegen häufiger in Rauch auf - zehn statt neun Millionen Stück beziehungsweise 74 statt 51 Tonnen. Der tatsächliche Verbrauch liegt jedoch höher, denn das Bundesamt erfasst nur versteuerte Tabakwaren.

Nach einer Studie des Robert Koch-Instituts raucht etwa jeder dritte Mann und jede vierte Frau. Immerhin: Bei Jugendlichen hat sich die Raucherquote zwischen 2001 und 2011 mehr als halbiert, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. 2011 rauchten nur noch knapp 12% der 12- bis 17-Jährigen zumindest gelegentlich.

Dass Jugendliche nur noch auf Umwegen an Zigaretten kommen, hält viele vom Rauchen ab, glaubt Daniel Fauth von der Sucht- und Jugendberatungsstelle Ingelheim. Beim Zigarettenkauf seien die Alterskontrollen mittlerweile sehr strikt, es sei sogar leichter, an Cannabis zu kommen. Dennoch gebe es keinen Grund zu Entwarnung. "Rauchen ist die Einstiegsdroge Nummer eins", betonte der Experte.

Eine Studie der Krankenkasse DAK-Gesundheit legt nahe, dass Tabakwerbung zum Rauchen verleitet: "Je mehr Tabakwerbung Jugendliche schauen, desto häufiger rauchen sie - und werden letztendlich abhängig." Forscher hatten rund 1.300 Kinder und Jugendliche zweieinhalb Jahre lang begleitet. Zu Beginn der Studie rauchten diese nicht, nach zehn Kontakten mit Tabakwerbung habe sich das Risiko des täglichen Rauchens um 30% erhöht.

In manchen Betrieben steht Nichtraucherschutz nur auf dem Papier. "Nach wie vor sind viele Beschäftigte an ihrem Arbeitsplatz Passivrauch ausgesetzt", hieß es beim Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte. Eine Studie der Europäischen Kommission zeige, dass 11% der deutschen Arbeitnehmer täglich Tabakrauch ausgesetzt seien. Weitere 12% rauchten im Job gelegentlich passiv.

Viele Deutsche finden die Preise für Zigaretten zu niedrig, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der dpa ergeben hatte. 42% der Befragten waren dafür, den Preis pro Schachtel anzuheben. 29% halten die Kosten für angemessen, ein Viertel war der Ansicht, dass Zigaretten billiger werden sollten.

Der Rat der Expertin vom Krebsforschungszentrum ist klar: Aufhören! "Wir wissen vor allem aus Langzeitstudien aus England und den USA, dass ein Raucher im Vergleich zu einem Nichtraucher durchschnittlich gute 10 Jahre seines Lebens verliert."


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