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Medizin

04. Juni 2020 Abwärtstrend beim Cholesterinspiegel in den westlichen Industrieländern

Bei der Entstehung von Atherosklerose gilt die Senkung des Cholesterinspiegels seit den 1980er Jahren als vordringliches präventives Ziel. Eine weltweite Studie unter Federführung des Imperial College London, an der auch Wissenschaftler aus Österreich beteiligt waren, hat die Entwicklung der Cholesterin-Spiegel von 1980-2018 anhand der Daten von über 100 Millionen Menschen in 200 Ländern berechnet.
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Seit den 1980er Jahren ist der Gesamtcholesterin- wie auch der Non-HDL-Cholesterinspiegel in einkommensstarken Industrieländern wie Nordamerika und Nord-Westeuropa gesunken, in Ländern mit mittleren und niedrigen Einkommen, v.a. in Ost- und Südostasien, jedoch stark angestiegen. Das ist das zentrale Ergebnis einer weltweiten Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO unter der Leitung von Majid Ezzati vom Imperial College London, der auch assoziierter Forschungspartner des Tiroler COMET-Zentrums VASCage ist. Die Trends für Österreich basieren auf Studiendaten der Innsbrucker Univ.-Klinik für Neurologie und der Univ.-Klinik für Pädiatrie II sowie von Biostatistikern der Medizin Uni Innsbruck in Kooperation mit dem Arbeitskreis für Vorsorge- und Sozialmedizin in Bregenz.
 
Österreich: mittleres Gesamtcholesterin im Abwärts-Trend, aber noch nicht am Ziel

In Österreich ist das mittlere Gesamtcholesterin bei Männern wie bei Frauen um etwa 10 mg/dl pro Dekade zurückgegangen. Im Detail sanken die Cholesterin-Spiegel von 1980-2018 bei Männern von 232 mg/dl auf 193 mg/dl, bei Frauen von 228 mg/dl auf 189 mg/dl. Für Univ.-Prof. Dr. Stefan Kiechl, Direktor der Univ.-Klinik für Neurologie, Medizinische Universität Innsbruck, Atherosklerose-Experte und wissenschaftlicher Leiter von VASCage, ist dieser Trend durchaus erfreulich. „Die Senkung des Cholesterin-Spiegels ist maßgeblich für Prävention und Therapie von kardiovaskulären Erkrankungen. Trotzdem liegen wir von den Werten, die die Guidelines für die Atherosklerose-Prävention vorgeben, noch immer weit entfernt“, gibt er zu bedenken. Laut eigener Studie hätten 70% aller Schlaganfall-Patienten in Österreich zu hohe Cholesterin-Werte, doch nur weniger als ein Drittel werde mit Cholesterin-Senkern behandelt. Statine sind seit Mitte der 1990er Jahre klinisch im Einsatz. Seit 2015 stehen auch PCSK9-Inhibitoren zur Verfügung. Weitere Medikamente stehen unmittelbar vor der Zulassung. „Die Berechnungen zeigen, dass die Senkung der Cholesterinspiegel schon zu Beginn der 1980er Jahre eingesetzt hat. Wir können daraus schließen, dass neben den Statinen auch Lebensstil-Faktoren wie gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung zu dieser Entwicklung beigetragen haben“, erklärt Hanno Ulmer, Leiter des Instituts für Medizinische Statistik und Informatik an der Medizinischen Universität Innsbruck.
 
Bessere Risikoeinschätzung durch Non-HDL-Cholesterin

Als komplexe Erkrankung wird die Atherosklerose bzw. das kardiovaskuläre Risiko durch verschiedene Faktoren bestimmt. Neben Alter, familiärer Vorbelastung, Hypertonie und Rauchen wird zur Abschätzung des kardiovaskulären Risikoprofils heute nicht mehr hauptsächlich das LDL, sondern das Non-HDL-Cholesterin herangezogen. Dadurch ist das atherogene Risiko noch besser einzuschätzen. Gemäß der aktuellen Studie liegen die Non-HDL-Werte bei den österreichischen Männern im Mittel bei 147 mg/dl, bei Frauen bei 131 mg/dl. Für eine Berechnung von Non-HDL-Zielwerten sei immer die umfassende Einschätzung des individuellen kardiovaskulären Risikoprofils notwendig, sind sich Stefan Kiechl und Hanno Ulmer einig. Ein großes Problem stellen die beobachteten Trends für Entwicklungs- und Schwellenländer dar. „Umstellungen in der Ernährung sind in diesen Ländern oft nur schwer erreichbar und Medikamente vielfach nicht verfügbar bzw. leistbar. Hier müssen neue Strategien entwickelt werden“, schließt Kiechl.

Trends und Zahlen online

Unter http://www.ncdrisc.org/data-visualisations.html können Trends und Zahlen zur Entwicklung der Cholesterin-Spiegel weltweit und für einzelne Länder in visualisierter Form abgerufen werden.

Quelle: Medizinische Universität Innsbruck


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