Donnerstag, 30. Juni 2022
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Medizin

DEGAM: "Studie zum Thema Depression: Schlussfolgerungen sind trotz beachtenswerter Ergebnisse zu weitreichend"

Kürzlich hat die Bertelsmann Stiftung im Rahmen des "Faktencheck Gesundheit" eine neue Studie zum Thema Depression veröffentlicht. Die Autoren kommen darin zu dem Schluss, dass eine Vielzahl an Patienten mit dieser Diagnose nicht leitliniengerecht behandelt wird. Zudem würde die Diagnose häufiger in den südlichen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg gestellt. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) hält die daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen der Studienautoren aufgrund methodischer Probleme für zu weitreichend.

Wie wichtig das Thema Depression ist, zeigt die Studie eindrucksvoll: Im bundesweiten Schnitt liegt die Krankheitshäufigkeit bei immerhin 13,4%. Allerdings würden nur 26% der Patienten auch leitliniengerecht behandelt. Zudem zeigt die Studie, dass die meisten Depressionsdiagnosen in den südlichen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg gestellt werden. Diese regionale Häufung könne sowohl mit der Qualität der Versorgung, zum Beispiel durch Qualitätszirkel, als auch mit der im Vergleich größten Versorgungsdichte durch Hausärzte, Psychiater und Psychotherapeuten zusammenhängen.

Als wissenschaftliche Fachgesellschaft weist die DEGAM darauf hin, dass auf Basis von Krankenkassendaten - auf denen die Studie basiert - keine umfassende Analyse der Gründe für eine unzureichende Versorgung der Depressionspatienten vorgenommen werden kann. Denn in diesen Daten finden sich keine Angaben über den genauen Ablauf der Konsultationen sowie die Präferenz der Patienten. So könnte es zum Beispiel sein, dass eine leitliniengerechte Therapie zwar angeboten, vom Patienten aber abgelehnt worden ist. Ferner ist die Zuordnung von Schwergeraden der Depression anhand der ärztlichen Abrechnungsdiagnosen bei den Krankenkassen als besonders kritisch einzuschätzen, da hier nur sehr begrenzt auf eine klinisch valide Diagnosestellung geschlossen werden kann.  Hausärztliche Leistungen, die für viele Patienten mit depressiven Symptomen wichtig sind, wie etwa Gespräche im Rahmen der psychosomatischen Grundversorgung, wurden im Faktencheck nicht berücksichtigt.

Die oben genannten Schlussfolgerungen des "Faktencheck Gesundheit" sind aufgrund der dargestellten methodischen Probleme zu weitreichend. Sie müssten durch hochkarätige (Primär-)Studien belegt werden, die die Konsultationsabläufe und Patientenpräferenzen abbilden sowie Erfassungen des Schweregrads der Depression unter definierten Bedingungen ermöglichen. Dennoch liefert die Studie beachtenswerte Ergebnisse, insbesondere hinsichtlich der  festgestellten regionalen Unterschiede: So legen die Schlussfolgerungen zur Diagnosehäufigkeit (zentrale Rolle der Hausärzte und Hausarztdichte) zumindest nahe, dass eine ausreichende hausärztliche Versorgung notwendig ist, damit eine gestufte Versorgung, also die Überweisung der Patienten vom Haus- zum Facharzt, überhaupt stattfinden kann. Die quantitative wie auch strukturelle Sicherung der hausärztlichen Versorgung ist damit auch für die Versorgung von schwer depressiv Erkrankten von Bedeutung.

Neben der Forderung nach methodisch hochwertigen Studien der Versorgungsforschung leitet die DEGAM aus den Ergebnissen der Studie zwei grundlegende Wünsche ab: Zum einen eine besser gestufte, fachübergreifende Versorgung der Patienten und zum anderen eine Etablierung hausärztlicher Modelle, wie zum Beispiel das Case Management (individuelle Beratung und Langzeitbetreuung chronisch Kranker), sowie die bereits begonnen Veränderungen in der allgemeinmedizinischen Aus- und Weiterbildung. Das Vorhandensein einer breiten hausärztlichen Basis wie auch die qualitativ besseren Kenntnisse der Hausärztinnen und Hausärzte können zu einer adäquaten Behandlung von an Depression erkrankten Patienten beitragen.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)


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