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Medizin

09. Oktober 2017
Seite 2/2

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Fachinformation


Gewichtsreduktion kann das Risiko gynäkologischer Folgeerkrankungen verringern

Neben den kardiometabolischen Risiken können bei adipösen Frauen gynäkologische Krankheiten hinzukommen. So leiden adipöse Patientinnen häufig unter hormonellen Dysfunktionen, wie zum Beispiel Hyperandrogenämie oder Polycystisches Ovarsyndrom (PCOS). Letzteres ist eine der häufigsten Endokrinopathien der Frau und gekennzeichnet durch Hyperandrogenismus und chronisches Ausbleiben des Eisprungs. Die Folge sind Zyklus- und Fertilitätsstörungen (4),** Darüber hinaus besteht ein erhöhtes Risiko für gynäkologische Krebsarten wie Mamma-, Endometrium- oder Ovarialkarzinome (3). „Durch frühzeitige, anhaltende Maßnahmen zur Gewichtsreduktion können adipöse Patientinnen rechtzeitig intervenieren und diesen gynäkologischen Komorbiditäten entgegenwirken“, führte Prof. Dr. Martina de Zwaan von der Medizinischen Hochschule Hannover aus.

Frauen haben stärker mit Vorurteilen zu kämpfen

Frauen mit Adipositas sind aber nicht nur verschiedenen körperlichen, sondern in besonderem Maße auch psychologischen Belastungen ausgesetzt. „Der Grund ist ein gesellschaftlich akzeptiertes Stigma, das der Erkrankung anhaftet“, erklärte de Zwaan. „Adipositas wird immer noch viel zu häufig auf falsches Verhalten der Betroffenen zurückgeführt.“ Dabei ist krankhaftes Übergewicht eine chronische Erkrankung, die aus einem komplexen Zusammenspiel von unter anderem genetischen, physiologischen und sozioökonomischen Faktoren entsteht (11). „Frauen werden in unserer Gesellschaft immer noch stark über das Aussehen definiert. Übergewicht nagt dann nicht nur am Selbstbewusstsein, sondern führt auch zu Ausgrenzung“, referierte die Expertin. Adipösen Frauen wird beispielsweise häufig eine geringere Ausbildung und ein schlechterer Beruf zugeschrieben (2). Im Berufsleben haben sie oft mit Ungleichbehandlungen zu kämpfen (12).

(Selbst-) Stigmatisierung als Therapie-Barriere

Zur öffentlichen Diskriminierung kommt belastend hinzu, dass viele adipöse Menschen diese Vorurteile internalisieren, d.h. sie zeigen ein benachteiligendes Verhalten sich selbst gegenüber. Das kann unter anderem mit depressiven Symptomen, Ängsten, geringem Selbstwertgefühl, Essstörungen, sozialen Problemen und einer daraus reduzierten Lebensqualität einhergehen (11). „So genannte Binge Eating Störungen, bei denen es zu unkontrollierten Essanfällen kommt, treten vor allem bei Frauen auf: Sie sind 2,5-mal häufiger betroffen als Männer“, erläutert de Zwaan. Parallel gibt es auch bei Therapeuten die Tendenz, stark übergewichtigen Patienten fehlende Willensstärke und Selbstkontrolle zuzuschreiben (12). Für die Betroffenen kann dies eine benachteiligte medizinische Versorgung beispielsweise in Form einer kürzeren Behandlungszeit als bei Normalgewichtigen zur Folge haben. Adipöse gehen zudem aus Scham, Schuldgefühl oder Angst vor Diskriminierung seltener zum Arzt oder verschieben Termine (12).

„Für eine erfolgreiche Behandlung von Adipositas ist es daher unerlässlich, vorhandene Stigmata aufzulösen. Hier besteht dringender Handlungsbedarf, sowohl bei den Patienten selbst, den Therapeuten und nicht zuletzt auch in der breiten Öffentlichkeit “, betonte de Zwaan abschließend.

* Daten aus tierexperimentellen Studien
** Liraglutid 3 mg zur Behandlung der Adipositas kann bei Frauen mit PCOS eingesetzt werden, sofern kein Kinderwunsch besteht (9).

Quelle: Novo Nordisk

Literatur:

(1) Kleine-Gunk B Journal für Menopause 2000;1:7-13
(2) McLaren L Epidemiol Rev 2007;29(1):29-48
(3) IFB Adipositas. Erkrankungen. Entwicklungen. Online verfügbar unter:
https://www.ifb-adipositas.de/adipositas/entwicklungen. Zuletzt abgerufen am 13.07.2017
(4) Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG). Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Prävention und Therapie der Adipositas. Online verfügbar unter: www.adipositas-gesellschaft.de/fileadmin/ PDF/Leitlinien/S3_Adipositas_Praevention_Therapie_2014.pdf. Zuletzt abgerufen am 12. Juli 2017
(5) Bundesamt für Gesundheit BAG Publikation Schneider H. und Venetz W. Final report: Cost of Obesity in Switzerland in 2012; http://www.bag.admin.ch/themen/ernaehrung_bewegung/ 05207/05218/15444/index.html?lang=de&download=NHzLpZeg7t,lnp6I0NTU042l2Z6ln1acy4Zn4Z2qZpnO2Yuq2Z6gpJCMdX96e2ym162epYbg2c_JjKbNoKSn6A 4. von Lengerke T et al. Gesundheitswesen 2006;68(2):110-115
(6) Dengo AL et al. Hypertension 2010;55:855-856
(7) Wing RR et al. Diabetes Care 2011;34:1481-1486
(8) Badman MK, & Flier JS. Science. 2005; 307:1909-1914
(9) Saxenda® Fachinformation, aktueller Stand
(10) Roux CW et al. Lancet 2017;389:1399-1409
(11) Wright SM, Aronne LJ. Abdominal imaging 2012;37:730-732
(12) Hilbert A et al. Adipositas 2013; 7: 150-153.
Befassung der Fachpresse mit diesem wichtigen Thema im Rahmen einer unabhängigen Berichterstattung erleichtern und ist nicht zur unveränderten Übernahme bestimmt.

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